Humanitäre Maßnahmen für Kinder

2019: 41 Millionen Kinder in Krisengebieten brauchen Hilfe

Diese Ausgabe des UNICEF-Berichts über den Bedarf an humanitärer Hilfe hebt die großen Notfälle hervor, von denen Kinder und Familien auf der ganzen Welt betroffen sind, sowie die Ergebnisse, die UNICEF und ihre Partner als Reaktion auf diese Krisen erzielt haben. Der Bericht stellt fest, dass heute mehr gewalttätige Konflikte wüten als je zuvor seit der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention vor 30 Jahren, und beschreibt auch UNICEF-Initiativen zur Verbesserung der Qualität ihrer humanitären Hilfe im Jahr 2019 - insbesondere in gefährdeten Kontexten.


2018: 48 Millionen Kinder in Kriegs- und Krisengebieten brauchen Hilfe

Weltweiter Hilfsappell: UNICEF ruft heute zu Spenden in Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollar auf, um lebensrettende humanitäre Hilfe für Kinder in Krisengebieten sicherzustellen.

UNICEF ruft zur Hilfe für rund 48 Millionen Kinder in Kriegs- und Krisengebieten auf. In seinem jährlichen Nothilfeappell bittet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen um rund 3,6 Milliarden US-Dollar, um Kindern die unter Krieg, Naturkatastrophen oder anderen Notsituationen leiden, in 51 Ländern zu helfen. Die meisten Mittel werden für die Kinder in Syrien und seinen Nachbarländern benötigt (1,3 Milliarden US-Dollar), gefolgt von der Hilfe im Jemen, in der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan und für die Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch.

Auf der ganzen Welt verstärken gewaltsame Konflikte die humanitären Bedürfnisse von Kindern, die in Notsituationen am verwundbarsten sind. Konflikte, die bereits mehrere Jahre andauern – wie etwa in der Demokratischen Republik Kongo, Irak, Nigeria, Südsudan, Syrien und Jemen – werden immer komplexer und bringen neue Wellen an Gewalt, Vertreibung und Zerrüttung in das Leben von Kindern.

„Kinder können nicht warten, bis Kriege vorbei sind. Krisen bedrohen das unmittelbare Überleben und die Zukunft von Kindern und jungen Menschen in katastrophalem Ausmaß”, so Manuel Fontaine, Leiter der UNICEF-Nothilfeprogramme. „Kinder leiden am meisten, wenn durch Konflikte oder Naturkatastrophen die soziale und medizinische Grundversorgung zusammenbricht oder plötzlich kein Zugang zu Trinkwasser mehr besteht. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht umgehend handelt, um diese Kinder zu schützen und lebensrettende Hilfe bereitzustellen, sehen sie einer trostlosen Zukunft entgegen.“

Fast jedes vierte Kind weltweit lebt in einem Krisengebiet

Die Welt wird ein immer gefährlicherer Ort für viele Kinder. Fast jedes vierte Kind wächst derzeit in einem Land auf, das unter bewaffneten Konflikten oder Katastrophen leidet. Für zu viele dieser Kinder gleicht ihr Leben einem Albtraum.

Konfliktparteien zeigen vielfach eine eklatante Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben von Kindern. Kinder geraten nicht nur unter direkten Beschuss, ihnen werden auch grundlegende Leistungen verwehrt, wenn Schulen, Krankenhäuser und zivile Infrastruktur beschädigt oder zerstört werden. Rund 84 Prozent des weltweiten Nothilfebedarfs von UNICEF in 2018 (rund drei Milliarden US-Dollar) sind für die Hilfe für Kinder in bewaffneten Konflikten bestimmt.

Eine der größten Bedrohungen für das Leben von Mädchen und Buben in Krisengebieten ist die Verbreitung von Krankheiten aufgrund von verunreinigtem Wasser. Da Wasserwerke, Versorgungsleitungen oder andere kritische Infrastruktur zerstört werden oder der Zugang zu Trinkwasser verweigert wird, bleibt vielen Kindern nichts anderes übrig, als verschmutztes Wasser zu trinken. Häufig werden Familien auch in Gebiete vertrieben, in denen es keine ausreichende Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen gibt. Für Mädchen und Frauen sind dies zusätzliche Belastungen, da es oft zu ihren Aufgaben gehört, für ihre Familien Trinkwasser zu holen – auch in gefährlichen Situationen.

Sauberes Wasser ist überlebenswichtig

„In den Krisengebieten haben schätzungsweise 117 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser. In vielen Konflikten sterben mehr Kinder an den Folgen von Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden, als durch direkte Gewalt”, so Manuel Fontaine. „Ohne sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen werden Kinder oft krank. Vielfach erhalten sie keine medizinische Hilfe, weil Krankenhäuser und Gesundheitsstationen überlastet oder nicht funktionsfähig sind. Für Millionen Kinder, die an lebensgefährlicher Mangelernährung leiden, ist das Risiko für Durchfallerkrankungen wie Cholera besonders hoch – ein tödlicher Teufelskreis aus Unterernährung und Krankheiten.”

Als führende humanitäre Organisation für Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene in Notfällen, stellt UNICEF mehr als die Hälfte der Notfalls-Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung in humanitären Krisen weltweit bereit.

Wenn Katastrophen die Welt erschüttern, arbeitet UNICEF mit Partnern zusammen, um schnell Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Hygieneartikeln zu schaffen und so die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Dazu werden Latrinen gebaut, Hygieneartikel bereitgestellt, Tausende Liter Trinkwasser mit Tankwagen in Flüchtlingslager gebracht, Krankenhäuser und Cholera-Behandlungszentren unterstützt sowie Wasserwerke und Leitungen repariert. Diese Maßnahmen retten Leben und ebnen gleichzeitig den Weg für langfristige Hilfe wie Impfprogramme und Ernährungsprogramme.

Schwerpunkte der UNICEF-Hilfe in Krisengebieten

Gemeinsam mit Partnern und der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern sollen 2018:

  • 35,7 Millionen Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhalten,
  • 8,9 Millionen Kinder an formellen und informellen Bildungsangeboten teilnehmen,
  • 10 Millionen Kinder gegen Masern geimpft werden,
  • 3,9 Millionen Kinder psychosoziale Hilfe bekommen,
  • 4,2 Millionen Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung behandelt werden.

In den ersten zehn Monaten des Jahres 2017 erhielten mit Unterstützung von UNICEF

  • 29,9 Millionen Menschen Zugang zu sauberem Wasser,
  • 13,6 Millionen Kinder Impfschutz gegen Masern,
  • 5,5 Millionen Kinder Zugang zu Bildungsangeboten,
  • 2,5 Millionen Kinder mit akuter schwerer Mangelernährung medizinische Hilfe,
  • 2,8 Millionen Kinder die Chance an psychosozialen Hilfsangeboten teilzunehmen.

2017: UNICEF-Hilfsappell für 48 Millionen Kinder in Not

48 Millionen Kinder in Krisen- und Konfliktgebieten brauchen dringend Hilfe. UNICEF benötigt hierfür im Jahr 2017 rund 3,3 Milliarden US-Dollar.

Konflikte und Naturkatastrophen gefährden das Leben und die Entwicklung von 48 Millionen Kindern weltweit. Für dringend benötigte Nothilfe- und Wiederaufbauprogramme ruft UNICEF in diesem Jahr zu Spenden in der Höhe von 3,3 Milliarden US Dollar auf. Der größte Teil der Spendengelder wird für Bildungsprogramme eingesetzt, gefolgt von der Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen sowie auch für die Behandlung von Mangelernährung.

Wasser, Nahrung, Bildung und Schutz für Kinder in Not

Von Syrien bis Jemen, von Südsudan bis Nigeria stehen Kinder unter direktem Angriff in bewaffneten Konflikten. Ihr Zuhause, ihre Schulen und Gemeinden liegen in Trümmern, ihre Hoffnungen und ihre Zukunft stehen auf dem Spiel. „Land für Land vertreiben Kriege, Naturkatastrophen und der Klimawandel die Kinder aus ihrem Zuhause und setzen sie Gewalt, Krankheit und Ausbeutung aus“, so Manuel Fontaine.

Für die humanitäre Hilfe für 48 Millionen Kinder, die von Bürgerkriegen, bewaffneten Konflikten und Naturkatastrophen betroffen sind, ruft UNICEF mit dem Bericht zu Spenden in der Höhe von 3,3 Milliarden Dollar auf. Damit ermöglicht UNICEF Kindern und ihren Familien Zugang zu Trinkwasser, Nahrung, Gesundheit, Schutz und Bildung in 48 Ländern, die von Krisen geschüttelt werden.

Besonders besorgt ist UNICEF über die Lage von schätzungsweise 7,5 Millionen Kindern und Jugendlichen, die in diesen Ländern 2017 an schwerer akuter Mangelernährung leiden werden. Jeweils rund eine halbe Million Kinder sind allein im Jemen und im Nordosten Nigerias von lebensgefährlicher Mangelernährung bedroht.

„Mangelernährung ist eine stille Gefahr für Millionen von Kindern“, sagt Manuel Fontaine, UNICEF Direktor für Nothilfe Programme. „Mangelernährung kann irreversible Schäden anrichten und Kinder ihres mentalen und psychischen Potenzials berauben. In ihrer schwersten Form ist Mangelernährung tödlich.“

Oft haben Kinder in Konfliktgebieten nicht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Fehlende Bildung beeinträchtigt ihre Zukunft nachhaltig. Daher investiert UNICEF den anteilsmäßig größten Teil der Spendengelder in Bildungsprogramme in Krisengebieten.

Schwerpunkte der UNICEF-Nothilfe 2017

Der UNICEF-Nothilfeaufruf 2017 soll insgesamt 81 Millionen Menschen erreichen. Insgesamt will UNICEF:

  • 19 Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen,
  • 9,2 Millionen Kinder mit Bildungsprogrammen erreichen,
  • 8,3 Millionen Kinder gegen Masern impfen,
  • psychosoziale Hilfe für über zwei Millionen Mädchen und Jungen organisieren,
  • 3,1 Millionen schwer akut mangelernährte Kinder behandeln. 

Fokus auf die Krise in und um Syrien

Der größte Bedarf ist die Nothilfe für Kinder und Familien im Bürgerkriegsland Syrien sowie für die Flüchtlinge in den Nachbarländern wie Jordanien und Libanon. Der Konflikt in Syrien, der bald sein siebtes Jahr erreichen wird, hat weitreichende Zerstörung und Not mit sich gebracht. Alleine in Syrien sind 5,8 Millionen Kinder betroffen, 2,3 Millionen Kinder sind in die Nachbarländer geflüchtet. UNICEF benötigt hierfür allein 1,4 Milliarden US-Dollar, um die Kinder angemessen zu versorgen und sie in die Schule zu bringen.

Wirksame Hilfe für Millionen Kinder

Im vergangenen Jahr erreichten Nothilfeprogramme von UNICEF Millionen von Kindern (Zahlen für den Zeitraum Jänner bis Oktober 2016):

  • 13,6 Millionen Menschen bekamen Zugang zu Trinkwasser.
  • 9,4 Millionen Kinder wurden gegen Masern geimpft.
  • 6,4 Millionen Kinder erhielten Zugang zu Schulbildung.
  • 2,2 Millionen Kinder wurden gegen die schwerste Form von Unterernährung behandelt.

2016: UNICEF Hilfsappell für 43 Millionen Kinder in 63 Ländern

UNICEF veröffentlicht einen Spendenaufruf in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar, um 43 Millionen Kinder in humanitären Notlagen weltweit zu erreichen. Durch die Syrienkrise erreicht der Bedarf an Bildung einen Höchststand.

Erstmals fließt der größte Anteil der Hilfe, nämlich 25 Prozent, in Bildung für Kinder in Krisensituationen. UNICEF plant dieses Jahr die Anzahl der Kinder in Krisengebieten, die Zugang zu Bildung bekommen, drastisch zu erhöhen: von 4,9 Millionen Anfang 2015 auf 8,2 Millionen 2016. Mehr als die Hälfte – fünf Millionen – werden syrische Kinder in ihrem Heimatland oder den umliegenden Staaten sein.

„Millionen Kinder werden ihres Rechts auf Bildung beraubt“, so Afshan Khan, Direktorin der UNICEF Nothilfeprogramme. „Bildung ist eine lebensrettende Maßnahme für Kinder. Sie gibt ihnen die Möglichkeit zu lernen und zu spielen, auch inmitten von Gewalt, Granaten und Schüssen. In diesem Jahr ist ein Viertel unseres Aufrufs der Bildung gewidmet. Durch Bildung geben wir Kindern und jungen Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sich selbst, ihre Familien und ihre Gesellschaften und helfen ihnen, dem Teufelskreis chronischer Krisen zu entkommen.“

Konflikte und extreme Wetterbedingungen gefährden Kinder

UNICEFs diesjähriger Spendenaufruf ist doppelt so hoch wie noch jener von 2013. Konflikte und extreme Wetterbedingungen zwingen immer mehr Kinder aus ihrer Heimat zu fliehen. Millionen Buben und Mädchen sind Lebensmittelknappheit, Gewalt, Krankheit, Missbrauch sowie einer Gefährdung ihrer Ausbildung ausgesetzt.

Rund eines von neun Kindern weltweit lebt derzeit in Konfliktgebieten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Ursachen sterben, war 2015 in konfliktbetroffenen Regionen doppelt so hoch wie in anderen.

Eine wachsende Bedrohung ist der Klimawandel. Über eine halbe Milliarde Kinder leben in Gebieten, in denen es extrem oft zu Überschwemmungen kommt und fast 160 Millionen leben in trockenen oder extrem trockenen Gebieten. Ein weiteres Risiko stellt eines der stärksten El Niño Wetterereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen dar.

Die Zahl der Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, steigt weiter an. Alleine in Europa sind 2015 über eine Million Flüchtlinge und MigrantInnen angekommen.

„In den vergangenen Monaten habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie Kinder in Burundi, dem Osten Nigerias und entlang der Flüchtlingsroute in Europa über die Grenzen des menschlich Erträglichen leiden müssen“, so Khan. „Millionen Kinder weltweit wurden aufgrund von Gewalt und Konflikten gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Die globale Flüchtlingskrise ist auch eine Schutzkrise für Kinder auf der Flucht, die einem erhöhten Risiko von Missbrauch, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt sind.“

UNICEFs konkrete Maßnahmen für 2016

UNICEFs humanitäre Maßnahmen 2016 sollen insgesamt 76 Millionen Menschen in 63 Ländern erreichen.

  • Der größte Teil des Appells – 1,16 Milliarden US-Dollar – zielt auf lebensrettende Hilfe für Syrien und der syrischen Flüchtlingskrise in Ägypten, Jordanien, dem Irak, dem Libanon und der Türkei ab. Zu den wichtigsten Bedürfnissen zählen sauberes Wasser, Impfungen, Bildung und Kinderschutz.
  • 30,8 Millionen US-Dollar werden benötigt, um auf die Flüchtlings- und MigrantInnenkrise in Europa zu reagieren.
  • UNICEF benötigt 180 Millionen US-Dollar für fast 10 Millionen Kinder im Jemen, die dringend humanitäre Hilfe benötigen. Der Konflikt im Jemen dauert mittlerweile schon fast ein Jahr an.
  • UNICEF bittet um 25,5 Millionen US-Dollar, um Kinder in Burundi, einem der ärmsten Länder der Welt, zu schützen und Hilfe für Flüchtlinge aus Burundi, die nach Ruanda und Tansania geflohen sind, bereitzustellen.
  • UNICEF benötigt 188,9 Millionen US-Dollar, um auf die humanitären Bedürfnisse in Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad reagieren zu können. Dazu zählen auch die Folgen der Gewalt im Nordosten Nigerias.

UNICEFs Aufruf betrifft auch stark unterfinanzierte Notfälle. Dazu zählen anhaltende Krisen in Afghanistan, in der Demokratischen Republik Kongo und im Sudan. Diese Notfälle konnten 2015 zu weniger als 40 Prozent finanziert werden.

Von UNICEF aufgebrachte Gelder werden sowohl für sofortige humanitäre Hilfe als auch für langfristige Arbeit verwendet, um Länder auf zukünftige Katastrophen vorzubereiten.

UNICEFs Hilfe kommt an

Im Jahr 2015 konnte UNICEF Millionen Kinder mit humanitärer Hilfe erreichen:

  • 22,6 Millionen Menschen erhielten Zugang zu sauberem Wasser.
  • 11,3 Millionen Kinder wurden gegen Masern geimpft.
  • 2 Millionen Kinder wurden gegen schwere Mangelernährung behandelt.
  • 2 Millionen Kinder erhielten psychologische Hilfe.
  • 4 Millionen Kinder wurde der Zugang zu Bildung ermöglicht.