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Santiago/Chile

Neuer Bericht zur weltweiten Kindersterblichkeit

Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind

Trotz Fortschritten im Kampf gegen die Kindersterblichkeit wird das UN-Millenniumsziel 4 klar verfehlt

Noch nie haben so viele Kinder ihren 5. Geburtstag erlebt

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Fatma, 3, sitzt auf ihrem Bett in Tika, einem von UNICEF unterstützten Flüchtlings-Camp.

Laut UNICEF erleben heute mehr Kinder ihren fünften Geburtstag als jemals zuvor. Seit 1990 konnte die Zahl der Todesfälle bei Babys und Kleinkindern von mehr als zwölf Millionen auf rund 6,6 Millionen fast halbiert werden. Auch in sehr armen Ländern wie Äthiopien und Bangladesch ist es durch Impfkampagnen und den Einsatz von Gesundheitshelfern in den ärmsten Gemeinden gelungen, die Überlebenschancen der Kinder deutlich zu verbessern.  Das Ziel der Weltgemeinschaft, bis Ende 2015 die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu senken (UN-Millenniumsziel 4), wird aber aller Voraussicht nach klar verfehlt. Dies ist Ergebnis der neuesten Schätzungen zur Kindersterblichkeit, die UNICEF zusammen mit anderen Organisationen heute weltweit veröffentlicht.

Der Geburtsort als Schicksal

Zwar ist in allen Regionen der Welt die Kindersterblichkeitsrate seit 1990 deutlich gesunken. Der Ort, an dem ein Kind geboren wird, ist aber weiter entscheidend für seine Überlebenschancen: Nach wie vor werden vier von fünf Kindern, die vor ihrem fünften Geburtstag sterben, in Südasien oder dem südlichen Afrika geboren. Die Hälfte aller Todesfälle bei Kleinkindern ereignen sich in nur fünf Ländern: Indien, Nigeria, Pakistan, Demokratische Republik Kongo und China.

Die häufigsten Todesursachen

Die häufigsten Todesursachen sind weiterhin Lungenentzündung (17 Prozent), Komplikationen infolge einer Frühgeburt (15 Prozent), Komplikationen während der Geburt (10 Prozent), Durchfallerkrankungen (9 Prozent) und Malaria (7 Prozent). Für fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf ist Mangelernährung verantwortlich. Und für rund eine Million Babys jährlich ist der Tag ihrer Geburt zugleich der letzte Tag ihres Lebens.

Es besteht Anlass zu Optimismus

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Santiago/Chile

Die Analyse von UNICEF gibt auch Anlass zu Optimismus. Zahlreiche Länder haben schon jetzt das UN-Millenniumsziel zur Senkung der Kindersterblichkeit erreicht. Brasilien konnte die Rate zwischen 1990 und 2012 sogar um 77 Prozent senken und China um 74 Prozent. Besonders beindruckend ist, dass auch sieben der ärmsten Länder die Kindersterblichkeitsrate um 60 Prozent oder mehr gesenkt haben: Äthiopien, Bangladesch, Liberia, Malawi, Nepal, Osttimor und Tansania.

Es gibt keine einfache Lösung, um das Überleben von Kindern zu sichern. Die größten Fortschritte gibt es in Ländern, deren Regierung gezielt in die Gesundheitsversorgung der ärmsten Familien, in sauberes Trinkwasser sowie in Bildung und Strategien gegen Armut investiert.

Noch immer erleben zu viele Kinder ihren 5. Geburtstag nicht. Das ist nicht akzeptabel, vor allem deshalb nicht, weil viele von ihnen an Ursachen sterben, die wir verhindern könnten! Wir arbeiten mit bewährten und kostengünstigen Mitteln wie Impfschutz, Antibiotika, Moskitonetzen, Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe, um Kinderleben zu retten. Erfolge sind machbar. Wir fordern mehr politischen Willen, mehr Investitionen sowie eine Konzentration auf die ärmsten und am stärksten benachteiligten Kinder.

Gudrun Berger, Geschäftsführerin von UNICEF Österreich

Fakten auf einen Blick

Überblick

  • Der positive Trend zur Senkung der weltweiten Kindersterblichkeit hält an: Heute erleben mehr Kinder ihren fünften Geburtstag als jemals zuvor.
  • Die Sterblichkeitsrate wurde seit 1990 fast halbiert: von 90 Kindern pro 1.000 Lebendgeburten auf 48 pro 1.000 in 2012.
  • Auch die Zahl der Todesfälle bei Babys und Kleinkindern unter fünf Jahren wurde von mehr als zwölf Millionen (1990) auf 6,6 Millionen (2012) fast halbiert.
  • Im diesem Zeitraum sind allerdings 216 Millionen Kinder noch vor ihrem fünften Geburtstag gestorben, und zwar in den meisten Fällen an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten.
  • Nach wie vor sterben jeden Tag rund 18.000 Mädchen und Buben, oder anders gesagt alle fünf Sekunden ein Kind.
  • Insgesamt geht der Fortschritt viel zu langsam voran: Das große Ziel der Weltgemeinschaft, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu senken (UN-Millenniumsziel Nr. 4), wird deutlich verfehlt.
  • Bei jetzigem Tempo wird das Ziel erst im Jahr 2028 erreicht – 13 Jahre zu spät. In dieser Zeit werden 35 Millionen weitere Mädchen und Buben unnötig sterben, wenn die Anstrengungen für das Überleben von Kindern nicht drastisch verstärkt werden.

Regionale Unterschiede

  • Vier von fünf Kindern, die jung sterben, wurden in Südasien oder dem südlichen Afrika geboren.
  • Die Hälfte aller Todesfälle ereignen sich in nur fünf Ländern: Indien (22 Prozent), Nigeria (13 Prozent), Pakistan, Dem. Rep. Kongo (je 6 Prozent) und China (4 Prozent).
  • In absoluten Zahlen ist Indien das Land mit der höchsten Kindersterblichkeit: 1,4 Millionen. Prozentual ist die Gefahr für Kinder in Sierra Leone am höchsten: 182 von 1.000 Kindern sterben jung – etwa jedes sechste Kind unter fünf.
  • Trotzdem gibt es auch unter den Entwicklungs- und Schwellenländern beindruckende Erfolgsgeschichten: Länder wie Äthiopien, Bangladesch, Brasilien, Liberia, Malawi, Nepal, Osttimor oder Tansania haben schon jetzt die Kindersterblichkeit um zwei Drittel oder mehr gesenkt.

Die häufigsten Todesursachen

bei Kindern unter fünf Jahren:

  • Lungenentzündung (17 Prozent)
  • Komplikationen infolge einer Frühgeburt (15 Prozent)
  • Komplikationen während der Geburt (10 Prozent)
  • Durchfallerkrankungen (9 Prozent)
  • Malaria (7 Prozent)

Für fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kleinkindern ist Mangelernährung mitverantwortlich.

Besonders gefährlich ist die Zeit kurz nach der Geburt: 44 Prozent der Todesfälle (2,9 Millionen Kinder) passierten im ersten Lebensmonat. Für eine Million Babys jährlich ist der Tag ihrer Geburt zugleich ihr Todestag.

Die jährlichen Schätzungen zur weltweiten Kindersterblichkeit werden veröffentlicht von der UN Interagency Group for Child Mortality Estimation (IGME), UNICEF, WHO, Weltbank und UN Population Division.