Syrien: Ahmed freut sich riesig über seine neue, passende Winterkleidung.

Kinder auf der Flucht


Entwurzelt: Die wachsende Krise von Flüchtlings- und Migrantenkindern (Uprooted: The Growing Crisis of Refugee and Migrant Children)

Fast 50 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind in Folge von Flucht und Migration entwurzelt – mehr als die Hälfte von ihnen (28 Millionen) wurden durch Konflikte aus ihrem Zuhause vertrieben.

Millionen weitere Mädchen und Buben haben ihre Heimat auf der Suche nach einem besseren und sichereren Leben verlassen. Diese Zahlen hat UNICEF heute im Report „Uprooted“ veröffentlicht, der erstmals alle verfügbaren Informationen über die globale Situation in Hinblick auf Kinder zusammenträgt. Vor den beiden Weltgipfeln zu Flucht und Migration am 19. und 20. September bei den Vereinten Nationen in New York fordert UNICEF die Regierungen auf, die elementaren Rechte der betroffenen Mädchen und Buben stärker zu beachten.

Eine Krise der Kinder

Die Kinder und Jugendlichen, die oft traumatischen Situationen von Konflikt und Gewalt entkommen sind, sind auf der Flucht großen Risiken ausgesetzt: der Gefahr, bei der Bootsüberfahrt zu ertrinken, an Hunger und Durst zu sterben und Opfer von Menschenhandel, Kidnapping, Vergewaltigung oder Mord zu werden. In den Transit- und Zielländern begegnet ihnen oft Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Trotzdem ist die Not der Familien in ihren Herkunftsländern häufig so groß, dass ihnen keine andere Wahl bleibt, als diese Gefahren in Kauf zu nehmen. 

Die wichtigsten Fakten zu Flucht und Migration von Kindern

  • Kinder sind von Flucht besonders betroffen: Die unter 18-Jährigen stellen nur rund ein Drittel der Weltbevölkerung, aber die Hälfte der Flüchtlinge dar. Rund 45 Prozent aller Flüchtlingskinder unter dem Mandat des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) kamen 2015 aus Syrien und Afghanistan. 
  • 28 Millionen Kinder sind vor Gewalt und Konflikt auf der Flucht. Dazu gehören zehn Millionen geflüchtete Kinder, eine Million Mädchen und Buben in Asylverfahren und schätzungsweise 17 Millionen Kinder und Jugendliche, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind (Binnenvertriebene). 
  • Immer mehr Kinder und Jugendliche verlassen ihre Heimat allein, ohne den Schutz der Eltern. 2015 haben über 100.000 sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in 78 Ländern Asyl beantragt – das sind dreimal so viele wie 2014. Unbegleitete Flüchtlingskinder sind besonders von Ausbeutung und Missbrauch bedroht. 
  • Rund 20 Millionen Kinder haben aus unterschiedlichen Gründen ihr Heimatland als Migranten und Migrantinnen verlassen, beispielsweise um extremer Armut oder gewalttätigen Gangs zu entkommen. Viele von ihnen können leicht Opfer von Missbrauch oder eingesperrt werden, weil ihnen Papiere fehlen, sie einen unsicheren Rechtsstatus haben und ihr Wohlergehen nicht systematisch beachtet und erfasst wird. Kinder fallen häufig durch alle Raster. 

Globale Trends – Kinder auf der Flucht

  • 31 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben außerhalb ihres Geburtslandes, einschließlich elf Millionen Flüchtlingskinder und Kinder, die um Asyl suchen. Weitere 17 Millionen Mädchen und Buben sind vor Krieg und Gewalt innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht (Binnenvertriebene).
  • Die Zahl der Flüchtlingskinder unter dem Mandat des Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Eins von 200 Kindern weltweit ist heute ein Flüchtlingskind. Fast die Hälfte aller Flüchtlingskinder (45 Prozent) kam 2015 aus nur zwei Ländern: Syrien und Afghanistan.
  • Jeder zweite Flüchtling oder Vertriebene auf der Welt ist ein Kind oder Jugendlicher – das ist mehr, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht und deutlich mehr als in der Gruppe der Migranten.
  • Die mit Abstand meisten geflüchteten Kinder und ihre Familien suchen in ihrer jeweiligen Heimatregion Schutz. Die zehn Länder, die die meisten Flüchtlinge aufgenommen haben, liegen alle in Asien und Afrika. Obwohl die verfügbaren Statistiken nicht vollständig nach Alter differenziert sind, ist die Türkei wahrscheinlich das Land mit der weltweit größten Population von Flüchtlingskindern.
  • Mädchen und Buben sind von Flucht gleichermaßen betroffen, obwohl die Gefahren zum Beispiel durch Rekrutierung oder sexuelle Gewalt für sie unterschiedlich sein können.

Chancen durch Migration – für beide Seiten

Während die Türkei weltweit die größte Zahl an Flüchtlingen aufgenommen hat, beherbergt der Libanon die meisten Flüchtlinge pro Einwohner. Gemessen an ihrer Wirtschaftskraft haben hingegen die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien und Pakistan die meisten Flüchtlinge zu versorgen. 

In dem Bericht „Uprooted“ setzt sich UNICEF für sichere und legale Zuzugsmöglichkeiten ein. Migration kann sowohl für die Kinder als auch für die Gesellschaften, in die sie zuwandern, große Chancen bieten. Einer Analyse zufolge zahlen Migranten und Migrantinnen in Ländern mit hohen Einkommen mehr Steuern und Sozialleistungen, als sie erhalten, füllen Lücken im Arbeitsmarkt und tragen zu Wirtschaftswachstum und Innovationen bei. 

Bildung als Fluchtgrund – Flucht als Bildungshindernis

Fehlende Bildungschancen sind für viele Kinder und ihre Familien einer der Hauptgründe, ihre Heimat zu verlassen. Jedoch ist für Flüchtlingskinder die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht in die Schule gehen, fünfmal so groß wie bei anderen Kindern. Wenn sie überhaupt zur Schule gehen können, leiden sie häufig unter Diskriminierung, unfairer Behandlung und Mobbing. 

Sechs Forderungen von UNICEF an die Regierungen

  • Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Kinder, müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.
  • Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss aufhören.
  • Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu schützen und ihnen einen sicheren rechtlichen Status zu geben.
  • Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.
  • Fluchtursachen müssen bekämpft werden.
  • In den Transit- und Zielländern müssen Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung gefördert werden.



Gefahr auf jedem Schritt des Weges (Danger Every Step of the Way)
Link zum Bericht "Danger every step of the way"  (PDF, engl., ca. 2,6 MB)
© UNICEF
"Danger every step of the way"
(PDF, engl., ca. 2,6 MB)

Der Report dokumentiert die erschreckenden Risiken, die sie auf ihrer Flucht vor Krieg, Verzweiflung und Armut eingehen.

Zwischen 1. Jänner und 5. Juni 2016 wurden 2.809 Todesopfer im Mittelmeer protokolliert, im Vergleich dazu waren es im ganzen letzten Jahr 3.770. Die überwiegende Mehrheit davon starb auf der zentralen Mittelmeerroute und viele waren Kinder.

In der Regel sind unbegleitete Minderjährige von Schleppern abhängig, die sie etappenweise bezahlen müssen, weshalb sie leicht zu Opfern von Ausbeutung werden.

Manche werden sexuell missbraucht und ausgebeutet. Italienische Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen erzählten UNICEF, dass sowohl Mädchen als auch Burschen in Libyen sexuell angegriffen und zur Prostitution gezwungen wurden und dass manche der Mädchen bei der Ankunft in Italien schwanger sind, weil sie vergewaltigt wurden.

Da Schlepperei illegal ist, gibt es aber keine verlässlichen Statistiken darüber, wie viele Flüchtlinge und andere Migranten und Migrantinnen sterben, in die Zwangsarbeit verschwinden, zur Prostitution gezwungen werden oder in Haft gelangen

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"Danger every step of the way" (PDF, engl., ca. 2,6 MB)




Stilles Leid
Das Titelbild der UNICEF Studie "Stilles Leid".

Ein 13-Jähriger Junge geht jede Nacht mit der Angst zu Bett, „wann sie kommen werden“. Wann immer er an seine Rückkehr erinnert wird, „fange ich an zu zittern und zu schwitzen“ und „fange an, einfach zu schreien. Ich gehe raus, um nur nicht zu Hause zu bleiben, und um mich irgendwo abzuregen. … Ich laufe in die Stadt, weil ich zu viel Angst habe, um zu Hause zu bleiben….“


Vor dem Trauma der Abschiebung waren viele dieser Heranwachsenden und ihre Eltern bereits anderen schweren Belastungen ausgesetzt – während des Krieges auf dem Balkan, durch ihr zeitweises Leben in der Illegalität und langjährige Diskriminierung. Nach ihrer Rückkehr ins Kosovo fehlt es dort an sozialer Unterstützung. Die Kinder und Jugendlichen sind fremd und isoliert. Insbesondere die zwangsweise rückgeführten Kinder und Jugendlichen leiden unter posttraumatischen Beschwerden und Angstzuständen und benötigen psychiatrische und kinderpsychologische Hilfe. Diese ist im Kosovo jedoch nicht für sie erreichbar. 

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"Stilles Leid - Zur psychosozialen Gesundheit abgeschobener und rückgeführter Kinder" (PDF, Engl., 503 KB) 




Für jedes Kind eine faire Chance: Das Versprechen von Gerechtigkeit (For every child, a fair chance: The promise of equity)
Kinder stehen am Eingang ihres Zeltes im Bab Al Salame Flüchtlingscamp in Syrien.
© UNICEF/UNI156524/Diffidenti
Kinder stehen am Eingang ihres Zeltes im Bab Al Salame Flüchtlingscamp in Syrien.
Der Bericht "For every child, a fair chance: The promise of equity" als Download
© UNICEF
Der Bericht "For every child, a fair chance: The promise of equity" als Download
(PDF, Engl., ca. 7MB)

Tag der Kinderrechte: Kinder auf der Flucht brauchen eine faire Chance

Ungerechtigkeit, Gewalt und Verletzung der Menschen- und Kinderrechte sind die treibenden Kräfte hinter der Flüchtlingskrise in Europa

Dass fast 14 Millionen Kinder und Jugendliche in Syrien, dem Irak und Afghanistan täglich mit Krieg und Ungerechtigkeit konfrontiert werden, schürt die Flüchtlingskrise in Europa.

Der am Tag der Kinderrechte 2015, von UNICEF veröffentlichte Bericht „For every child, a fair chance: The promise of equity“ zeigt, dass die Welt, trotz erheblicher Fortschritte seit Beschluss der Kinderrechtskonvention im Jahr 1989, ein zutiefst ungerechter Ort für die ärmsten und am meisten benachteiligten Kinder bleibt. Dazu zählen auch die Flüchtlingskinder in Europa.

„Manche haben in ihrem Leben nichts anderes als Terror, Unglück, Ungerechtigkeit und Benachteiligung kennen gelernt, deswegen ist es kaum eine Überraschung, dass mehr als 200.000 Kinder in diesem Jahr ihr Leben riskiert haben, um in Europa Zuflucht zu suchen“, so Marie-Pierre Poirier, UNICEF Sonderbeauftragte für die Flüchtlingskrise in Europa. „Sie sind Opfer von Umständen, die sie nicht kontrollieren können; sie sollten nicht noch einmal zu Opfern gemacht werden und vor neuen Hindernissen stehen – geschlossene Grenzen, verschlossene Schulen, kein Obdach. Es ist nur richtig, dass sie eine faire Chance auf ein neues Leben bekommen.“

Laut UNICEF ist die einzige Möglichkeit, all den Kindern, die vor Krieg und Konflikt in Syrien, dem Irak und Afghanistan fliehen, eine faire Chance zu geben, eine baldige politische Lösung für die Konflikte in ihren Herkunftsländern und humanitäre Unterstützung in der Region.

Für Kinder, die vor Benachteiligung und Ungerechtigkeit auf dem Balkan oder in Teilen Afrikas und Südasiens fliehen, liegt der Schlüssel darin, die teuflische intergenerationelle Spirale von Armut und Benachteiligung zu durchbrechen, indem man die Ressourcen dort bündelt, wo sie am meisten gebraucht werden – bei den am schlechtesten gestellten Mitgliedern der Gesellschaft.

Der Bericht „For every child, a fair chance: The promise of equity“ zeigt anhand von Statistiken, wie es den weltweit marginalisiertesten Kindern hinsichtlich Basisindikatoren für menschliche Entwicklung ergangen ist. Der Bericht plädiert dafür, Chancengleichheit herzustellen, wo es sie noch nicht gibt und argumentiert, dass die Investition in Kinder, vor allem die verwundbarsten, nicht nur aus Prinzip richtig, sondern auch praktisch sinnvoll ist. Nicht nur die Kinder profitieren davon, sondern auch ihre Familien, Communities und die Wirtschaft.

Am 20. November startet UNICEF die Kampagne „Fight Unfair“. Weltberühmte UNICEF-BotschafterInnen werden ihre Stimmen erheben und ihre Social Media-Netzwerke aktivieren, um Maßnahmen für die am meisten benachteiligten Kinder der Welt voranzutreiben.

„Es ist erschütternd, dass eines von neun Kindern in einem Land lebt, das von einem bewaffneten Konflikt betroffen ist, schreckliche Gewalt miterleben muss und sein Recht auf Leben, Gesundheit und Bildung zerstört wird“, so der britische Schauspieler und UNICEF-Botschafter Orlando Bloom. „Ich bin mit UNICEF in die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und nach Serbien gereist und habe gesehen, wie der Krieg Kinder und ihre Familien aus ihrem Zuhause vertreibt. Die Welt erlebt die schlimmste Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Jedes Land, das dazu in der Lage ist, sollte die betroffenen Kinder und Familien unterstützen.“

Einige statistische Kennzahlen aus dem Bericht:

  • Die Wahrscheinlichkeit vor der Vollendung des 5. Lebensjahres zu sterben ist bei Kindern aus den ärmsten Haushalten doppelt so hoch wie bei Kindern aus den reichsten Haushalten, die Wahrscheinlichkeit nicht zur Schule zu gehen ist fünfmal so hoch.
  • Die Wahrscheinlichkeit vor dem 18. Geburtstag verheiratet zu sein ist bei Mädchen aus den ärmsten Familien viermal so hoch wie bei Mädchen aus den reichsten Familien.
  • Mehr als 2,4 Milliarden Menschen haben noch immer keinen Zugang zu angemessenen Sanitäreinrichtungen – 40 Prozent davon leben in Südasien; mehr als 660 Millionen Menschen haben immer noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser – fast die Hälfte davon lebt in Afrika südlich der Sahara.
  • Ungefähr die Hälfte der 159 Millionen von „stunting“ (Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Entwicklung durch chronische Unterernährung) betroffenen Kinder lebt in Südasien, ein Drittel in Afrika.
  • Fast die Hälfte aller Todesfälle von Kindern unter 5 Jahren ereignet sich in Ländern, die von Konflikten und Naturkatastrophen betroffen sind. Dort leben auch 43 Prozent der Kinder, die nicht zu Schule gehen.

Download

"For every child, a fair chance: The promise of equity" zum Download (Englisch, ca. 7 Mb, pdf)




Safe & Sound: Strategien für Schutz und Unterstützung von unbegleiteten Flüchtlingskindern in Europa
"Safe&Sound" als Download  (PDF, Deutsch, ca. 2MB)

Strategien für Schutz und Unterstützung von unbegleiteten Flüchtlingskindern in Europa

Die Rechte von unbegleiteten Kindern sind sowohl auf internationaler Ebene, vorrangig durch die Kinderrechtskonvention, als auch auf nationaler Ebene in den jeweiligen einzelstaatlichen Rechtsnormen verankert. Zusätzlich enthält das europäische Rechtssystem, insbesondere das EU-Recht zahlreichte Bestimmungen im Rahmen des gemeinsamen europäischen Asylsystems, in denen Standards zum Umgang mit diesen besonders verletzbaren Kindern festgelegt sind. Das Kindeswohl hat bei allen Regelungen Vorrang – im Zentrum steht immer das "übergeordnete Interesses des Kindes".
 
Doch Flüchtlingskindern in der Praxis angemessen Schutz zu bieten und ihre Rechte zu wahren stellt die europäischen Staaten vor eine große Herausforderung. Dies haben UNICEF und UNHCR zum Anlass genommen, um einen Leitfaden zu entwickeln, in dem Maßnahmen und Prozessabläufe vorgestellt werden, die sicherstellen sollen, dass staatliche Behörden und öffentliche sowie private Einrichtungen im Umgang mit unbegleiteten Kindern in allen Stadien von der Ankunft bis hin zur Feststellung einer dauerhaften Lösung für das Kind im Einklang mit dem Kindeswohl handeln. Die notwendigen Maßnahmen sind in Schritte untergliedert, von der Ankunft über die Registrierung, die Weiterleitung an die Jugendbehörden, das Asylverfahren bis zur endgültigen Entscheidung über den weiteren Aufenthalt.
 
Bei jedem dieser Schritte ist es wichtig, zu erkennen was im besten Interesse des einzelnen Kindes ist. Je weitreichender die Entscheidungen sind, die für das Kind getroffen werden, desto formalisierter sollte das Verfahren zur Bestimmung des Kindeswohls sein. Alle relevanten Informationen über das Kind sollten einbezogen und entsprechend gewichtet werden. Wichtig ist dabei die Unterstützung durch einen unabhängigen Vertreter, aber auch die Möglichkeit des Kindes, seine Interessen und Ansichten zu äußern. Entscheidend ist auch, dass die getroffene Entscheidung nachvollziehbar ist. Insbesondere im Asylverfahren mit seiner weitreichenden Bedeutung ist es wichtig, kinderspezifische Aspekte zu beachten und die Kriterien für die Gewährung internationalen Schutzes kindgemäß zu interpretieren. Gleiches gilt bei aufenthaltsrechtlichen Entscheidungen.
 
UNICEF und UNHCR begrüßen die Bemühungen vieler europäischer Staaten, das Prinzip des Vorrangs des Kindeswohls zu berücksichtigen und Verfahrensstandards einzuführen. In dem Leitfaden werden daher auch schon bestehende Verfahren aus verschiedenen europäischen Staaten vorgestellt, um darzulegen, dass eine Umsetzung praktikabel ist und um Denkanstöße zu geben, wie die Praxis noch weiter positiv gestaltet werden kann, um den Vorrang des Kindeswohls im Verwaltungshandeln dauerhaft zu verankern.

Downloads

"Safe&Sound" (deutsche Version, ca. 2MB)

"Safe&Sound"  (englische Version, ca. 2,3MB)