Schluss mit Gewalt gegen Kinder

Puppen in einem zerstörten Haus in Syrien.
© UNICEF/NYHQ2012-0207/Romenzi
Puppen in einem zerstörten Haus in Syrien.

Gewalt in Österreich

Gewalt ist überall. Auch in Österreich.

Laut Angaben des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2011 österreichweit 7.450 Anzeigen wegen "strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben" aufgegeben, bei denen das Opfer jünger war als 18 Jahre. Im gleichen Jahr wurden 2.184 "strafbare Handlungen gegen die Freiheit" mit minderjährigen Opfern zur Anzeige gebracht, "strafbare Handlungen gegen die Sittlichkeit" (=Sexualdelikte) waren es 1.069.

Insgesamt gab es also in Österreich im Jahr 2011 über 10.000 Anzeigen wegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Dunkelziffer höher liegt.


Was tun bei Gewalt gegen Kinder?

Als Opfer von Gewalt

Trau dich was sagen!

Es ist nicht deine Schuld, wenn dir jemand etwas Schlimmes antut und du musst dich auch sicher nicht dafür schämen.

Wenn du Hilfe brauchst, dann geh am Besten zu einem Erwachsenen, dem du vertraust (zum Beispiel eine Lehrerin oder ein Lehrer) und sprich mit ihm über dein Problem. Niemand kann dir etwas vorwerfen, wenn du einfach nur die Wahrheit sagst.

Wenn du dich nicht traust, mit einem Erwachsenen zu reden, dann vertraue dich zuerst einer Freundin oder einem Freund an. Vielleicht könnt ihr dann ja gemeinsam zu einem Erwachsenen gehen.

Es gibt auch spezielle Beratungsstellen für Kinder, denen Gewalt angetan wurde. Die Beratung erfolgt meistens anonym, das heißt, dass du deinen Namen nicht sagen musst und niemand erfährt, dass du dich an so eine Stelle gewandt hast.

Die Telefonnummern und Internetadressen von einigen dieser Beratungsstellen findest du hier:

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Als Zeuge von Gewalt gegen Kinder

In einem Zentrum für Straßenkinder in Kenia tröstet eine Mitarbeiterin ein weinendes Mädchen.
© UNICEF/NYHQ2012-0757/Noorani
In einem Zentrum für Straßenkinder in Kenia tröstet eine Mitarbeiterin ein weinendes Mädchen.

Kinder und Jugendliche

Sei vorsichtig! Du solltest dich nur einmischen, wenn du dich dabei selbst nicht in Gefahr bringst!

Wenn du mit ansiehst, wie einem Kind Gewalt angetan wird, dann ruf am Besten einen Erwachsenen oder die Polizei (133) zu Hilfe.

Wenn du glaubst, dass ein Freund oder eine Freundin oder jemand aus deiner Klasse zum Opfer von Gewalt wurde, dann frag' vorsichtig nach und biete deine Hilfe an. Oft geht es den Betroffenen schon besser, wenn sie mit jemandem über die Sache reden können. Sprich ihm oder ihr Mut zu und überlegt euch, was ihr als nächstes tun könnt. Schlag vor, gemeinsam zu einem vertrauenswürdigen Erwachsenen oder einer Beratungsstelle zu gehen.

Du kannst auch gleich zu einem Erwachsenen gehen, ihm von deinem Verdacht erzählen und um Rat fragen.

Oder du wendest dich an eine der Beratungsstellen, die hier aufgelistet sind:

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Erwachsene

Für Erwachsene gilt ähnliches wie für Kinder und Jugendliche die Zeuge von Gewalt wurden. Sie müssen entscheiden, wie groß das Risiko ist, wenn Sie sich einmischen. Falls Sie sich selber in Gefahr bringen oder zu befürchten ist, dass die Situation eskaliert, wenn sie einschreiten, ist es oft besser, gleich die Polizei zu rufen.

Dabei gilt: Lieber einmal zu oft die Polizei rufen, als einmal zu wenig! Zögern Sie im Zweifelsfall also nicht, sich an die Exekutive zu wenden.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Kind in Ihrer Umgebung misshandelt oder sexuell missbraucht wird, dann können Sie selbstverständlich nachfragen. Gehen Sie dabei aber äußerst vorsichtig und sensibel vor!

Es ist aber meistens sinnvoller sich Rat zu holen, als vorschnell und unüberlegt zu handeln. Die zuständigen Beratungsstellen stehen in der Regel nicht nur Kindern offen, sondern auch Erwachsenen, die nicht wissen, wie sie sich in so einer Situation verhalten sollen. 

Eine Liste dieser Institutionen finden sie hier:

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Weitere Infos zur richtigen Hilfe für Opfer von Gewalt:

http://www.gewalt-ist-nie-ok.at/wie-helfen/

http://www.interventionsstelle-wien.at

http://www.die-moewe.at/de/hilfe-bei-verdacht-auf-sexuellen-missbrauch


Recht gegen Gewalt

Gewaltverbot in der Erziehung

Österreich hat bereits 1989, als viertes Land weltweit, Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten. § 146a des ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch) untersagt, jede Form von Gewalt, physisch oder psychisch-emotional, zur Bestrafung von Kindern einzusetzen. Es wurde allerdings klar festgestellt, dass dieses Gesetz nicht die elterliche "Standpauke", wohl aber Beleidigungen und Beschimpfungen verbietet.

Die "g'sunde Watschn" ist in Österreich somit gesetzeswidrig!

Die Kinderrechtskonvention

Ehemalige Kindersoldaten spielen Fußball in der Zentralafrikanischen Republik.
© UNICEF/NYHQ2012-0898/Sokol
Ehemalige Kindersoldaten spielen Fußball in der Zentralafrikanischen Republik.

Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK) wurde 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen und soll allen Kindern der Welt grundlegende Rechte garantieren. Sie beruht auf 4 Grundprinzipien:

  • Recht auf Gleichbehandlung
  • Wohl des Kindes hat Vorrang
  • Recht auf Leben und Entwicklung
  • Achtung vor der Meinung des Kindes

Neben der impliziten Forderung nach einem gewaltfreien Aufwachsen von Kindern, die im dritten dieser Prinzipien erkannt werden kann, beinhaltet die KRK auch mehrere Artikel, die das Thema Gewalt explizit behandeln. Artikel 19 besagt, dass jedes Kind das Recht auf Schutz vor Gewalt, Misshandlung, Vernachlässigung oer Ausbeutung hat. Artikel 32 verbietet Kinderarbeit. In Artikel 34 wird das Recht auf Schutz vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch beschrieben. Weitere Artikel sollen Schutz vor anderen Formen der Ausbeutung, Kinderhandel, Folter, unmenschlicher Behandlung, Todesstrafe, lebenslanger Freiheitsstrafe und Schutz bei bewaffneten Konflikten garantieren. Opfern von Gewalt oder Ausbeutung wird das Recht auf Rehabilitation zugesprochen.

Die Umsetzung dieser Rechte und der Schutz der Kinder obliegt den Nationalstaaten. Österreich hat die KRK 1990 unterzeichnet und 1992 ratifiziert und als Gesetz beschlossen, allerdings mit einem Erfüllungsvorbehalt. Das heißt, dass sie nicht direkt exekutierbar ist. Es kann also niemand wegen eines Verstoßes gegen die Kinderrechtskonvention angezeigt oder verklagt werden. Die KRK ist somit eigentlich nur soweit praktisch wirksam, wie sie in österreichische Gesetze "übersetzt" wurde.

Das BVG Kinderrechte

Im Februar 2011 wurde das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern vom Nationalrat beschlossen. Damit wurden zumindest einige der in der KRK beschriebenen Rechte in der österreichischen Verfassung verankert.

Artikel 3 verbietet Kinderarbeit und Artikel 5 lautet:

"(1) Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind verboten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung.

(2) Jedes Kind als Opfer von Gewalt oder Ausbeutung hat ein Recht auf angemessene Entschädigung und Rehabilitation. Das Nähere bestimmen die Gesetze."

Das Strafgesetzbuch

Das österreichische Strafgesetzbuch (StGB) beinhaltet eine ganze Reihe an Gesetzen die Gewalt in ihren verschiedenen Formen behandeln. Dabei werden drei Gruppen unterschieden:

  • Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben
  • Strafbare Handlungen gegen die Freiheit
  • Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität

Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben (§§ 75-95 StGB)

Die Paragraphen 75-81 StGB betreffen Tötungsdelikte wie Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung. §§ 83-85 StGB haben verschiedene Formen der Körperverletzung zum Inhalt (fahrlässig, schwer, etc.). § 92 StGB beschreibt den Tatbestand "Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen" und ist damit bei Gewalt gegen Kinder besonders relevant.

Maria Jose lebt mit ihren vier jüngeren Geschwistern bei einer Pflegemutter, nachdem ihre biologische Mutter sie im Stich gelassen hat.
© UNICEF/NYHQ2012-2275/Markisz
Maria Jose lebt mit ihren vier Geschwistern bei einer Pflegemutter nachdem ihre biologische Mutter sie im Stich gelassen hat.

Strafbare Handlungen gegen die Freiheit (§§ 99-110 StGB)

§ 99 StGB stellt Freiheitsentzug unter Strafe, § 101 StGB betrifft die "Entführung einer unmündigen Person", also unter anderem die Entführung von Kindern, §§ 106 und 107 StGB behandeln "Nötigung" und "schwere Nötigung" und mit $107a StGB ("Beharrliche Verfolgung") wurde 2006 das lange geforderte Gesetz gegen Stalking beschlossen

Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität (§§ 201-220b StGB)

Vor allem in diesem Abschnitt des Strafgesetzbuches finden sich eine Reihe von Paragraphen, die speziell Delikte mit minderjährigen Opfern behandeln:

  • §§ 206 und 207 StGB "(Schwerer) sexueller Missbrauch von Unmündigen"
  • § 207a StGB "Pornographische Darstellungen Minderjähriger"
  • § 207b StGB "Sexueller Missbrauch von Jugendlichen"
  • § 208 StGB "Sittliche Gefährdung von Personen unter sechzehn Jahren"
  • § 208a StGB "Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen"
  • § 214 StGB "Entgeltliche Vermittlung von Sexualkontakten mit Minderjährigen"
  • § 215a StGB "Förderung der Prostitution und pornographischer Darbietungen Minderjähriger"

Das Zweite Gewaltschutzgesetz

Mit dem 2009 verabschiedeten sogenannten "Zweiten Gewaltschutzgesetz" wurden einige der oben genannten Paragraphen reformiert.

Vor allem im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Integrität wurden die Bestimmungen verschärft. Die möglichen Strafen wurden erhöht und das wissentliche Anschauen von Kinderpornografie im Internet explizit verboten. Zudem wurde die Verjährungsfrist für sexuelle Gewalttaten an Minderjährigen verlängert und 2010 bis zur Vollendung des 28. Lebensjahres des Opfers weiter ausgedehnt.



Schluss mit Gewalt gegen Kinder

Ein junges Mädchen schaut verträumt aus einen verschlossenen Fenster in die Ferne. Draußen breitet sich ein grünes Land vor ihr aus.
© UNICEF/NYHQ2000-1004/Shehzad Noorani
Die damals 15jährige Yv wurde im Jahr 2000 in Kambodscha entführt und in die Prostitution verkauft.

Gewalt zerstört Kinder und ihre Kindheit. Wunden und Blutergüsse mögen verschwinden, seelische Narben meist nicht. Mach mit. Mach Unsichtbares sichtbar. Hilf uns, Gewalt gegen Kinder auszurotten.

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Gewalt kennt viele Formen

Die 7jährige Lucila wurde von ihre Eltern im Stich gelassen und lebte danach 3 Jahre auf der Straße. Heute lebt sie in einem Heim für sexuell missbrauchte Kinder.
© UNICEF/NYHQ2012-1461/Dormino
Die 7jährige Lucila wurde von ihre Eltern im Stich gelassen und lebte danach 3 Jahre auf der Straße. Heute lebt sie in einem Heim für sexuell missbrauchte Kinder.

Gewalt ist überall und kennt viele Formen. Körperlich bzw. sexuell, Angriffe mit Waffen oder auf die Psyche, Gewalt in der Familie, der Schule und am Arbeitsplatz. Das Ausmaß und die Vielfältigkeit der Gewalt gegen Kinder ist erschreckend.

Hier findest du Zahlen und Fakten

Geschichten über Gewalt

George, 13, wurde von der LRA entführt und musste schreckliches mitansehen. Ihm gelang die Flucht.
© UNICEF/NYHQ2004-1161/LeMoyne
George, 13, wurde von der LRA entführt und musste schreckliches mitansehen. Ihm gelang die Flucht.

Gewalt beraubt Kinder ihrer Kindheit. Psychische und physische Langzeitfolgen erlittener Traumata bedingen oft lebenslanges Leid. Doch für manche Opfer gibt es trotzdem ein Happy End.


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