114 unbegleitete Kinder vor der Küste Libyens aus dem Meer gerettet

Amman/Genf/Wien - Mehr als 350 Menschen sind seit Anfang des Jahres im Mittelmeer ertrunken oder vermisst worden

Eine Frau und ein Kind sitzen auf einer alten Matratze in einem Haftzentrum in Libyen. 2017

Eine Frau und ein Kind sitzen mit Dutzenden anderen auf einer alten Matratze in einem Haftzentrum in Libyen. 2017 © UNICEF

Statement von Ted Chaiban, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika und Afshan Khan, UNICEF-Regionaldirektor für Europa und Zentralasien sowie Sonderkoordinator für die Flüchtlings- und Migrantenhilfe in Europa

„Diese Woche wurden 125 Kinder, darunter 114 unbegleitete Kinder, vor der Küste Libyens aus dem Meer gerettet.

Das zentrale Mittelmeer ist weiterhin eine der tödlichsten und gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Mindestens 350 Menschen, darunter Kinder und Frauen, sind seit Anfang des Jahres bei dem Versuch, Europa zu erreichen, im zentralen Mittelmeer ertrunken oder vermisst worden, darunter 130 allein in der vergangenen Woche.

Die Mehrheit der Geretteten wird in überfüllte Internierungslager in Libyen gebracht, unter extrem schwierigen Bedingungen und ohne oder mit nur eingeschränktem Zugang zu Wasser und medizinischer Versorgung. Fast 1.100 Kinder befinden sich in diesen Zentren.

In Libyen leben 51.828 Migrantenkinder und schätzungsweise 14.572 Flüchtlingskinder; die meisten von ihnen haben keinen Zugang zu Versorgungsleistungen und sind innerhalb des Landes der Ausbeutung und dem Missbrauch ausgesetzt.  Diejenigen, die in Haft sind, sind von sauberem Wasser, Elektrizität, Bildung, Gesundheitsversorgung und angemessenen sanitären Einrichtungen abgeschnitten. Gewalt und Ausbeutung sind allgegenwärtig.

Trotz dieser Gefahren, verschärft durch die COVID-19-Pandemie, riskieren Flüchtlings- und Migrantenkinder weiterhin ihr Leben auf der Suche nach Sicherheit und einem besseren Dasein. Die Versuche, diesen Seeweg zu überqueren, werden in den kommenden Sommermonaten wahrscheinlich zunehmen.

Wir fordern die libyschen Behörden auf, alle Kinder freizulassen und die Inhaftierung von Migrantinnen und Migranten zu beenden. Die Inhaftierung von Kindern in Migrationskontexten ist niemals im besten Interesse der Kinder. Wir rufen die Behörden in Europa und im zentralen Mittelmeer auf, Migranten und Flüchtlinge, die an ihre Küsten kommen, zu unterstützen und aufzunehmen und die Such- und Rettungsmechanismen zu stärken.   

Gemeinsam mit Partnern setzt sich UNICEF dafür ein, alle Regierungen im zentralen Mittelmeerraum dabei zu unterstützen, sicherere Alternativen zur Überfahrt über das Meer zu finden und kindgerechte Ankunftsverfahren, Aufnahme- und Betreuungseinrichtungen sowie langfristige Lösungen für Kinder, die versuchen, das Meer zu überqueren, zu entwickeln und umzusetzen."  

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

  • Bis zum 31. März wurden insgesamt 4.005 Migrant*innen und Flüchtlinge als von der libyschen Küstenwache gerettet/aufgegriffen registriert und nach Libyen in Auffanglager zurückgebracht.
  • Bislang sind in diesem Jahr mehr als 8.600 Migrant*innen über das zentrale Mittelmeer in europäischen Häfen angekommen. Jede fünfte Person ist ein Kind.