Daten vor der Pandemie zeigen – 1 von 8 Ländern geben für Schulden mehr als für Bildung, Gesundheit und sozialen Schutz zusammen aus

Florenz/New York/Wien - UNICEF fordert die Ausweitung von Schuldenerlassen und Umschuldungen, damit die Länder – und die Kinder, die dort leben – wieder auf die Beine kommen können

Ein Bub trägt eine Maske, um sich vor COVID-19 zu schützen. Elfenbeinküste, Sept. 2020

Ein Bub trägt eine Maske, um sich vor COVID-19 zu schützen, in Youpougon, einem Vorort von Abidjan, im Süden der Elfenbeinküste. Sept. 2020 © UNICEF

Rund eines von acht Ländern weltweit gibt mehr für Schulden als für soziale Leistungen aus, so ein heute veröffentlichter UNICEF-Bericht.

„COVID-19 und die drohende Schuldenkrise“ („COVID-19 and the Looming Debt Crisis“) stellt fest, dass 25 Länder weltweit – die meisten von ihnen bereits durch Armut und Not belastet – 2019 einen höheren Anteil der gesamten Staatsausgaben für den Schuldendienst ausgaben als für Bildung, Gesundheit und soziale Schutzleistungen zusammen. Globale Anstrengungen sind nötig, um die Sozialausgaben und damit das Recht jedes Kindes auf soziale Sicherheit, Bildung und Gesundheitsversorgung zu schützen, heißt es in dem Bericht.

„Kinder, die in Ländern mit hoher Schuldenlast und begrenzten Ressourcen für sozialen Schutz, Bildung und Gesundheit leben, werden sich wahrscheinlich nie aus Armut und Not befreien können", sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Die persönlichen und öffentlichen Kosten sind enorm und lassen Kinder, ihre Gemeinden und ihre Länder mit wenig Hoffnung auf eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung zurück."

Vor der COVID-19-Pandemie gaben die Länder mit dem höchsten Schuldendienst – darunter der Tschad, Gambia, Haiti und der Südsudan – laut dem Bericht für jeden Dollar, der in lebenswichtige soziale Dienste fließt, mindestens drei US-Dollar für Schulden aus.

Darüber hinaus stellt der Bericht fest, dass ein Viertel der Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen – in denen 200 Millionen Kinder leben – derzeit verschuldet oder von einer Verschuldung bedroht sind.

Obwohl die G20-Staaten eine Initiative zur Aussetzung des Schuldendienstes für den Zeitraum April 2020 bis Juni 2021 vereinbart haben, hat nur eines von drei teilnahmeberechtigten Ländern dieses Angebot angenommen. Bislang hat die Initiative dazu beigetragen, die Ausgaben für Gesundheit und soziale Sicherung in den 46 teilnehmenden Ländern aufrechtzuerhalten. Die Ausgaben für Bildung sind jedoch bereits im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die verschuldeten Länder haben Berichten zufolge auch die Ausgaben für Kinderschutz, Ernährung und Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste gekürzt, so der Bericht.

„Die Pandemie hat eine globale Bildungskatastrophe verursacht, die dringend angegangen werden muss, um zu verhindern, dass die Generation COVID-19 zu einer verlorenen Generation wird. Doch aufgrund von COVID-19 und der Schuldenlast, mit der diese Länder konfrontiert sind, sehen wir bereits eine Reduktion der Bildungsbudgets zu einer Zeit, in der die Länder in die Verbesserung von Schulen und Bildungssystemen investieren sollten", so Fore.

Der Bericht stellt auch fest, dass die globale Reaktion auf die Schuldenkrise im Vergleich zur gesamten fiskalischen Reaktion auf COVID-19 zu gering ist. Der Schuldenstopp deckt derzeit nicht die Schulden bei kommerziellen Gläubigern ab, wodurch Länder mit mittlerem Einkommen zunehmend gefährdet sind.

Eine neue internationale Architektur der Umschuldung – die mehr zugestandene Unterstützung für hoch verschuldete arme Länder, mehr Transparenz bei der Verschuldung als Teil der nationalen Haushaltsprozesse und ein koordiniertes Vorgehen der Gläubiger beinhaltet – ist entscheidend für den Schutz der Kinderrechte im Gefolge von COVID-19.

„Ein umfassender Schuldenerlass und eine Umstrukturierung sind unerlässlich, um einen Aufschwung zu gewährleisten, der sowohl inklusiv als auch nachhaltig ist, damit Kinder nicht die doppelte Last von reduzierten Sozialleistungen jetzt und erhöhter Verschuldung in der Zukunft tragen müssen", sagt Fore. „Es ist zwingend notwendig, dass internationale Organisationen, Gläubiger und nationale Regierungen gemeinsam handeln, um die Schuldenlast zu reduzieren und die Einsparungen in inklusive soziale Investitionen zu lenken."

Für Redaktionen

„COVID-19 und die drohende Schuldenkrise“ ist der erste Teil einer Reihe von Kurzberichten, die gemeinsam von UNICEF Innocenti und der UNICEF-Programmabteilung veröffentlicht werden: Protecting and Transforming Social Spending for Inclusive Recoveries.

Über UNICEF Innocenti
Das Büro für Forschung - Innocenti ist das spezielle Forschungszentrum von UNICEF. Es führt Forschungen zu neuen oder aktuellen Themen durch, um die strategische Ausrichtung, die Politik und die Programme von UNICEF und seinen Partnern zu unterstützen, globale Debatten über Kinderrechte und Entwicklung zu gestalten und die globale Forschungs- und Politikagenda für alle Kinder, insbesondere für die am meisten gefährdeten, zu informieren. Bitte besuchen Sie: www.unicef-irc.org