Ein Jahr Pandemie: Für Kinder sind in praktisch allen wichtigen Bereichen die Fortschritte rückläufig

New York/Wien - Ein Jahr, nachdem COVID-19 zur Pandemie erklärt wurde, enthüllen die neuesten verfügbaren Daten von UNICEF eine verheerende und verkehrte neue Normalität für die Kinder der Welt.

Yereimi während eines Besuchs von UNICEF-Mitarbeitern. Venezuela Februar 2021

Yereimi aus der Warao-Gemeinde während eines Besuchs von UNICEF-Mitarbeitern in der Jakonosebe-Gemeinde, Delta Amacuro State. Seit Beginn der Pandemie konzentriert sich die Hilfe von UNICEF darauf, Kindern und Jugendlichen das Lernen zu Hause zu ermöglichen. Venezuela Februar 2021 © UNICEF

„Ein Jahr nach der Ausrufung der COVID-19-Pandemie sind die Fortschritte in praktisch allen wichtigen Bereichen für der Kindheiten rückläufig", sagt Henrietta Fore, UNICEF-Exekutivdirektorin. „Die Zahl der Kinder, die hungern, isoliert sind, missbraucht werden, Angst haben, in Armut leben und zur Heirat gezwungen werden, ist gestiegen. Gleichzeitig hat sich ihr Zugang zu Bildung, der Gesellschaft und wichtigen Dienstleistungen im Bereich der Gesundheit, Ernährung und Schutz verschlechtert. Die Anzeichen dafür, dass Kinder die Narben der Pandemie noch jahrelang tragen werden, sind unübersehbar."

Wie sich die COVID-19-Pandemie auf Kinder ausgewirkt hat

  • Mit Stand März 2021 entfallen 13 Prozent der 71 Millionen COVID-19-Infektionen in 107 Ländern (62 Prozent der weltweiten Gesamtinfektionen) entsprechend der Daten nach Alter auf Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren.
  • In den Entwicklungsländern wird ein Anstieg der Kinderarmut um etwa 15 Prozent erwartet. Zusätzlich werden in diesen Ländern voraussichtlich 140 Millionen Kinder in Haushalten leben, die unterhalb der Armutsgrenze angesiedelt sind.
  • Für mehr als 168 Millionen Schulkinder weltweit sind die Schulen seit fast einem Jahr geschlossen. Zwei Drittel der Länder mit vollständigen oder teilweisen Schließungen befinden sich in Lateinamerika und der Karibik.
  • Mindestens eines von drei Schulkindern konnte während der Schließung ihrer Schulen nicht am Fernunterricht teilnehmen.
  • Etwa 10 Millionen zusätzliche Kinderehen könnten bis zum Ende des Jahrzehnts geschlossen werden. Diese Entwicklung gefährdet die jahrelangen Fortschritte bei der Reduzierung dieser Praxis.
  • Mindestens eines von sieben Kindern und Jugendlichen hat die meiste Zeit des letzten Jahres zu Hause verbracht. Dies führt zu Gefühlen von Angst, Depression und Isolation.
  • Bis November 2020 waren mehr als zwei Drittel der psychischen Gesundheitsdienste für Kinder und Jugendliche unterbrochen.
  • Mit Stand November 2020 könnten zusätzlich sechs bis sieben Millionen Kinder unter fünf Jahren an Mangelernährung oder akuter Mangelernährung leiden. Dies führt zu beinahe 54 Millionen mangelernährten Kindern, sprich ein Anstieg um 14 Prozent, der zu mehr als 10.000 zusätzlichen Todesfällen bei Kindern pro Monat führen könnte – hauptsächlich in Afrika südlich der Sahara und in Südasien. Bei einem 40-prozentigen Rückgang der Ernährungsleistungen für Kinder und Frauen können sich auch viele andere Ernährungsergebnisse verschlechtern.
  • Mit Stand November 2020 bestand in 26 Ländern das Risiko, dass mehr als 94 Millionen Menschen aufgrund von pausierenden Masernkampagnen keine Impfung erhalten.
  • Mit Stand November 2020 haben Flüchtlinge und Asylsuchende in 59 Ländern mit verfügbaren Daten aufgrund von Grenzschließungen und zunehmender Fremdenfeindlichkeit sowie Ausgrenzung keinen Zugang zu COVID-19-bezogener Sozialunterstützung.
  • Rund drei Milliarden Menschen weltweit mangelt es zu Hause an grundlegenden Möglichkeiten zum Händewaschen mit Wasser und Seife. In den am wenigsten entwickelten Ländern verfügen drei Viertel der Menschen, mehr als zwei Drittel der Schulen und ein Viertel der Gesundheitseinrichtungen nicht über die grundlegenden Hygienedienste, die zur Reduzierung der Übertragung von COVID-19 erforderlich sind. Im Durchschnitt sterben jeden Tag 700 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die durch den Mangel an Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene verursacht werden.

„Kinder müssen im Mittelpunkt der Wiederaufbaubemühungen stehen", sagt Fore. „Das bedeutet, dass Schulen in den Plänen zur Wiedereröffnung Vorrang haben müssen. Es bedeutet, sozialen Schutz zu bieten, einschließlich finanzieller Unterstützungen für Familien. Und es bedeutet, die am meisten gefährdeten Kinder mit wichtigen Dienstleistungen zu erreichen. Nur so können wir diese Generation davor bewahren, eine verlorene Generation zu werden."