„Kinder haben keinen Platz in bewaffneten Konflikten – der Missbrauch muss jetzt enden."

Juba, Südsudan/Wien - Am Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten fordert UNICEF ein Ende des Einsatzes von Kindern in bewaffneten Konflikten.

Der Verifizierungsprozess der Kinder hat begonnen. Südsudan 2020

Der Verifizierungsprozess hat begonnen. Die Kinder werden beim Namen genannt. Bevor Kinder von bewaffneten Streitkräften und Gruppen freigelassen werden können, versuchen UNICEF, UNMISS und das NDDRC zu verifizieren, ob die Kinder jene sind, die sie vorgeben zu sein, einschließlich ihres Alters. Südsudan 2020 © UNICEF

Der groteske Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten stellt eine Reihe von Kinderrechtsverletzungen dar und hat keinen Platz im Jahr 2021, so UNICEF heute. Kinder werden zu Gewalttaten gezwungen und sind Zeugen von solchen. Kinder werden getötet, verletzt, verstümmelt, seelisch und sexuell missbraucht. Das ist lebensbedrohlich und schadet Kinder und ihrer Entwicklung extrem. Dies muss jetzt beendet werden.

Für diejenigen, die fliehen können oder entlassen werden, gibt es nur sehr begrenzte Hilfe. Körperliche Verletzungen können zu lebenslangen Behinderungen führen, wenn sie nicht behandelt werden, und seelische Wunden können langfristige psychische Auswirkungen wie eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) verursachen.

„Mit Frustration und Ungeduld in der Stimme fordere ich alle bewaffneten Einheiten auf, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern sofort zu stoppen", sagt Andrea Suley, UNICEF-Vertreterin für den Südsudan. „Ich fordere die Regierung des Südsudan auf, Mittel für den Aktionsplan gegen die sechs schwerwiegenden Verstöße gegen Kinder in bewaffneten Konflikten, der letztes Jahr unterzeichnet wurde, bereitzustellen und mit der Umsetzung zu beginnen."

In dieser Woche, in der die Welt den Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar begeht, hat UNICEF eine Videoserie mit dem Titel „Wenn ich meine Augen schließe" gestartet. Sie basiert auf realen Erfahrungen von Kindern im Südsudan und soll auf die psychologischen Auswirkungen des Einsatzes durch Streitkräfte und bewaffnete Gruppen aufmerksam machen. Nach ihrer Freilassung oder Flucht kämpfen die Kinder oft mit Albträumen, aggressivem Verhalten, aufdringlichen Gedanken und Angstzuständen.

Psychische Gesundheit ist sehr wichtig für die Entwicklung von Kindern, wird aber oft übersehen oder nicht beachtet, da die fragilen Gesundheitssysteme Schwierigkeiten haben, die grundlegendsten Gesundheitsbedürfnisse zu erfüllen. Im Südsudan ist die Belastung für Kinder, die in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden, hoch. Dort gibt es nur drei Psychiater, 23 Psychologen und eine psychiatrische Abteilung mit begrenzter Bettenanzahl. Mit den Schulschließungen aufgrund von COVID-19 fällt ein weiterer wichtiger Ort für psychosoziale Unterstützung weg. Dies verschlimmert eine ohnehin schon schwierige Situation noch weiter.

Sozialarbeiter*innen sind das Rückgrat des von UNICEF unterstützten Reintegrationsprogramms für Kinder, die mit Streitkräften und bewaffneten Gruppen in Verbindung stehen. Jedem Kind wird drei Jahre lang ein/e Sozialarbeiter*in zur Seite gestellt, der/die bei der Verarbeitung der schwierigen Erlebnisse und beim Wiederaufbau ihres Lebens und einer Zukunft hilft. Doch das Programm hatte im vergangenen Jahr eine 73-prozentige Finanzierungslücke und konnte nicht auf alle Bedürfnisse eingehen.

„Den Kindern, die bereits so viel durchgemacht haben, die Betreuung und Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um ihr Leben wiederaufzubauen, sollte eine dringende Priorität sein", sagt Suley. „Das bedeutet eine Aufstockung der Mittel für bestehende Programme und einen ehrgeizigen Ansatz zur Ausweitung der psychischen Gesundheitsversorgung auf breiterer Basis.“

Die Art der Kinderrechtsverletzungen macht es schwierig abzuschätzen, wie viele Kinder derzeit von bewaffneten Kräften und bewaffneten Gruppen benutzt werden und wurden, aber aufgrund der vielen Berichte kann UNICEF davon ausgehen, dass es allein im Südsudan Tausende sind. UNICEF hat für das Programm für Kinder, die mit bewaffneten Konflikten und Gruppen in Verbindung stehen, (CAAFAG-Programm) im Südsudan für das Jahr 2021 um 4 Millionen US-Dollar gebeten.

Über das Programm für Kinder, die mit bewaffneten Konflikten und Gruppen in Verbindung stehen, (CAAFAG-Programm) im Südsudan

Seit 2013 hat UNICEF die Freilassung und Reintegration von 3.785 Kindern unterstützt, die mit bewaffneten Konflikten und Gruppen im Südsudan in Verbindung standen. Unter dem Dach der Nationalen Kommission für Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration der südsudanesischen Regierung werden freigelassene Kinder in von UNICEF und Partnern eingerichteten Übergangseinrichtungen aufgenommen, wo sie das Nötigste wie Kleidung, Nahrung und medizinische Versorgung erhalten. Sie werden dann registriert und UNICEF beginnt, ihre Familien ausfindig zu machen, um sie bei Bedarf wieder zu vereinen. Sie erhalten auch Beratung und andere psychosoziale Unterstützung sowie soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederungspakete, wie z.B. Aktivitäten zur Einkommensschaffung und Schulungen zu beruflichen und lebenspraktischen Fähigkeiten. UNICEF erstellt für jedes Kind einen dreijährigen, sektorübergreifenden Plan, um sicherzustellen, dass sie die notwendige Nachbetreuung und Unterstützung erhalten.

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