Libyen: Zehntausende Kinder in Gefahr – inmitten von Gewalt, Chaos und unerbittlichen Konflikten

New York/Wien - Erklärung der UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore

Schülerinnen springen auf einem Spielplatz der Schule El Hadana in Zanzur, östlich von Tripolis, Libyen, Springschnur, Feb 2017_UN055246

Schülerinnen springen auf einem Spielplatz der Schule El Hadana in Zanzur, östlich von Tripolis, Libyen, Springschnur, Feb 2017_UN055246

„Kinder in Libyen, darunter auch Flüchtlings- und Migrantenkinder, leiden weiterhin schwer unter der Gewalt und dem Chaos, die der langjährige Bürgerkrieg im Land entfesselt hat.

Seit dem Ausbruch der Auseinandersetzungen in Tripolis und Westlibyen im April letzten Jahres haben sich die Bedingungen für Tausende von Kindern und die Zivilbevölkerung weiter verschlechtert. Wahllose Angriffe in bewohnten Gebieten haben Hunderte von Toten gefordert und UNICEF hat Berichte über verletzte oder getötete Kinder erhalten. Auch Kinder werden für die Kämpfe rekrutiert. Inzwischen sind mehr als 150.000 Menschen, davon 90.000 Kinder, gezwungen worden, aus ihren Häusern zu fliehen, und sind nun innerhalb des Landes vertrieben worden.

Die Infrastruktur, von der das Wohlergehen und Überleben der Kinder abhängt, ist ebenfalls in Angriff geraten. Nahezu 30 Gesundheitseinrichtungen wurden bei den Kämpfen beschädigt, 13 mussten geschlossen werden. Angriffe und Gewaltdrohungen haben zu Schließungen von Schulen geführt und fast 200.000 Kinder aus den Klassenzimmern vertrieben. Die Wassersysteme wurden angegriffen, und das Abfallwirtschaftssystem ist praktisch zusammengebrochen. Dies hat das Risiko für durch Wasser übertragene Krankheiten, einschließlich Cholera, stark erhöht.

Die 60.000 Flüchtlings- und Migrantenkinder, die sich derzeit in den Städten aufhalten, sind ebenfalls extrem gefährdet, insbesondere die 15.000 unbegleiteten und in Haftanstalten festgehaltenen Kinder. Diese Kinder hatten bereits begrenzten Zugang zu Schutz und grundlegenden Dienstleistungen, so dass der sich verschärfende Konflikt die Risiken für sie noch verstärkt hat.

UNICEF und unsere Partner sind vor Ort und unterstützen die betroffenen Kinder und Familien beim Zugang zu Gesundheitsversorgung, Nahrung, Schutz, Bildung, Wasser und sanitären Einrichtungen. Wir erreichen auch Flüchtlings- und Migrantenkinder, sogar jene, die in Haftanstalten festgehalten werden, mit Hilfe. Bedauerlicherweise versuchen die Angriffe auf die Zivilbevölkerung, die Infrastruktur sowie auf das humanitäre und medizinische Personal, die humanitären Bemühungen zu untergraben.

Heute befinden sich die Kinder in Libyen in einer schrecklichen und unzumutbaren Situation, die für den Rest der Welt nicht akzeptabel sein dürfte. Wir rufen alle Konfliktparteien und diejenigen, die Einfluss auf sie haben, dringend auf, Kinder zu schützen, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern zu beenden, die Angriffe auf die zivile Infrastruktur einzustellen und einen sicheren und ungehinderten Zugang der humanitären Hilfe zu Kindern und Menschen in Not zu ermöglichen. Wir fordern die libyschen Behörden außerdem auf, die Inhaftierung von Migranten- und Flüchtlingskindern zu beenden und aktiv sichere und würdige Alternativen zur Inhaftierung zu schaffen.

Im Vorfeld eines geplanten Friedensgipfels in Berlin, Deutschland, am Sonntag, rufen wir die Konfliktparteien und diejenigen, die Einfluss auf sie haben, auf, dringend ein umfassendes und dauerhaftes Friedensabkommen zum Wohle jedes einzelnen Kindes in Libyen zu erreichen.“
    

Für Redaktionen

Mehr Infos zum UNICEF-Spendenaufruf und Maßnahmen in Libyien finden sich hier.