Nordwestsyrien: Mehr als 6.500 Kinder mussten in der vergangenen Woche täglich fliehen

New York/Wien - Statement von UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore: UNICEF fordert die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten, um Kinder zu schützen und ungehindert humanitäre Hilfe leisten zu können.

Kinder in einer Zeltsiedlung in der Nähe des Dorfes Alqah, nahe der syrisch-türkischen Grenze im Nordwesten Syriens, 30.12.2019

Kinder in einer Zeltsiedlung in der Nähe des Dorfes Alqah, nahe der syrisch-türkischen Grenze im Nordwesten Syriens, 30.12.2019

„Die Krise in Nordwestsyrien entwickelt sich zu einer Kinderschutzkrise von beispiellosem Ausmaß. Die Gewalt der vergangenen Woche hat täglich 6.500 Kinder zur Flucht gezwungen, sodass die Gesamtzahl der vertriebenen Kinder in der Region seit Anfang Dezember auf über 300.000 gestiegen ist.

UNICEF schätzt, dass 1,2 Millionen Kinder sich in extremer Not befinden. Lebensmittel, Wasser und Medikamente sind knapp. Kinder und Familien suchen Zuflucht in öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Moscheen, Rohbauten und Geschäften. Viele leben einfach unter freiem Himmel, wie in Parks, und das bei starkem Regen und in der eisigen Kälte. Der Zugang zu den grundlegendsten Dienstleistungen wie medizinischer Betreuung, Wasserversorgung oder Sanitäranlagen ist entweder sehr begrenzt oder gar nicht vorhanden.

In Idlib, wo mehr als drei Viertel der bedürftigen Bevölkerung Frauen und Kinder sind, haben viele Familien bereits mehrere Umsiedlungen erlebt und sind immer verzweifelter. Sie haben keine Möglichkeit, der Gewalt sicher zu entkommen.

Die Krise fordert einen tödlichen Tribut: Von den 900 Kindern, die allein im vergangenen Jahr in Syrien als Folge des Konflikts getötet worden sind, befanden sich mehr als 75 Prozent im Nordwesten. Idlib verzeichnete die höchste Zahl an Todesopfern unter Kindern.

Durch unsere Partner vor Ort leistet UNICEF weiterhin Hilfe für Familien in Not, auch für jene, die erst kürzlich vertrieben wurden. Diese Hilfe umfasst Hygiene-Kits, sauberes Wasser, Impfungen für Kinder gegen Krankheiten sowie Vorsorgeuntersuchungen und die Behandlung von Unterernährung.

Die Bereitstellung lebensrettender Hilfe ist von entscheidender Bedeutung und sollte fortgesetzt werden. Sie wird jedoch nicht das Leid der Kinder beenden. Die Gewalt muss um der Kinder willen aufhören.

UNICEF fordert eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen durch alle Parteien, um Kindern und Familien eine Pause von der Gewalt, die Wiederaufnahme der Grundversorgung und die ungehinderte Bereitstellung dringend benötigter humanitärer Hilfe für jedes Kind in Not zu ermöglichen.“