Safer Internet Day – UNICEF ruft zum Schutz gegen Cyber-Mobbing und Belästigung im Internet auf

Dreißig Jahre nach der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention und der Entstehung des World Wide Webs ist es an der Zeit, sich erneut auf die digitalen Rechte des Kindes zu konzentrieren. Am heutigen Tag für mehr Internetsicherheit (Safer Internet Day) ruft UNICEF zu dringendem Handeln auf, um Kinder und ihren digitalen Fußabdruck zu schützen.

UNICEF warnt vor den Risiken des Online-Zugangs, wie etwa schädliche Inhalte, sexuelle Ausbeutung und Gewalt, Cyber-Mobbing und missbräuchliche Verwendung ihrer privaten Informationen. Weltweit ist einer von drei Internetnutzern ein Kind, und dennoch wird zu wenig unternommen, um sie vor den Gefahren der digitalen Welt zu schützen, die Spur an Informationen abzusichern, die ihre Online-Aktivitäten hinterlassen, und ihren Zugang zu sicheren und qualitätsvollen Online-Inhalten zu erhöhen.
Der Aufruf zum Safer Internet Day folgt einer kürzlich durchgeführten UNICEF-Umfrage unter jungen Menschen. In fünf Wochen sind mehr als 1 Million Antworten aus mehr als 160 Ländern eingegangen. Kinder und Jugendliche bringen Vorschläge, was sie und ihre Eltern, Lehrer und Entscheidungsträger tun können, um das Internet sicher zu gestalten. Freundlichkeit zeichnet sich als eines der mächtigsten Mittel zur Verhinderung von Cybermobbing aus.

„Wir haben die Meinungen von Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Welt gehört und was sie sagen, ist klar: Das Internet ist ein unfreundlicher Ort“
, sagt UNICEF Kinderrechtsexpertin Corinna Geißler. „Deshalb folgt UNICEF am Safer Internet Day dem Beispiel junger Menschen und lädt alle dazu ein, freundlich und höflich online zu sein, und fordert mehr Maßnahmen, um das Internet zu einem sichereren Ort für alle zu machen."
Das Internet ist zu einem festen Bestandteil des Lebens junger Menschen geworden, unabhängig vom Einkommensniveau. Laut der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) sind 94 Prozent der jungen Menschen im Alter von 15-24 Jahren in entwickelten Ländern online, mehr als 65 Prozent der jungen Menschen in Entwicklungsländern sind online. Weltweit ist die Hälfte der Gesamtbevölkerung, unabhängig vom Alter, online.  
Cybermobbing kann großen Schaden anrichten, da es schnell ein breites Publikum erreichen kann und auf unbestimmte Zeit online verfügbar bleiben kann, indem es seinen Opfern praktisch ein Leben lang online folgt. Mobbing und Cybermobbing greifen ineinander und bilden ein Kontinuum aus schädlichem Verhalten.

Kinder ins Zentrum der Digital-Politik stellen: Forderungen von UNICEF

UNICEF ruft zu einer erneuerten Dringlichkeit und Kooperationen zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft, UN-Organisationen und anderen internationalen Kinderorganisationen und – allen voran – dem Privatsektor auf, um Kinder ins Zentrum der Digital-Politik zu stellen. Folgende Schritte sind dafür notwendig:

  1. Globale, regionale und nationale Antworten koordinieren. Wir müssen die Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträgern, Strafverfolgung und der Technologie-Industrie vertiefen, um Sicherheitsprinzipien in die Entwicklung von Technologien zu integrieren. Es sind außerdem gemeinsame Lösungen notwendig, die mit der Geschwindigkeit von digitalen Technologien mithalten, welche illegalen Handel und andere Formen von sexuellem Kindesmissbrauch online ermöglichen und vertuschen können.
  2. Privatsphäre der Kinder schützen. Wir brauchen eine größere Verpflichtung seitens des Privatsektors und der Regierungen, um die Daten der Kinder zu schützen, nicht zu missbrauchen und ihre Verschlüsselung zu respektieren. Beim Sammeln und Verwenden der Online-Daten von Kindern müssen internationale Standards zur vollen Anwendung kommen. Weiters muss Kindern vermittelt werden, wie sie sich selbst vor der Bedrohung ihrer eigenen Privatsphäre schützen können.
  3. Kinder durch gerechteren Zugang und digitale Kompetenz ermächtigen. Kindern muss beigebracht werden, wie sie sich online informieren und interagieren können und dabei sicher bleiben. Das beinhaltet auch umfassendere Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Technologie-Fachleuten, um Informations- und Kommunikations-Plattformen und Lehrpläne von der Volksschule bis zur Oberstufe zu entwickeln. Online-Bibliotheken müssen unterstützt und die Kapazitäten von öffentlichen Bibliotheken erweitert werden, um digitale Fähigkeiten zu unterrichten. In die LehrerInnenbildung zu digitalen Technologien muss investiert und Kinder müssen darin unterrichtet werden, wie sie Online-Gefahren und Falschinformationen erkennen und sich davor schützen können. Digitale Bürgerschaft muss zu einem Kernbestandteil von Bildung zu digitaler Kompetenz gemacht werden.
  4. Die Rolle des Privatsektors nutzen. Es ist dringend notwendig, industrieweite ethische Standards zu Daten und Privatsphäre für den Schutz und das Wohl von Kindern einzuführen und durchzusetzen, sowie durch ethische Produktentwicklung und Marketing die Risiken für Kinder zu verringern.
  5. In bessere wissenschaftliche Daten über den Online-Zugang und die damit verbundenen Chancen und Risiken für Kinder investieren. Wir benötigen besseres Wissen über den Online-Zugang und die Aktivitäten von Kindern, damit wir auf dieser Basis regulative Rahmen und Politiken entwickeln können, die die speziellen Bedürfnisse und Rechte von Kindern berücksichtigen. Die Koordination und Wissensweitergabe auf globalem Level muss gestärkt werden, um den Herausforderungen der digitalen Welt zu begegnen. Das beinhaltet eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit Kinderhilfsorganisationen und ein systematischeres Engagement mit politischen Entscheidungsträgern und Gesetzgebern.

Fakten und Zahlen stammen von der Internationalen Fernmeldeunion 2017.

#ENDViolence Online Kampagne UNICEF