UNICEF Bericht: Anzahl an Geburtenregistrierungen nehmen deutlich zu – ein Viertel aller Kinder weltweit bleibt "unsichtbar“

New York/ Wien - Der Anteil registrierter Geburten ist in den letzten zehn Jahren um beinahe 20 Prozent gestiegen. 166 Millionen Kinder unter fünf Jahren wurden jedoch nie offiziell registriert.

Die 1-jährige Nuraia Akter Nuri und ihre Mutter mit ihrer Geburtsurkunde im Dorf Khalpar, Bangladesch 2014

Die 1-jährige Nuraia Akter Nuri und ihre Mutter mit ihrer Geburtsurkunde im Dorf Khalpar, Bangladesch 2014

UNICEF hat heute an seinem eigenen 73. Geburtstag einen Bericht veröffentlicht, laut dem die Zahl der Kinder, deren Geburten offiziell registriert werden, weltweit deutlich gestiegen ist. Dennoch bleiben 166 Millionen Kinder unter fünf Jahren, oder eines von vier, nicht gemeldet.

„Geburtenregistrierung für jedes Kind bis 2030 – Sind wir auf einem guten Weg?"
Daten aus 174 Ländern zeigen, dass der Anteil der weltweit registrierten Kinder unter fünf Jahren gegenüber dem letzten Jahrzehnt um rund 20 Prozent gestiegen ist – von 63 Prozent auf 75 Prozent.

„Wir haben bereits große Fortschritte gemacht, aber zu viele Kinder sind immer noch ungezählt und unbekannt", sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Ein Kind, das bei der Geburt nicht registriert wird, ist unsichtbar – in den Augen der Regierung bzw. des Gesetzes nicht vorhanden. Ohne Identitätsnachweis sind Kinder oftmals von Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen ausgeschlossen und außerdem anfälliger für Ausbeutung und Missbrauch."

Der globale Fortschritt wird vor allem durch große Weiterentwicklungen in Südasien, insbesondere in Bangladesch, Indien und Nepal, vorangetrieben. In Indien stieg der Prozentsatz registrierter Kinder von 41 (Zeitraum 2005-2006) auf 80 (Zeitraum 2015-2016). In den letzten Jahren hat UNICEF mit der indischen Regierung zusammengearbeitet, um die Registrierung von Geburten in allen Landesteilen zu priorisieren. Der Zugang zu Registrierungszentren wurde verbessert, Beamte und MitarbeiterInnen der Gemeinden geschult und Programme zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit, insbesondere der am stärksten gefährdeten Gemeinschaften, durchgeführt.

Im Gegensatz dazu liegt die Mehrheit der Länder in Subsahara-Afrika hinter dem Rest der Welt zurück. Hier verzeichnen Äthiopien (3 Prozent), Sambia (11 Prozent*) und Tschad (12 Prozent) weltweit die niedrigsten Geburtenregistrierungsraten.

Der Bericht stellt fest, dass eines von drei Ländern – sprich fast ein Drittel aller Kinder weltweit unter fünf Jahren – dringend den Prozess beschleunigen muss, um eine Rechtspersönlichkeit für alle, einschließlich der Geburtsregistrierung, zur Verfügung zu stellen. Dieses Ziel, wie es in den nachhaltigen Entwicklungszielen für 2030 festgelegt worden ist, gilt es zu erreichen.

Zu den Hindernissen für eine weltweite Registrierung gehören mangelndes Wissen über die Registrierung der Geburt eines Kindes, unerschwingliche Gebühren für die Anmeldung einer Geburt oder den Erhalt einer Geburtsurkunde, Gebühren für eine verspätete Registrierung und lange Wege zur nächsten Registrierungsstelle. Traditionelle Bräuche und Praktiken in einigen Gemeinden – wie z.B., dass junge Mütter sich zuhause aufhalten müssen – können auch eine formelle Geburtenregistrierung innerhalb des zulässigen Zeitrahmens verhindern.

Selbst wenn Kinder registriert sind, ist der Besitz einer Geburtsurkunde weniger verbreitet. 237 Millionen Kinder unter fünf Jahren, oder etwas mehr als eines von drei, haben diesen offiziellen Registrierungsnachweis nicht.  

UNICEF fordert fünf Maßnahmen zum Schutz aller Kinder, um die Geburtenregistrierung für jedes Kind bis 2030 zu erreichen:

  • Ausstellung einer Geburtsurkunde für jedes Kind bei der Geburt.
  • Ermächtigung aller Eltern, unabhängig vom Geschlecht, ihre Kinder bei der Geburt anzumelden.
  • Verknüpfung der Geburtenregistrierung mit anderen Systemen, um das Recht jedes Kindes auf Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, soziale Sicherheit und Bildung zu erleichtern.
  • Investitionen in sichere und innovative technologische Lösungen, um die Geburtsregistrierung zu erleichtern.
  • Beteiligung der Gemeinden, für jedes Kind eine Geburtsregistrierung zu verlangen.

 „Jedes Kind hat ein Recht auf einen Namen, eine Nationalität und eine Rechtspersönlichkeit, sodass jede Erhöhung des Registrierungsniveaus eine willkommene Nachricht ist", sagt Fore. „Da wir gerade den 30. Jahrestag dieser Rechte gefeiert haben, dürfen wir nicht aufhören, bis jedes Kind gezählt ist, wie es in der Kinderrechtskonvention verankert ist."

Für Redaktionen

*Neueste verfügbare Daten aus 2013-2014 (DHS). Aktualisierte Daten werden voraussichtlich Anfang 2020 veröffentlicht.

Die globalen Datenbanken von UNICEF beinhalten Schätzungen der Geburtenregistrierung für 174 Länder, hauptsächlich aus national repräsentativen Haushaltsumfragen wie den Multiple Indicator Cluster Surveys (MICS) und Demographic and Health Surveys (DHS). Weitere Datenquellen in der globalen Datenbank sind andere nationale Erhebungen, Volkszählungen und wichtige Statistiken aus Zivilstandsregistern.

Der Report steht hier in Englisch zur Verfügung.

Eine Auswahl an Videos und Fotos steht Redaktionen im Rahmen der Berichterstattung zum kostenfreien Download zur Verfügung.