Weltweit alarmierender Anstieg von Masernfällen

Zehn Länder verzeichnen rund drei Viertel des gesamten Anstiegs der Masernfälle im Jahr 2018 aus, darunter Frankreich, Brasilien, Madagaskar, Philippinen, Ukraine und Jemen.

Ein Bub erhält eine Masernimpfung in einem UNICEF Impfzelt im Lager Kawrgosk für syrische Flüchtlinge in Erbil, Irak. © UNICEF/UNI148669/Aziz

In Österreich und anderen Industrieländern entscheiden sich einige Eltern bewusst dagegen, ihre Kinder zu impfen – mit so schwerwiegenden Folgen, dass darüber diskutiert wird, eine Impfpflicht einzuführen. Die WHO hat im Jahr 2017 in Österreich 94 Masernfälle bestätigt, 2018 waren es 73. UNICEF hat allein im Jahr 2016 rund 2,5 Milliarden Impfdosen für rund 100 Länder bereitgestellt und damit 45 Prozent aller Kinder weltweit mit Impfstoffen versorgt. Als größter Impfstofflieferant der Welt ermutigt UNICEF die Menschen, sich impfen zu lassen.

Gleichzeitig warnt UNICEF, dass die weltweiten Fälle von Masern alarmierend ansteigen. Der Trend wird angeführt von zehn Ländern, die mehr als 74 Prozent des Gesamtanstiegs ausmachen und einigen anderen Ländern, die bereits masernfrei erklärt worden waren. Weltweit melden 98 Länder im Jahr 2018 mehr Fälle von Masern als im Vorjahr. Die Fortschritte, die bei dieser vermeidbaren, aber potenziell tödlichen Krankheit schon gemacht wurden, sind damit untergraben. Abwehrhaltungen der Bevölkerung gegenüber Impfungen und frühere Engpässe bei der Impfstoffversorgung haben zu niedrigen Impfraten geführt.

Die Ukraine, die Philippinen und Brasilien verzeichneten von 2017 bis 2018 den größten Anstieg der Masernfälle. Nach Angaben der Regierung wurden allein in den ersten beiden Monaten des Jahres 2019 weitere 24.042 Menschen infiziert. Auf den Philippinen gab es in diesem Jahr bereits 12.736 Masernfälle und 203 Todesfälle, verglichen mit 15.599 Fällen im gesamten Jahr 2018.

„Das ist ein Weckruf. Wir haben einen sicheren, wirksamen und kostengünstigen Impfstoff gegen eine hochansteckende Krankheit - einen Impfstoff, der in den letzten zwei Jahrzehnten jedes Jahr fast eine Million Menschenleben gerettet hat", sagt Henrietta H. Fore, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Diese Fälle sind nicht über Nacht passiert. So wie sich die schweren Ausbrüche, die wir heute erleben, im Jahr 2018 bemerkbar gemacht haben, werden die fehlenden Maßnahmen heute verheerende Folgen für die Kinder von morgen haben.“

Masern sind hoch ansteckend, mehr als Ebola, Tuberkulose oder Grippe. Das Virus kann bis zu zwei Stunden nach dem Verlassen eines Raumes durch eine infizierte Person übertragen werden. Es breitet sich in der Luft aus und infiziert die Atemwege, wodurch unterernährte Kinder oder Babys, die zu klein für eine Impfung sind, getötet werden können. Einmal infiziert, gibt es keine spezifische Behandlung für Masern, was die Impfung zum lebensrettenden Mittel für Kinder macht.

Als Reaktion auf diese Ausbrüche unterstützt UNICEF Regierungen, um Millionen von Kindern in Ländern auf der ganzen Welt dringend zu erreichen.

  • In der Ukraine leistet UNICEF laufend Unterstützung, um die routinemäßige Immunisierung im ganzen Land zu beschleunigen, und setzt zusätzliche Anstrengungen zur Beendigung des jüngsten Ausbruchs, der seit 2017 insgesamt 30 Todesopfer gefordert hat. Im Februar startete das Gesundheitsministerium mit Unterstützung von UNICEF eine Impfkampagne an Schulen.
  • Auf den Philippinen wird die Regierung mit Unterstützung von UNICEF eine Kampagne durchführen, um 9 Millionen Kinder in 17 Regionen gegen Masern zu impfen.
  • In Brasilien führte die Regierung von August bis September 2018 eine Kampagne gegen Polio und Masern durch, die mehr als 11 Millionen Kinder unter fünf Jahren erreicht hat.
  • Im Jemen, wo jahrelange Konflikte zu einem Ausbruch führten, haben die lokalen Behörden mit Unterstützung von UNICEF, der WHO und GAVI im Februar mehr als 11,5 Millionen Kinder geimpft. 
  • In Madagaskar gab es zwischen 3. September 2018 bis 21. Februar 2019 insgesamt 76.871 Masernfälle. 928 Menschen sind an Masern gestorben, die meisten davon waren Kinder. Im Jänner startete die Regierung mit Unterstützung von UNICEF und seinen Partnern eine Impfkampagne. Im Februar wurden 1,4 Millionen Kinder geimpft, im März folgen weitere 3,9 Millionen.

Schlechte Gesundheitsinfrastruktur, Bürgerkriege, geringes Bewusstsein der Bevölkerung und Skepsis gegenüber Impfstoffen haben in einigen Fällen zu diesen Ausbrüchen sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern geführt. So hat sich beispielsweise in den Vereinigten Staaten die Zahl der Masernfälle zwischen 2017 und 2018 auf 791 Fälle versechsfacht. „Fast alle diese Fälle sind vermeidbar, und doch infizieren sich Kinder auch dort, wo es alle Möglichkeiten zur Vermeidung von Masern gibt", sagte Fore. „Masern mag die Krankheit sein, aber allzu oft ist die eigentliche Infektion Fehlinformation, Misstrauen und Nachlässigkeit. Wir müssen mehr tun, um alle Eltern genau zu informieren, um jedes Kind sicher zu impfen."

Um Masern zu bekämpfen, appelliert UNICEF dringend an Regierungen, Gesundheitsdienstleister und Eltern, mehr zu tun, um die Krankheit einzudämmen.


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