UNICEF International

Wie entsteht ein UNICEF-Projekt?

UNICEF ist weltweit in über 150 Ländern mit Hilfsprogrammen aktiv tätig– von Angola über Brasilien und China bis nach Zimbabwe. Wie verbessert UNICEF das Leben von Millionen Kindern? Hier ein kurzer Überblick zur Programmarbeit von UNICEF:

Landesweite Programme

Kinder aus Kinshasa, DR Kongo
© UNICEF/NYHQ2005-2204/Pirozzi
Kinder aus Kinshasa, DR Kongo

UNICEF hat die Aufgabe, die Lebensbedingungen aller Kinder eines Landes langfristig zu verbessern. Dazu gehören medizinische Versorgung, gesunde Ernährung, sauberes Wasser, Bildung sowie Schutz vor Gewalt und Ausbeutung. Allein mit Einzelprojekten lässt sich dieses Ziel nicht erreichen. UNICEF entwickelt deshalb umfassende landesweite Programme. 

In jedem der über 150 Programmländer legt ein so genanntes Länderprogramm die Ziele und Schwerpunkte der Arbeit fest. Es gilt jeweils für fünf Jahre, wird von UNICEF im Land selbst entwickelt und vom UNICEF-Verwaltungsrat in New York geprüft. Aus dem Länderprogramm ergeben sich dann Schwerpunkte für Bildung, Gesundheit oder Kinderschutz. 

Überweist ein privater Spender 100 Euro für Bildung in Nepal an UNICEF, so kommt dieser Betrag in der Regel dem gesamten Programm zugute – also nicht allein einer Schule in einem bestimmten Dorf, sondern allen Schulen, die das Bildungsprogramm in diesem Land umfasst.

Beteiligung der Bevölkerung

Ein vierjähriges Mädchen von den Philippinen
© UNICEF/NYHQ2006-1693/Ladiason
Ein vierjähriges Mädchen von den Philippinen

UNICEF bezieht die Bevölkerung unmittelbar in die Planung, Entwicklung und Durchführung der Programme ein und unterstützt sie so, selbst für sich und ihre Kinder zu sorgen. Das Länderprogramm in Angola definiert zum Beispiel Bildung als eine der Hauptaufgaben. Viele Kinder haben hier durch den Bürgerkrieg seit Jahren keine Schule besucht. Die Dorfgemeinschaften selbst helfen – unterstützt von UNICEF – beim Wiederaufbau der Schulen mit. So stellt UNICEF Baumaterial sowie Hefte und Stifte für die Kinder zur Verfügung. 

Die Dorfbewohner zu beteiligen ist auch wichtig, damit einmal Aufgebautes langfristig genutzt und instandgehalten wird. Brunnen und Latrinen müssen beispielsweise regelmäßig gewartet und sauber gehalten werden. In Ländern wie Äthiopien oder dem Sudan übernehmen ausgewählte Dorfbewohner diese Aufgaben. Zugleich unterstützen diese Verantwortlichen auch die Aufklärungsarbeit. Sie informieren Kinder und Eltern, wie wichtig sauberes Trinkwasser für die Gesundheit ist und welche Hygieneregeln beachtet werden sollten.

Stärkung lokaler Initiativen

Eine UNICEF Mitarbeiterin spricht über Wasser und Hygiene
© UNICEF/NYHQ2010-1774/Guoegnon
Eine UNICEF Mitarbeiterin spricht über Wasser und Hygiene

Das Konzept der „Hilfe zur Selbsthilfe“ bedeutet auch, bereits bestehende lokale Initiativen zu stärken oder neue ins Leben zu rufen. Um beispielsweise Jugendliche in Angola vor der Gefahr durch Landminen zu warnen, arbeitet UNICEF mit lokalen Theatergruppen zusammen. Die Helfer gehen von Dorf zu Dorf und führen Aufklärungsveranstaltungen durch. 

Frauen spielen in den Projekten eine besonders wichtige Rolle, da meist sie die Kinder versorgen. So unterstützt UNICEF im Senegal Bildungskurse für Frauen, in denen auch Gesundheitsthemen behandelt werden. In vielen Dörfern haben sie sich bereits erfolgreich gegen die traditionelle Mädchenbeschneidung gewehrt. Sie ist für die Kinder sehr schmerzhaft und führt immer wieder zu Todesfällen.

Aufbau erfolgreicher Modelle

Ein liberischer Vorschüler
© UNICEF/NYHQ2004-0085/Nesbitt

Ein liberischer Vorschüler

UNICEF entwickelt häufig eigene Modelle, um die Situation der Kinder zu verbessern. In Guatemala half UNICEF beispielsweise beim Aufbau zweisprachiger Schulen für die indigenden Maya-Kinder. Sie werden in der Schule auf Spanisch und in ihrer eigenen, indianischen Sprache unterrichtet. UNICEF stellte modernes Lern- und Unterrichtsmaterial zur Verfügung und half bei der Lehrerfortbildung. Der Ansatz des „Aktiven Lernens“ war so erfolgreich, dass die Regierung ihn jetzt auch in den staatlichen Grundschulen einführt.

Verwirklichung der Kinderrechtskonvention

Ein kleines Mädchen in einer Menschenmenge in Kenia
© UNICEF/NYHQ2011-1124/Holt
Ein kleines Mädchen in einer Menschenmenge in Kenia

Das Ziel von UNICEF ist es, Kindern weltweit zu ihrem Recht auf Gesundheit, Bildung und Schutz zu verhelfen. Grundlage dafür ist die UN-Kinderrechtskonvention. Die Kinderrechtskonvention ist Grundlage aller Beratungen, die UNICEF bei der Entwicklung von Länderprogrammen führt. UNICEF hilft Regierungen zudem, ihre nationale Gesetzgebung an die Konvention anzupassen. 

In-die-Pflicht-nehmen der Regierung

UNICEF-Direktor Anthony Lake mit den Gesundheitsministern von Äthiopien und Indien.
UNICEF-Direktor Anthony Lake mit den Gesundheitsministern von Äthiopien und Indien.

Um von UNICEF Unterstützung zu erhalten, muss die jeweilige Regierung sich in der Regel verpflichten, einen erheblichen Teil der Kosten zu übernehmen. UNICEF will die Regierung nicht aus ihrer Verantwortung für die Kinder entlassen. Das Länderprogramm legt deshalb fest, welche Aufgaben UNICEF und welche die Fachministerien übernehmen. Zu den wichtigsten Partnern von UNICEF gehören meist die Bildungs-, Gesundheits- und Sozialministerien. 

Nach Unterzeichnung des Länderprogramms wählt UNICEF einheimische Partnerorganisationen aus, die die Aktivitäten in enger Abstimmung mit UNICEF umsetzen. In den meisten Entwicklungsländern ist UNICEF seit Jahren präsent und kann daher auf zahlreiche bestehende Kontakte und Erfahrungen zurückgreifen.