Puppe eines Kindes liegt in einem Bett auf der Straße und scrollt auf einem Handy.
© Barbara Wirl

10. Februar 2026 – Wien: „Leben Sie noch in derselben Welt wie Ihr Kind?“  Der UNICEF Österreich Jugendbeirat fordert anlässlich des Saferinternet Day (10.2.2026) mit einer öffentlichen Aktion digitalen Kinderschutz im Kinderzimmer und stellt Passanten genau diese Frage.

In diesem Moment sind junge Menschen im digitalen Raum Desinformation, Gewalt, Radikalisierung und Datenmissbrauch ausgesetzt. Der UNICEF Österreich Jugendbeirat setzt sich für einen geschützten, geregelten Umgang mit sozialen Medien und künstlicher Intelligenz für junge Menschen ein. Eine Altersbeschränkung für soziale Medien ist zwar ein vertretbarer Ansatz, sie darf jedoch nicht als Ausrede dienen, sich aus der Verantwortung zu ziehen, junge Menschen auf den digitalen Raum vorzubereiten sowie auf praktischer und rechtlicher Ebene Schutzmaßnahmen zu setzen. Nur so können wir eine sichere digitale Welt schaffen – für jedes Kind.

Jugendbeirat von UNICEF Österreich und Ehrenbeauftragte Barbara Meier stehen vor Kinderbett zum Saferinternet Day.
© Barbara Wirl

Wir haben mit den Beiratsmitgliedern Jad, Jasmin, Michi, Sabrina und Sarah über Hintergründe der Aktion, wie die Petitionskampagne „Online sicher – für jedes Kind“ sowie persönliche Statements und Lösungsansätze zum Thema digitaler Kinderschutz gesprochen:

Was war das Ziel eurer öffentlichen Aktion zum Saferinternet Day? 

Sarah, 20 Jahre: Im Zentrum der Aktion steht ein Kinderbett. Auf den ersten Blick ein Symbol für Sicherheit und Geborgenheit. Doch wer näherkommt, sieht darin ein Kind, das auf seinem Handy scrollt. Dadurch wird hör- und sichtbar, welchen digitalen Gefahren von Gewalt bis Desinformation Kinder und Jugendliche täglich ausgesetzt sind – oft unbeaufsichtigt und ohne ausreichenden Schutz.

Michael, 19 Jahre: Wer heute noch glaubt, das Kinderzimmer sei automatisch ein geschützter Ort, muss verstehen, dass sich die Welt verändert hat. Digitale Inhalte, Risiken und Einflüsse enden nicht an der Türschwelle. Umso wichtiger ist es, hinzusehen, zuzuhören und den digitalen Raum aktiv so zu gestalten, dass er Kinder schützt, ohne sie auszuschließen oder durch schlecht durchdachte Verbote in unkontrollierte und teils auch illegale Räume zu treiben.

Jad, 18 Jahre: Unser Core Ziel war es, ein unmissverständliches Signal zu senden: Der Schutz von Kindern und Jugendlichen muss an erster Stelle stehen, egal ob in der physischen oder der digitalen Welt. Wir fordern Maßnahmen, die uns ein sicheres Online-Leben ermöglichen.

Sarah, 20 Jahre: Mit der Aktion wollen wir deutlich machen: Digitaler Kinderschutz ist kein Randthema, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Kinder und Jugendliche wachsen heute in dieser digitalen Welt auch online auf – doch Schutz, Aufklärung und klare Regeln halten damit oft nicht Schritt.

Michael, 19 Jahre: Unser Ziel war es, Bewusstsein für die Risiken digitaler Räume zu schaffen, Gespräche mit Passanten, Eltern und Großeltern anzuregen und gleichzeitig konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen. Wir wollen zeigen, dass echte Sicherheit nicht durch oberflächliche oder rein technische Maßnahmen entsteht, sondern durch Bildung, Aufklärung und klare politische Rahmenbedingungen.

Ein zentrales Ziel der Aktion ist es außerdem, auf die UNICEF-Petition aufmerksam zu machen und möglichst viele Menschen zum Unterzeichnen zu bewegen. So wollen wir den Druck auf die Politik erhöhen und die Dringlichkeit neuer Maßnahmen aufzeigen.

Jugendbeirat informiert bei einer Strassenaktion über digitalen Kinderschutz.
© Barbara Wirl

Was macht euch online Sorgen und welche Lösungen seht ihr, etwa im Bereich Datenschutz?

Sabrina, 18 Jahre: Wie die UN-Kinderrechtekonvention klar festhält, liegt es in der Verantwortung von Erwachsenen wie auch der Gesellschaft als Ganzes, Kinder zu schützen und zu unterstützen – auch im digitalen Raum, der dabei keine Ausnahme darstellen darf. Neben den vielen Chancen, die Social Media bietet, birgt es auch erhebliche Risiken. Besonders mit Blick auf die Verarbeitung persönlicher Daten und den Schutz der Privatsphäre stellt sich die Frage, wie sicher Kinder und Jugendliche online tatsächlich sind. Stärkere Maßnahmen zum Schutz privater Inhalte sowie eine begleitete Einführung von Kindern in die digitale Welt und gezielte Aufklärung halte ich für wichtige Voraussetzungen, um digitale Kompetenzen aufzubauen und Kinderrechte auch online zu gewährleisten.

 

Was haltet ihr vom geplanten Social Media Verbot unter einem gewissen Alter?

Jad, 18 Jahre: Für mich steht fest: Der Schutz von Kindern muss sowohl physisch als auch digital oberste Priorität haben. Bloßes “Banning”, also Verbote, verbessert aber die Situation nicht. Junge Menschen finden fast immer Umwege, um Sperren zu umgehen. Anstatt sich aus der Verantwortung zu stehlen oder auf Überwachungstools zu setzen, muss der Fokus auf Bildung liegen. Wir wollen nicht, dass sich die Kinder durch Verbote zu digitalen Analphabeten entwickeln. Wir wollen und müssen lernen, uns in dieser Welt durchzusetzen und uns sicher zu bewegen. Die Antwort auf digitale Gefahren ist nicht Zensur, sondern Medienkompetenz und die Befähigung von Kindern und Jugendlichen, Gefahren selbst zu erkennen und zu meistern.

Michael, 19 Jahre: Natürlich ist es sinnvoll, die sowieso geltenden Altersbeschränkungen für die Plattformen auch durchzusetzen – doch habe ich Bauchschmerzen, wenn ich sehe, wie wenig Schutz wir Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum tatsächlich bieten. Statt die komplexen gesellschaftlichen Ursachen digitaler Risiken anzugehen, reagieren Entscheidungsträgern oft mit Verboten – wie aktuell schon in Australien und jetzt auch in Österreich immer konkreter. Doch digitale Gefahren lassen sich nicht technisch wegregulieren, sondern nur durch Dialog über Generationen hinweg besprechen und bekämpfen. Kinder und Jugendliche dürfen nicht in ungeregelte Alternativen gedrängt werden – der digitale Raum muss altersgerecht, sicher und zugleich offen gestaltet sein, sodass Platz für Bildung, Jugendkultur, Meinungen und auch ein bisschen Blödsinn ist.

 

Wie können eurer Meinung nach junge Menschen sinnvoll in die Erarbeitung von Schutzmaßnahmen einbezogen werden (Partizipation)? 

Michael, 19 Jahre: Junge Menschen wollen bewegen – und mitgestalten. Egal ob es um moralische Fragen von Datenschutz und Kontrolle, um die Regulierung von Inhalten, um den Schutz von Meinungen, Jugendkultur oder um das Schaffen neuer Wege geht. Wege, vorbei an schädlichen Inhalten für Kinder und mit Blick auf die mentale Gesundheit aller. Wir wollen nicht nur auf die digitale Welt vorbereitet werden oder das Thema in einem Schulsystem verankern, das oft fernab von der Lebensrealität bummelt, sondern den digitalen Raum aktiv mitgestalten und ihn gemeinsam mit anderen Generationen und Kulturen so einfordern, wie wir ihn wünschen. Dafür wollen wir Bewusstsein schaffen und den Dialog suchen: mit Individuen im Umgang mit Familie und Freund:innen, in Gruppen sowie mit Entscheidungsträgern.

 

Seht ihr auch im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) Risiken für den Kinderschutz?  

Sarah, 20 Jahre: Mir fällt es selbst oft schwer, zwischen echtem und KI-generiertem Content zu unterscheiden. Meistens denke ich überhaupt erst darüber nach, wenn ich in den Kommentaren sehe, dass die Echtheit dieses Bildes/Videos angezweifelt wird. Was ist noch echt, was ist KI? Ich finde, das sollte klar gekennzeichnet sein! Besonders Kinder haben oft noch keinen kritischen Blick entwickelt und stellen das, was sie online sehen, nicht in Frage. Dem entgegenzuwirken, bedarf es einer frühen Auseinandersetzung mit dem Thema und Aufklärung durch das erwachsene Umfeld und in der Schule.

Jasmin, 18 Jahre: Der digitale Raum erleichtert den Zugang zu Informationen erheblich, gleichzeitig wird es jedoch immer schwieriger, KI-Inhalte, Fake News oder Deepfakes zu erkennen. Auch in der Schule werden teils KI-generierte Inhalte gezeigt, ohne dass sie von Lehrkräften als solche identifiziert werden. Deshalb ist es wichtig, dass Lehrkräfte gezielt im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und digitalen Medien geschult werden. Da junge Menschen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule verbringen, ist sie der ideale Ort, um einen kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit dem digitalen Raum zu erlernen. Dafür benötigen Lehrkräfte jedoch fundiertes Wissen, denn nur wer sich mit dem digitalen Raum auskennt, kann auch Wissen über ihn vermitteln. Künstliche Intelligenz und digitale Medien sollten daher für junge Menschen kein Tabu sein, sondern bewusst, kritisch und kompetent genutzt werden.

UNICEF Österreich Jugendbeirat Bowlingevent zum Expertenaustausch.

Welche Aktivitäten hat der UNICEF Österreich Jugendbeirat bisher zu dem Thema gesetzt? 

Sarah, 20 Jahre: Das Team des Jugendbeirats von UNICEF Österreich beschäftigt sich seit längerer Zeit intensiv mit dem Kinderschutz im digitalen Raum. In der gleichnamigen Action Group arbeiten Jugendliche daran, dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse voranzutreiben, die den digitalen Raum langfristig sicherer für die Gesellschaft von morgen machen.

Michael, 19 Jahre: Dialog macht dabei den entscheidenden Unterschied. Anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte suchte der Jugendbeirat daher gezielt das Gespräch mit Expertenund Entscheidungsträgeren. Nach einem ersten Kennenlernen in informellem Rahmen beim Bowling erarbeitete der Jugendbeirat gemeinsam mit Expertinnen von Saferinternet.at sowie Entscheidungsträger:innen aus dem Bundeskanzleramt (Sektion Familie und Jugend, Abteilung.

Jad, 18 Jahre: Ich durfte am Saferinternet Forum der EU in Brüssel teilnehmen, mich zum Thema Altersbeschränkungen mit Erwachsenen und anderen jungen Menschen austauschen und meine Perspektive einbringen. Eine wichtige Möglichkeit für offenen Dialog zwischen Generationen! Weitere Aktivitäten waren etwa Straßenumfragen im Rahmen einer Social-Media-Kampagne.

Jad hält eine Rede in Brüssel.

Werden Sie aktiv und setzen Sie ein starkes Zeichen für mehr Kinderschutz im digitalen Raum!

Unterzeichnen Sie jetzt die UNICEF Österreich Petition:

„Online sicher – für jedes Kind“

Der Safer Internet Day ist ein internationaler Aktionstag, der jedes Jahr auf einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien aufmerksam macht. Ziel ist es, Kinder, Jugendliche, Eltern, Pädagogen und politische Entscheidungsträgern für Chancen und Risiken der digitalen Welt zu sensibilisieren. Nähere Informationen und Inspiration für eigene Aktionen im Saferinternet-Monat Februar finden Sie hier.

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