Dies ist eine Zusammenfassung der Aussagen des UNICEF‑Sprechers James Elder – dem zitierte Passagen zugeschrieben werden können – bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf.

Genf/Wien– „Kinder zahlen einen unerträglichen Preis für die zunehmenden militarisierten Einsätze und Siedlerangriffe im besetzten Westjordanland, einschließlich Ostjerusalems.

Zwischen Jänner 2025 und heute wurde im Durchschnitt mindestens ein palästinensisches Kind pro Woche getötet. Das sind 70 getötete palästinensische Kinder in diesem Zeitraum. 93 % von ihnen wurden von israelischen Streitkräften getötet. Weitere 850 Kinder wurden verletzt. Die meisten der getöteten oder verwundeten Kinder wurden durch scharfe Munition getroffen. All dies geschieht vor dem Hintergrund historisch hoher Zahlen von Siedlerangriffen. OCHA erklärte im vergangenen Monat, dass im März 2026 die höchste Zahl palästinensischer Verletzter durch Siedlerangriffe in den letzten 20 Jahren verzeichnet wurde, und wir beobachten, dass diese Angriffe zunehmend koordinierter werden. Dokumentierte Vorfälle umfassen Kinder, die erschossen, erstochen, geschlagen und mit Pfefferspray angegriffen wurden.

Dies sind keine Einzelfälle, sie weisen auf ein anhaltendes Muster schwerster Verletzungen der Rechte von Kindern hin sowie auf Angriffe auf ihre Häuser, ihre Schulen und auf das Wasser, auf das sie angewiesen sind. Was sich hier entfaltet, ist nicht nur eine Eskalation der Gewalt gegen palästinensische Kinder; es ist der schrittweise Abbau der Bedingungen, die Kinder zum Überleben und Wachsen benötigen.

Häuser werden zerstört. Bildung wird angegriffen. Wassersysteme werden zerstört. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung wird behindert. Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt. In den vergangenen 30 Monaten wurden im gesamten Westjordanland mehr als 900 zusätzliche Barrieren und Einschränkungen verhängt. Infolgedessen sind Kinder im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalems, regelmäßig von Schulen, Krankenhäusern und anderen lebenswichtigen Diensten abgeschnitten, da Bewegungen zunehmend eingeschränkt oder vollständig verweigert werden.

Häuser sind zur Frontlinie der Angriffe auf Kinder geworden. In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden mehr als 2.500 Palästinenserinnen und Palästinenser, darunter 1.100 Kinder, vertrieben, mehr als während des gesamten Jahres 2025. Um nur eine Geschichte aus meiner jüngsten Mission im Westjordanland zu schildern: Ezzaldin, 8 Jahre alt, schlief, als Siedler sein Dorf angriffen. Das Haus seiner Familie war zwei Monate zuvor zerstört worden, sodass Ezzaldin im Freien schlief. Er wurde mit einem Holzstück geschlagen und wegen Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Seiner Mutter wurden beide Arme gebrochen, als sie versuchte, ihr vier Monate altes Baby zu schützen, indem sie ihre Arme zwischen das Baby und die Keule des Angreifers hielt.

Auch die Bildung steht unter anhaltendem Beschuss. Für Tausende von Kindern im gesamten Westjordanland ist der tägliche Schulweg zu einem Gang durch Angst geworden. Allein im Jahr 2026 wurden 99 bildungsbezogene Vorfälle dokumentiert, darunter die Tötung, Verletzung und Inhaftierung von Schülerinnen und Schülern, der Abriss von Schulen, die militärische Nutzung von Schulgebäuden sowie die Verweigerung des Zugangs. In etwas mehr als zwei Jahren bis Ende 2025 wurden mehr als 550 solcher Vorfälle dokumentiert. Schulen, die Orte der Sicherheit und Stabilität sein sollten, werden zunehmend zu Orten der Angst. Angriffe auf Schulen und die Verweigerung des Zugangs von Kindern zu Bildung stellen schwere Verletzungen der Rechte von Kindern dar, mit langfristigen Folgen für ihre Sicherheit, ihr Wohlergehen und ihre Zukunft.

Es war erschütternd, mit der 12‑jährigen Roa’a durch ihre von Siedlern und israelischen Streitkräften zerstörte Schule zu gehen – einen Ort, an dem sie innerhalb weniger Monate ihren Abschluss der sechsten Klasse hätte feiern sollen, statt den Abriss zu betrauern. Wieder einmal eine Schule, zu Schutt und Asche reduziert.

Sie konnte mir jeden Teil ihrer Bildung an diesem Ort zeigen: vom Klassenzimmer der ersten Klasse über die Abschlussarbeiten bis hin zu einem nun kaputten Schulheizgerät, das die Lehrerin benutzt habe, wenn ihnen kalt war. Inmitten der Trümmer stellte Roa’a eine Frage, die uns alle verfolgen und nicht nur Verurteilung, sondern konkretes Handeln verlangen sollte: ‚Als ich meine Schule zerstört sah, überkam mich ein schweres Gefühl, und ich fragte mich: Warum wurde unsere Schule zerstört?‘

Darüber hinaus wurden laut OCHA im Jahr 2026 mehr als 60 Wasser‑ und Sanitäranlagen beschädigt oder zerstört, darunter Pipelines, Bewässerungssysteme und Wassertanks, was den ohnehin fragilen Zugang zu sauberem Wasser weiter einschränkt. Dies hat schwerwiegende Auswirkungen auf die palästinensische Wirtschaft sowie auf die Gesundheit, Hygiene und Würde von Kindern. Die Lebensgrundlagen werden zusätzlich durch den Diebstahl von Vieh zerstört.

All dies geschieht parallel zu einem starken Anstieg der Festnahme und Inhaftierung von Kindern. Die jüngsten Daten zeigen, dass 347 palästinensische Kinder aus dem Westjordanland in israelischer Militärhaft wegen mutmaßlicher sicherheitsbezogener Straftaten festgehalten werden – die höchste Zahl seit acht Jahren. Alarmierend ist, dass mehr als die Hälfte dieser Kinder (180) unter administrativer Haft gehalten werden, ohne die erforderlichen verfahrensrechtlichen Garantien, darunter Haft ohne regelmäßigen Zugang zu Rechtsbeistand und ohne das Recht, die Haft anzufechten.

In ihrer Gesamtheit offenbaren diese Muster eine übergeordnete Realität: Kinder werden sowohl durch direkte Gewalt als auch durch den Abbau grundlegender Systeme und Dienste ins Visier genommen. Ihr Leiden darf nicht normalisiert werden.

UNICEF bemüht sich, Kinder und ihre Familien im Westjordanland zu unterstützen, indem der Zugang zu sicherem Wasser, Sanitäreinrichtungen und Gesundheitsversorgung verbessert wird und durch die Bereitstellung von Bargeldhilfen, Lernmaterialien und psychosozialer Betreuung.

UNICEF fordert die israelischen Behörden – die rechtlich verpflichtet sind, die Rechte von Kindern in allen Gebieten unter ihrer Zuständigkeit oder wirksamen Kontrolle, einschließlich der besetzten Gebiete, zu schützen – auf, unverzüglich entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um weitere Tötungen und Verletzungen palästinensischer Kinder zu verhindern und ihre Häuser, Schulen sowie den Zugang zu Wasser im Einklang mit dem Völkerrecht zu schützen. UNICEF appelliert zudem an Mitgliedstaaten mit Einfluss, ihren Einfluss geltend zu machen, um sicherzustellen, dass das Völkerrecht eingehalten wird.“

Hinweise

Videomaterial von James Elder im Westjordanland.

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