Am 13. und 14. April 2026 wurde das Funkhaus Wien zum Ort des klimapolitischen Dialogs: Der Klimagipfel der Klima Biennale Wien versammelte Stimmen aus Wissenschaft, Politik, Aktivismus, Medien und Zivilgesellschaft. Ein zentrales Merkmal des zweiten Tages war die aktive Moderation und inhaltliche Gestaltung durch junge Menschen: Der UNICEF Österreich Jugendbeirat übernahm die Moderation wesentlicher Programmpunkte und prägte den Tag atmosphärisch, aber auch inhaltlich mit einer von ihnen moderierten Panel-Diskussion. Jugendbeiratsmitglied Naomi (18 Jahre alt, aus Oberösterreich) fasst zusammen: „Durch unsere Mitgestaltung als Jugendliche ermöglichen wir Einblicke in neue Perspektiven, die auf jeden Fall gehört und gesehen werden sollten.”
„Klimakrise ist Kinderrechte‑Krise“
Eröffnet wurde das Panel mit einer Keynote von Corinna Geißler (UNICEF Österreich), die eindringlich betonte: „Die Klimakrise ist eine Kinderrechte‑Krise.“ – Denn Rechte von Kindern weltweit wie zum Beispiel das Recht auf Gesundheit und Bildung von Kindern weltweit sind aufgrund der Klimakrise eingeschränkt.
Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die darauffolgende Paneldiskussion. Das wurde direkt zu Beginn unmittelbar erlebbar, als eine Demonstration des UNICEF‑Jugendbeirats mit dem Sprechchor „Laut, wo ihr schweigt“ den Raum symbolisch „stürmte“ und damit auf die Dringlichkeit junger Beteiligung im Klimadiskurs aufmerksam machte.
Nach dieser symbolischen Stürmung folgte das vom Jugendbeirat konzipierte und moderierte Panel:
„Muss Aktionismus junger Menschen stören, wenn man als junger Mensch sonst nicht gehört wird?“
Gemeinsam mit Gästen aus Politik, Aktivismus, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Medien diskutierten die Jugendlichen Fragen rund um Jugendpartizipation, Aktivismus und die Auswirkungen der Klimadebatte auf die mentale Gesundheit. Auf dem Podium vertreten waren unter anderem:
- Luisa Neubauer, Aktivistin und Autorin
- Isolde Gottwald, Umweltpsychologin der Universität Wien
- Jakob Wiesbauer-Lenz, Vertreter des Klimaministeriums
- Anna-Sophie Prosquill, Redakteurin bei Exxpress
- Marco Bruno, Student der WU Wien
- Lea Moser, Fridays for Future
Aktivismus als Teil demokratischer Prozesse
Diskutiert wurde darüber, dass Formen von Aktivismus stark vom jeweiligen Ziel abhängen – von Demonstrationen über zivilen Ungehorsam bis hin zu konstruktiver Beteiligung an politischen Prozessen. Jugendlicher Aktivismus sei kein Störfaktor, sondern wesentlicher Bestandteil demokratischer Meinungsbildung.
Kritisch angesprochen wurden zudem die unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen Österreichs, auch auf EU‑Ebene – etwa das fehlende oder unzureichende Klimaschutzgesetz sowie gestrichene Förderungen, die auch Programme im Bereich Klima und Jugendpartizipation betreffen.
Medien, Verantwortung und mentale Gesundheit
Eine besonders kontroverse Diskussion entwickelte sich rund um die Rolle der Medien in der polarisierenden Klimadebatte. Es wurde thematisiert, wie Zuspitzung und Emotionalisierung zu gesellschaftlicher Spaltung beitragen können.
Ein zentrales Ergebnis der Debatte: Klimakommunikation muss informieren, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und Hoffnung vermitteln, statt Ohnmacht und Klimaangst zu verstärken.
Jede Form von Beteiligung zählt
Im Panel wurde deutlich, dass politische Partizipation viele Formen hat: von Demonstrationen über Briefe an politische Entscheidungsträger:innen bis zu Social‑Media‑Engagement und dem bewussten Austausch außerhalb der eigenen „Bubble“. Auch kleine Aktionen seien relevant – vor allem dann, wenn sie Menschen aus der Ohnmacht holen, ins Handeln bringen und Verbundenheit in der Krise schaffen.
Ein starkes Zeichen für Jugendbeteiligung
Mit der Moderation, inhaltlichen Gestaltung und sichtbaren Präsenz während des gesamten Tages setzte der UNICEF Österreich Jugendbeirat ein starkes Zeichen: Junge Menschen sind nicht nur Betroffene der Klimakrise, sondern kompetente Gestalter:innen des Diskurses. Der Klimagipfel der Klima Biennale Wien bot dafür eine wichtige Bühne – moderiert von jenen, deren Zukunft verhandelt wird. Sarah, ebenfalls Jugendbeiratsmitglied, (21 Jahre alt, aus dem Burgenland) bringt es auf den Punkt: „Wir jungen Menschen haben etwas zu sagen und wir wollen mitgestalten und bewegen. Durch unsere aktive Gestaltung der Klimabiennale habe ich erlebt, dass dies möglich ist – und das ist ein gutes Gefühl!”
Weiterführende Informationen finden Sie hier:
UNICEF Report “The climate-changed Child”
UNICEF Report “Beat the heat: child health amid heatwaves in Europe and Central Asia”