Drei Menschen waten durch ein überschwemmtes Gebiet in Madagaskar.

Klimawandel: Dürre, extreme Hitze und Hitzewellen sind laut neuem Klimabericht die am häufigsten auftretende Dreierkombination von Gefahren, die Millionen von Kindern weltweit bedroht.

New York/Wien – Nahezu die Hälfte der Kinder weltweit – oder 1,1 Milliarden – ist heute mindestens drei sich überschneidenden Klimarisiken ausgesetzt, die ihre Gesundheit, Bildung und ihr Überleben bedrohen, so ein heute veröffentlichter neuer Bericht von UNICEF. Fast jedes Kind auf der Welt ist mindestens einer Klimabedrohung ausgesetzt, während mehr als 4 Millionen sogar bis zu sechs sich überschneidenden Gefahren gegenüberstehen könnten, warnt der Bericht.

Der Children’s Climate Risk Report 2026 nutzt die neuesten verfügbaren Daten, um die Exposition von Kindern gegenüber den acht häufigsten Klimabedrohungen zu kartieren, darunter Küstenüberschwemmungen, Dürren, extreme Hitze, Brände, Hitzewellen, Flussüberschwemmungen, Sand- und Staubstürme sowie tropische Stürme. Zum ersten Mal zeigt der Bericht genau auf, wo – und wie intensiv – mehrere und sich überschneidende Klimabedrohungen Kinder und die für sie essenziellen sozialen Dienstleistungen treffen und wie Regierungen konkret darauf reagieren können.

Das Leben von Kindern wird weiterhin durch die Auswirkungen von Hitzewellen, Waldbränden, Dürren und Überschwemmungen erschüttert“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Die Hälfte der Kinder weltweit lebt heute mit mindestens drei sich überschneidenden Klimabedrohungen, die ihren Alltag prägen.

Dürre, extreme Hitze und Hitzewellen sind laut den Ergebnissen die am weitesten verbreitete Kombination von Klimarisiken: Über 296 Millionen Kinder leben in Gebieten, die allen drei Bedingungen gleichzeitig ausgesetzt sind. Die zweithäufigste Kombination – Dürre, extreme Hitze und tropische Stürme – bringt mehr als 115 Millionen Kinder weltweit in die Lage, diesen überlappenden Gefahren ausgesetzt zu sein.

In der Sahelzone Afrikas, einer der am stärksten betroffenen Regionen, sind mehr als 4 Millionen Kinder der Dreifachbedrohung durch Hitzewellen, extreme Hitze und Sand- und Staubstürme ausgesetzt. In Ländern Asiens wie beispielsweise Bangladesch, Myanmar und Pakistan sind Kinder gleichzeitig mehr Klimarisiken und einer höheren Intensität ausgesetzt als irgendwo sonst auf der Welt.

Auch wohlhabende Länder sind nicht vor sich überschneidenden Klimaschocks gefeit. In Italien etwa sind mehr als 6 Millionen Kinder laut Daten langanhaltenden Hitzewellen und Dürren ausgesetzt. Gleichzeitig zeigt das Land, wie Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel einige der Risiken für Kinder verringern können, und unterstreicht den Bedarf an weiteren Maßnahmen angesichts der sich verschärfenden Klimakrise.

Der Klimawandel betrifft auch Kinder in Österreich

Für Österreich zeigen die Daten ebenfalls eine deutliche Betroffenheit von Kindern durch die Klimakrise: Laut UNICEF sind rund 683.000 Kinder und Jugendliche von Dürre betroffen, mehr als 670.000 von häufiger Hitzebelastung und rund 544.000 von meteorologischer Trockenheit. Zusätzlich sind mehr als 160.000 Kinder Risiken durch Flussüberschwemmungen ausgesetzt. Insgesamt leben in Österreich rund 497.000 Kinder unter 18 Jahren in Regionen, die mindestens zwei gleichzeitig auftretenden Klimarisiken ausgesetzt sind, knapp 56.000 Kinder sogar in Gebieten mit mindestens drei sich überschneidenden Gefahren. Besonders relevant ist zudem die Belastung durch Luftverschmutzung, von der laut Bericht rund 1,6 Millionen Kinder in Österreich betroffen sind. Die Daten verdeutlichen, dass auch Länder mit gut ausgebauten sozialen Systemen zunehmend unter den Folgen der Klimakrise leiden und Investitionen in klimaresiliente Infrastruktur und soziale Dienstleistungen notwendig sind, um Kinder besser zu schützen.

Luftverschmutzung betrifft Kinder weltweit

Neben den acht häufigsten Klimabedrohungen analysiert der Bericht auch die Exposition von Kindern gegenüber Luftverschmutzung und Malaria – zwei Risiken, die stark von den Auswirkungen des Klimawandels beeinflusst werden. Die Daten zeigen, dass Luftverschmutzung nahezu jedes Kind weltweit betrifft, während 1 Milliarde Kinder einem Malariarisiko ausgesetzt ist, was eine zusätzliche Gefahrenebene für Kinder schafft, die bereits mehreren Klimabedrohungen gegenüberstehen.

Der Bericht stellt außerdem einen Rahmen zur Analyse der unterschiedlichen Risiken vor, denen Kinder ausgesetzt sind – basierend auf ihrer Exposition gegenüber Klimaschocks und ihrer Vulnerabilität, die sich unter anderem aus dem Zugang zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser, Bildung und mehr ergibt. Dieser Ansatz kann auf verschiedene Weise angewendet werden, vom Blick auf Risiken einzelner oder mehrerer Klimabedrohungen bis hin zur sektorübergreifenden Analyse, und verdeutlicht die Gefahren, denen Kinder in unterschiedlichen Kontexten ausgesetzt sind.

So zeigt sich etwa, dass Kinder in Binnenstaaten* und fragilen* Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik oder dem Tschad gleichzeitig mehreren Klimarisiken ausgesetzt sind und gleichzeitig keinen ausreichenden Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen haben, was es ihnen deutlich erschwert, mit den Auswirkungen umzugehen und sich zu erholen. Gleichzeitig sind laut Bericht alle Kinder in 24 kleinen Inselentwicklungsländern* – von Haiti bis Vanuatu – tropischen Stürmen ausgesetzt, die ganze Inseln gleichzeitig lahmlegen und grundlegende Dienstleistungen überfordern können.

UNICEF-Forderungen im Kampf gegen den Klimawandel

Ohne dringende Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen werden Klimarisiken häufiger und schwerwiegender werden, was staatliche Haushalte und Systeme noch stärker belastet und das Wohlergehen von Kindern gefährdet, warnt der Bericht.

Um die Rechte von Kindern vor Klimabedrohungen zu schützen und sich an die zunehmenden Umweltveränderungen anzupassen, fordert UNICEF Regierungen, Unternehmen und weitere relevante Akteure auf:

  • Emissionen zu reduzieren und ambitionierte Maßnahmen zur Erfüllung bestehender internationaler Verpflichtungen zu ergreifen, basierend auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen, einschließlich des raschen Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen und eines gerechten Übergangs zu erneuerbaren Energien.
  • Kinder durch inklusive Klimaanpassung zu schützen, Katastrophenrisiken zu verringern und auf Verluste und Schäden zu reagieren, wobei die Widerstandsfähigkeit sozialer Dienstleistungen priorisiert wird. Es muss sichergestellt werden, dass Kinder und für Kinder zentrale Dienstleistungen in nationale Anpassungspläne, sektorale Strategien, Katastrophenschutzstrukturen sowie Vorbereitungs- und Reaktionspläne einbezogen werden. Dazu gehört beispielsweise die Entwicklung sicherer und umweltfreundlicher Bildungseinrichtungen sowie klimaresilienter Gesundheitseinrichtungen, die Sicherung der Ernährung von Kindern, die Wirksamkeit von Frühwarnsystemen für multiple Gefahren speziell für Kinder und deren Zugang zu entsprechenden Dienstleistungen sowie die Stärkung von Wasser- und Sanitärversorgungssystemen und sozialer Sicherungssysteme, die auf Krisen reagieren können.
  • Kinder und junge Menschen zu befähigen, sich aktiv und sinnvoll an Klimaschutzmaßnahmen zu beteiligen, indem in Klimabildung, Wissen und Fähigkeiten investiert wird und die Kapazitäten von Entscheidungsträgern und Expertinnen und Experten gestärkt werden, um die Rechte von Kindern auf Gehör, freie Meinungsäußerung und Beteiligung an Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, zu achten.

Diese Analyse kann Regierungen und Entscheidungsträgern helfen, besser zu planen und gezielter in widerstandsfähige Systeme zu investieren“, sagte Russell. „Wenn wir Gesundheits- und Bildungssysteme stärken und Infrastruktur unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern verbessern, schützen wir sie vor den heutigen Klimabedrohungen und sichern ihre Zukunft.

Hinweise für Redaktionen

Um das potenzielle Ausmaß und die Häufigkeit von Klimabedrohungen im Leben eines Kindes besser zu verstehen, verwendet die Methodik ein probabilistisches Modell auf Basis einer 100-jährigen Wiederkehrperiode. Dieser Ansatz erfasst extreme Klimaereignisse, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Jahr auftreten können, und hebt die bedeutendsten Gefahren hervor, denen Kinder ausgesetzt sind.

Der CCRR 2026 untersucht die Exposition von Kindern gegenüber acht Klimabedrohungen: Küstenüberschwemmungen, Dürren, extreme Hitze, Brände, Hitzewellen, Flussüberschwemmungen, Sand- und Staubstürme sowie tropische Stürme sowie zwei klimensitive Risiken wie Luftverschmutzung und vektorübertragene Krankheiten. Gleichzeitig berücksichtigt er die inhärenten Verwundbarkeiten von Kindern in sieben Dimensionen: Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH), Ernährung, Schutz, Gesundheit, Bildung, Armut und Überlebenschancen.

Dieser Bericht enthält aktualisierte Daten und Modelle, die im Vergleich zum UNICEF-Bericht von 2021 (The climate crisis is a child rights crisis) ein breiteres Spektrum an Gefahren und Verwundbarkeiten abdecken. Die Analyse umfasst inzwischen die meisten Länder und Territorien – einschließlich kleiner Inselentwicklungsländer – und nutzt einen Multi-Gefahren-Ansatz auf Pixelebene, der Daten in höherer Auflösung liefert. Gefährdungsdaten sind nun für Gebiete von nur 100 Quadratkilometern pro Land verfügbar, wobei einige Gefahren sogar auf einer Auflösung von 100 Metern kartiert sind.

* Binnenentwicklungsländer (LLDCs) sind Entwicklungsländer ohne Zugang zum Meer. Ihre Entwicklung wird häufig durch die Isolation von Weltmärkten und hohe Handelskosten eingeschränkt.

* Fragilität: Laut OECD ist dies die Kombination aus Risikoexposition und unzureichender Resilienz eines Staates, Systems und/oder einer Gemeinschaft, um diese Risiken zu bewältigen, zu absorbieren oder zu mindern. In diesem Bericht werden Länder mit hoher oder extremer Fragilität gemeinsam als „fragil“ bezeichnet.

* Kleine Inselentwicklungsländer (SIDS) sind eine eigenständige Gruppe von Staaten, die durch ihre geringe Größe und abgelegene Insellage geprägt sind. Zu ihren besonderen Verwundbarkeiten zählen ihre geringe Größe, Abgeschiedenheit, begrenzte Ressourcen- und Exportbasis sowie ihre Anfälligkeit gegenüber externen wirtschaftlichen Schocks.

Zum Children’s Climate Risk Report

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