Angriffe auf sauberes Wasser: Der Bericht „Water Under Fire“ Volume 4 dokumentiert eine Vielzahl von Angriffen auf Wasser-, Sanitär- und Hygienesysteme (WASH), die Menschen, die sie betreiben, sowie die Kinder und Familien, die von ihnen abhängig sind, in 23 Ländern und Territorien beeinträchtigen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Zahl der gemeldeten Angriffe auf Wasser- und Sanitärversorgungssysteme in Konfliktgebieten hat sich zwischen 2021 und 2025 verdreifacht.
- Angriffe auf Wasserinfrastruktur gefährden Kinder unmittelbar durch Krankheiten, Mangelernährung und erhöhte Gewalt- und Schutzrisiken.
- Der neue UNICEF-Bericht Water Under Fire Volume 4 dokumentiert Angriffe auf Wasser-, Sanitär- und Hygienesysteme (WASH) in 23 Ländern und Territorien zwischen Januar 2021 und Juni 2026.
- Angriffe reichen von der Zerstörung von Wasseraufbereitungsanlagen und Leitungen bis zur Verunreinigung von Wasserquellen sowie Einschränkungen bei Ersatzteilen und Chemikalien.
- In Ländern mit humanitären WASH-Programmen benötigen derzeit 137,9 Millionen Menschen Unterstützung, doch bislang wurden nur 26 Prozent der für 2026 benötigten Mittel finanziert.
- UNICEF fordert einen besseren Schutz von Wasserinfrastruktur, humanitären Helfer*innen sowie Kindern und Familien, die auf diese lebenswichtigen Dienstleistungen angewiesen sind.
New York/Wien – Die Zahl der gemeldeten Angriffe, die Wasser- und Sanitärversorgungssysteme in Konfliktgebieten beschädigten oder zerstörten, hat sich zwischen 2021 und 2025 verdreifacht. Dadurch steigt für Kinder das Risiko von Krankheitsausbrüchen, Mangelernährung und Gewalt. Das geht aus einem heute veröffentlichten neuen UNICEF-Bericht hervor.
Water Under Fire Volume 4 dokumentiert Angriffe auf Wasser-, Sanitär- und Hygienesysteme (WASH), deren Beschäftigte sowie Nutzerinnen und Nutzer in 23 Ländern und Territorien zwischen Januar 2021 und Juni 2026. Der Bericht zeigt ein zunehmendes Muster von Angriffen: Sie treten häufiger auf, nehmen vielfältigere Formen an und betreffen weltweit größere geografische Gebiete.
„Angriffe auf Wasser- und Sanitärversorgungssysteme berauben Kinder des Zugangs zu sicherem Trinkwasser und zu lebenswichtigen Diensten, die auf Wasser angewiesen sind, um wirksam funktionieren zu können“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Humanitäre Helferinnen und Helfer tun ihr Bestes, um die Wasserversorgung trotz zunehmender Angriffe aufrechtzuerhalten. Reparaturen können jedoch den Schutz dieser Einrichtungen, wie er nach dem humanitären Völkerrecht erforderlich ist, nicht ersetzen.“
Der Bericht beschreibt sieben Arten von Angriffen. Diese reichen von Angriffen auf Wasseraufbereitungsanlagen, Pipelines und Brunnen bis hin zur Verunreinigung von Wasserquellen sowie Beschränkungen beim Zugang zu Ersatzteilen und Wasseraufbereitungschemikalien. Im Sudan war im Bundesstaat Khartum bis März 2024 nur noch eine von 13 Wasseraufbereitungsanlagen in Betrieb. In Burkina Faso wurden zwischen 2020 und 2025 mehr als 145 Wasserstellen bei Angriffen zerstört, wodurch rund 830.000 Menschen den Zugang zu Wasser verloren, von denen mehr als die Hälfte Kinder waren. Im Gazastreifen wurden seit Oktober 2023 mehr als 130.000 Meter Abwasserleitungen beschädigt. Unbehandeltes Abwasser wurde ins Mittelmeer oder in provisorische Sammelbecken eingeleitet.
Der Bericht zeigt zudem, dass die Wasserversorgung selbst dort unterbrochen werden kann, wo Rohrleitungen und Pumpen intakt bleiben. In der Ukraine hatten Angriffe auf die Energieinfrastruktur bis Dezember 2022 dazu geführt, dass fast sieben Millionen Kinder keinen verlässlichen Zugang mehr zu Strom, Heizung und Wasser hatten. Im Irak führte ein Drohnenangriff auf ein Gasfeld im November 2025 dazu, dass die Stromerzeugung in der Region Kurdistan um etwa 80 Prozent zurückging. Die Behörden waren gezwungen, die Stromversorgung zwischen Wasserprojekten, Krankenhäusern und Städten zu rationieren.
Die Folgen reichen weit über den Zugang zu Trinkwasser hinaus. Ohne sauberes Wasser können Gesundheitseinrichtungen keine Geräte sterilisieren, Geburten nicht sicher begleiten und keine therapeutische Milch für die Behandlung schwer mangelernährter Kinder herstellen. Wiederholte Durchfallerkrankungen aufgrund von unsicherem Wasser verhindern die Aufnahme lebenswichtiger Nährstoffe und schwächen die Fähigkeit von Kindern, Infektionen zu bekämpfen, die sich ausbreiten, wenn Wasser unsicher oder nicht verfügbar ist.
In Lagern für Geflüchtete im Osten des Tschad, die Geflüchtete aus dem Sudan aufnehmen, brachte die WHO einen Hepatitis-E-Ausbruch mit dem mangelhaften Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung in Verbindung. Die Hälfte der 2.092 Verdachtsfälle, die zwischen Januar und April 2024 registriert wurden, betraf Kinder im Alter von sechs bis 17 Jahren.
Der Bericht dokumentiert außerdem Fälle, in denen Kinder getötet, verletzt oder anderweitig geschädigt wurden, während sie auf Wasser warteten. Mehrere Beispiele hierfür wurden aus dem Gazastreifen dokumentiert. In Haushalten, in denen Wasser außerhalb des Hauses beschafft werden muss, übernehmen Frauen und Mädchen diese Aufgabe in sieben von zehn Fällen. Längere und gefährlichere Wege erhöhen ihr Risiko, sexualisierte Gewalt zu erfahren, und nehmen ihnen Zeit für den Schulbesuch.
Auch die Menschen, die die Wasserversorgung aufrechterhalten, sind gefährdet. Die Vereinten Nationen registrierten, dass während des Konflikts im Jahr 2024 insgesamt 14 Mitarbeitende der libanesischen Wasserbehörden getötet wurden.
Der Bericht erläutert zudem, wie humanitäre Organisationen ihre Arbeit anpassen. In Afghanistan werden inzwischen rund 65 Prozent der von UNICEF unterstützten Wassersysteme mit Solarenergie betrieben, wodurch die Abhängigkeit von Treibstoffen und dem nationalen Stromnetz reduziert wird. In anderen Kontexten schulen Teams lokale Technikerinnen und Techniker, lagern Ersatzteile vorsorglich ein und errichten kleinere dezentrale Versorgungssysteme, damit ein einzelner Angriff nicht die Versorgung aller Menschen unterbricht.
Diese Maßnahmen sind jedoch durch gravierende Finanzierungskürzungen gefährdet. In Ländern mit einer koordinierten humanitären WASH-Antwort benötigen 137,9 Millionen Menschen Unterstützung im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. Bislang wurden jedoch nur 26 Prozent der für 2026 benötigten Mittel bereitgestellt.
UNICEF ruft Konfliktparteien, Mitgliedstaaten, Geber sowie humanitäre und entwicklungspolitische Akteure dazu auf:
- WASH-Systeme in Konfliktgebieten als unverzichtbar für das Überleben der Zivilbevölkerung, insbesondere von Kindern, anzuerkennen und ihren Schutz als wesentlich für die Verwirklichung ihrer grundlegenden Rechte zu betrachten.
- Einen Mechanismus einzurichten, um Daten zu Angriffen auf WASH-Systeme in Konfliktgebieten systematisch zu erfassen.
- Kinder und Gemeinschaften, die WASH-Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sowie Beschäftigte in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung, Hygiene und Energie besser zu schützen.
- Humanitären Helferinnen und Helfern sowie Fachkräften aus den Bereichen WASH und Energie einen sicheren, rechtzeitigen und ungehinderten Zugang zu bedürftigen Menschen sowie zu den notwendigen Gütern zu ermöglichen, die für den Betrieb von Wasser- und Energiesystemen erforderlich sind.
- In konfliktresistente WASH-Ansätze sowie lokal getragene Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung zu investieren.
Hinweise
Zum Bericht auf der Website von UNICEF International.
Foto- und Videomaterial zur redaktionellen Nutzung.
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