Genf/Kyjiw/Wien – UNICEF warnt, dass der Krieg Kinder, die innerhalb der Ukraine vertrieben wurden, weiterhin verfolgt, da Angriffe große Städte im ganzen Land treffen und die Dienste zerstören, auf die Kinder angewiesen sind.
Mehr als ein Drittel der Kinder in der Ukraine (2.589.900) ist weiterhin vertrieben bzw. auf der Flucht, während der Krieg in der Ukraine in sein fünftes Jahr eintritt. Dazu gehören mehr als 791.000 Kinder innerhalb der Ukraine sowie nahezu 1.798.900 Kinder, die außerhalb des Landes als Geflüchtete leben.
„Millionen Kinder und Familien sind aus ihren Häusern geflohen, um Sicherheit zu suchen, und jedes dritte Kind ist auch vier Jahre nach Beginn dieses unerbittlichen Krieges weiterhin vertrieben. Für Kinder in der Ukraine wird Sicherheit zunehmend schwer erreichbar, da Angriffe auf zivile Gebiete im ganzen Land andauern. In vielerlei Hinsicht folgt der Krieg diesen Kindern“, sagte Regina De Dominicis, UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien.
Viele Kinder waren gezwungen, ihre Häuser mehrfach zu verlassen. Eine aktuelle von UNICEF durchgeführte Umfrage ergab, dass unter den vertriebenen Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren jedes dritte angab, mindestens zweimal umgezogen zu sein. Sicherheit wurde dabei als häufigster Grund für die Flucht genannt.
Bombardierungen, darunter verstärkte Angriffe mit weitreichenden Waffen, haben seit dem 24. Februar 2022 mehr als 3.200 Kinder getötet oder verletzt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Opfer unter Kindern im Vergleich zu 2024 um 10 Prozent, das dritte Jahr in Folge, in dem die von den Vereinten Nationen bestätigten Opferzahlen unter Kindern zugenommen haben.
Die Dienste, auf die Kinder angewiesen sind, wurden in den vergangenen vier Jahren massiv zerstört und stehen zunehmend unter Druck. Mehr als 1.700 Schulen und andere Bildungseinrichtungen wurden beschädigt oder zerstört, sodass jedes dritte Kind nicht in der Lage ist, durchgehend am Präsenzunterricht teilzunehmen.
Jüngste Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben dazu geführt, dass Millionen Kinder und Familien unter extremen Minusgraden ums Überleben kämpfen, da sie gezwungen sind, tagelang ohne Heizung, Strom und Wasser in ihren Wohnungen auszukommen. Säuglinge und Kleinkinder sind unter diesen Bedingungen besonders gefährdet, Atemwegserkrankungen und Unterkühlung zu erleiden. Gleichzeitig haben medizinische Einrichtungen Schwierigkeiten, unter den Bedingungen von Angriffen und eingeschränkter Energieversorgung zu arbeiten; allein im Jahr 2025 wurden fast 200 medizinische Einrichtungen als beschädigt oder zerstört bestätigt.
Neben den physischen Gefahren steht auch die psychische Gesundheit der Kinder zunehmend unter Druck. Die ständige Angst vor Angriffen, endlose Aufenthalte in Schutzräumen und Kellern sowie Isolation zu Hause mit begrenzten sozialen Kontakten haben Jugendliche stark belastet. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass jeder vierte Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren die Hoffnung auf eine Zukunft in der Ukraine verliert. Dies unterstreicht den dringenden Bedarf an Sicherheit und Stabilität sowie an Investitionen in lebenswichtige Dienste und Perspektiven, die Kinder und junge Menschen benötigen.
UNICEF arbeitet in der gesamten Ukraine sowie in den benachbarten Aufnahmeländern daran, Kinder zu unterstützen, die von Vertreibung und anhaltender Gewalt betroffen sind, und leistet lebensrettende Hilfe sowie essenzielle Dienstleistungen. UNICEF ermöglicht den Zugang zu sicherem Trinkwasser, Gesundheitsversorgung, Ernährung, Bildung, Kinderschutz sowie psychosozialer und mentaler Unterstützung und trägt gleichzeitig zur Reparatur und Wiederherstellung kritischer Infrastruktur bei, darunter Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Wassersysteme, die durch Angriffe beschädigt wurden.
Im Jahr 2025 erreichte UNICEF über lokale Behörden und Partnerorganisationen 7 Millionen Menschen, darunter 2,5 Millionen Kinder, mit humanitärer Hilfe. Die Wiederaufbauprogramme von UNICEF stärkten in Zusammenarbeit mit nationalen und lokalen Behörden die sozialen Dienste für rund 9,8 Millionen Menschen im ganzen Land.
„Die Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht müssen eingehalten werden, und alle möglichen Maßnahmen zum Schutz von Kindern und der zivilen Infrastruktur, auf die sie angewiesen sind, müssen ergriffen werden. Jedes Kind hat das Recht, in Sicherheit aufzuwachsen, und dieses Recht muss ausnahmslos respektiert werden“, sagte De Dominicis.
UNICEF bittet weiterhin um Unterstützung der Nothilfe Ukraine.
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