Ein Mädchen aus Äthiopien mit dem Handy.

New York/Wien – Erklärung von UNICEF zu KI-generierten sexualisierten Bildern von Kindern.

„UNICEF ist zunehmend alarmiert über Berichte zu einem rasanten Anstieg der Menge an KI-generierten sexualisierten Bildern, die in Umlauf sind – darunter auch Fälle, in denen Fotos von Kindern manipuliert und sexualisiert wurden.

Deepfakes – Bilder, Videos oder Audiodateien, die mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt oder manipuliert werden und real erscheinen sollen – werden zunehmend zur Herstellung sexualisierter Inhalte mit Kindern genutzt, unter anderem durch sogenannte ‚Nudification‘, bei der KI-Werkzeuge Kleidung auf Fotos entfernen oder verändern, um fingierte Nackt- oder sexualisierte Bilder zu erzeugen.

Neue Erkenntnisse bestätigen das Ausmaß dieser schnell wachsenden Bedrohung: In einer Studie von UNICEF, ECPAT und INTERPOL* in 11 Ländern gaben im vergangenen Jahr mindestens 1,2 Millionen Kinder an, dass ihre Bilder zu sexuell expliziten Deepfakes manipuliert worden seien. In manchen Ländern entspricht dies 1 von 25 Kindern, also etwa einem Kind in einer durchschnittlichen Schulklasse.

Auch Kinder selbst sind sich dieses Risikos sehr bewusst. In einigen der untersuchten Länder sagten bis zu zwei Drittel der Kinder, sie hätten Angst davor, dass KI zur Erstellung gefälschter sexueller Bilder oder Videos verwendet werden könnte. Das Ausmaß der Sorge variiert stark zwischen den Ländern und unterstreicht den dringenden Bedarf an verstärkter Aufklärung, Prävention und Schutzmaßnahmen.

Wir müssen klar sein: Sexualisierte Bilder von Kindern, die mithilfe von KI-Werkzeugen erzeugt oder manipuliert werden, sind Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern (Child Sexual Abuse Material, CSAM). Deepfake-Missbrauch ist Missbrauch – und an dem Schaden, den er verursacht, ist nichts ‚fake‘.

Wenn das Bild oder die Identität eines Kindes verwendet wird, wird dieses Kind direkt viktimisiert. Selbst ohne identifizierbares Opfer normalisiert KI-generiertes Material sexuellen Missbrauchs von Kindern die sexuelle Ausbeutung, befeuert die Nachfrage nach missbräuchlichen Inhalten und stellt Strafverfolgungsbehörden vor erhebliche Herausforderungen bei der Identifizierung und dem Schutz von Kindern, die Hilfe benötigen.

UNICEF begrüßt ausdrücklich die Bemühungen jener KI-Entwickler, die Security-by-Design-Ansätze und robuste Schutzmechanismen implementieren, um den Missbrauch ihrer Systeme zu verhindern. Die Landschaft bleibt jedoch uneinheitlich, und zu viele KI-Modelle werden ohne ausreichende Schutzvorkehrungen entwickelt. Die Risiken können sich weiter verschärfen, wenn generative KI-Werkzeuge direkt in soziale Medien integriert werden, wo sich manipulierte Bilder rasend schnell verbreiten.

UNICEF ruft dringend zu folgenden Maßnahmen auf, um der eskalierenden Bedrohung durch KI-generiertes Material sexuellen Missbrauchs von Kindern entgegenzutreten:

  • Alle Regierungen müssen die Definitionen von Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern (CSAM) ausweiten, um KI-generierte Inhalte einzuschließen, und deren Herstellung, Beschaffung, Besitz und Verbreitung unter Strafe stellen.
  • KI-Entwickler müssen Security-by-Design-Ansätze und robuste Schutzmechanismen umsetzen, um den Missbrauch von KI-Modellen zu verhindern.
  • Digitale Unternehmen müssen die Verbreitung von KI-generiertem Material sexuellen Missbrauchs von Kindern verhindern – und nicht erst entfernen, nachdem der Missbrauch bereits stattgefunden hat. Ebenso müssen sie die Inhaltsmoderation durch Investitionen in Erkennungstechnologien stärken, damit solches Material unverzüglich entfernt werden kann und nicht erst Tage nach einer Meldung durch ein Opfer oder dessen Vertretung.

Der Schaden durch Deepfake-Missbrauch ist real und dringend. Kinder können nicht warten, bis das Recht aufgeholt hat.“

Hinweise:

Unterschreiben Sie die Petition „Online sicher – für jedes Kind“ von UNICEF Österreich, um für einen besseren Kinderschutz im digitalen Raum einzustehen.

Anlässlich des Safer Internet Day 2026 macht UNICEF Österreich gemeinsam mit dem UNICEF Österreich Jugendbeirat mit einer öffentlichen Aktion auf Kinderrechte im digitalen Raum aufmerksam.

Lesen Sie den neuesten UNICEF-Issue-Brief zu KI und sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch von Kindern.

Diese Erklärung spiegelt die Positionen wider, die in UNICEFs Guidance on AI and Children 3.0 (Dezember 2025) dargelegt sind.

* Diese neuen Daten sind Teil von Disrupting Harm Phase 2, der zweiten Phase eines Forschungsprojekts unter der Leitung des UNICEF-Büros für Strategie und Evidenz – Innocenti, ECPAT International und INTERPOL, finanziert von Safe Online. Das Projekt untersucht, wie digitale Technologien sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch von Kindern begünstigen, und liefert Erkenntnisse zur Stärkung nationaler Systeme, Politiken und Reaktionen.

Im Rahmen dieser Phase werden im Laufe des Jahres 2026 nationale Berichte mit länderspezifischen Ergebnissen veröffentlicht. Die hier präsentierten Schätzungen basieren auf national repräsentativen Haushaltsbefragungen, die von UNICEF und IPSOS in 11 Ländern durchgeführt wurden. Jede Befragung umfasste ein Kind im Alter von 12–17 Jahren sowie einen Elternteil oder eine Betreuungsperson und nutzte ein Stichprobendesign mit dem Ziel einer vollständigen oder nahezu vollständigen nationalen Abdeckung (91–100 %). Die Forschung wurde in Ländern mit vielfältigen regionalen Kontexten durchgeführt. Weitere methodische Details sind verfügbar finden Sie hier.

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