Milana aus der Ukraine steht im dunklen Flur ihres Wohnhauses.

Genf/Wien – Dies ist eine Zusammenfassung der Aussagen des UNICEF-Vertreters für die Ukraine, Munir Mammadzade, bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf. Die zitierten Passagen können ihm zugeschrieben werden.

„Das Winterszenario in der Ukraine, das wir alle befürchtet haben, ist nun Realität. Massive Angriffe zerstören lebenswichtige Energie- und Wassersysteme – und das bei extremen Minusgraden.

Millionen Familien im ganzen Land ertragen Tage ohne Heizung, Strom und Wasserversorgung.

Kinder und ihre Familien befinden sich im permanenten Überlebensmodus. Ohne Heizung bei minus achtzehn Grad Celsius bedeutet das Leben in einer Hochhauswohnung vor allem, sich vor unaufhörlichen Angriffen zu schützen und extreme Kälte zu überstehen.

Im zehnten Stock eines solchen Gebäudes am linken Ufer Kyjiws tut Svitlana, was sie kann, um sich um ihre dreijährige Tochter Arina zu kümmern.

Sie berichtete uns, dass sie seit mehr als drei Tagen weder Heizung noch Strom haben und das war in der ersten Woche der Ausfälle. Viele Familien müssen weiterhin komplett ohne Versorgung auskommen oder haben nur sporadisch Zugang dazu. Kaltes Wasser fließt nur zeitweise. Familien haben begonnen, Stofftiere oder alles andere, was sie finden können, gegen die Fenster zu stopfen, um zumindest einen Teil der eisigen Kälte draußen zu halten.

Svitlana kann Arina weder baden noch warmes Essen zubereiten. Also wickelt sie ihr Kind in mehrere Kleidungsschichten und steigt zehn Stockwerke durch ein dunkles Treppenhaus hinab, um ein Zelt zu erreichen, das draußen vom ukrainischen Katastrophenschutz aufgebaut wurde. Dort können sie sich aufwärmen, warme Mahlzeiten erhalten, ihre Geräte aufladen und mit einer Psychologin oder einem Psychologen sprechen – oder einfach nur in der Wärme sitzen.

UNICEF hat diese Zelte zudem mit Materialien zur psychosozialen Unterstützung ausgestattet. Sie bieten Kindern Spiele und Spielzeug zum Spielen und Entspannen und helfen sowohl Kindern als auch Erwachsenen, mit der zunehmenden Angst umzugehen.

Für Kinder sind die Auswirkungen dieser extremen Bedingungen sowohl körperlich als auch seelisch. Dunkelheit und eisige Temperaturen verstärken Angst und Stress und können zu Atemwegs- und anderen Erkrankungen führen oder bestehende Leiden verschlimmern.

Die Jüngsten sind am stärksten gefährdet. Neugeborene und Säuglinge verlieren sehr schnell Körperwärme und haben ein erhöhtes Risiko für Unterkühlung und Atemwegserkrankungen – Zustände, die ohne ausreichende Wärme und medizinische Versorgung rasch lebensbedrohlich werden können.

Auch die Bildung ist erneut beeinträchtigt. Die extreme Kälte hat dazu geführt, dass Schulen und Kindergärten in der Hauptstadt und anderen Regionen vollständig auf Fernunterricht umgestellt haben. Doch Stromausfälle unterbrechen wiederum den Online-Unterricht.

Trotz der extremen Herausforderungen sind die engagierten Energie- und Wassertechnikerinnen und -techniker unmittelbar nach den Schäden vor Ort und führen dringend notwendige Reparaturen an Strom-, Heiz- und Wasserinfrastruktur durch.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Versorgung wiederherzustellen – ein Wettlauf, den UNICEF mit seiner groß angelegten Winterhilfe unterstützt und unermüdlich daran arbeitet, 1,65 Millionen Menschen zu helfen, darunter 470.000 Kinder.

Diese Arbeit begann bereits vor Monaten und umfasst Investitionen aus den vergangenen Jahren, die heute dazu beitragen, die Auswirkungen der Ausfälle abzumildern.

  • Nach jüngsten Angriffen auf die Energieinfrastruktur und vollständigen Stromausfällen in Saporischschja und Dnipro konnten Krankenhäuser dank Generatoren und Solaranlagen, die lange vor dem Winter installiert wurden, weiterhin arbeiten und die Wasserversorgung aufrechterhalten.
  • In Kyjiw haben wir nach Schäden an zentralen Heizwerken sofort Generatoren aus vorpositionierten Beständen installiert, um Strom bereitzustellen und einen vollständigen Ausfall lebenswichtiger, lebensrettender Dienste zu verhindern.
  • Wir liefern 79 Hochleistungsgeneratoren an Wasser- und Heizungsunternehmen im ganzen Land und weiten unsere Zusammenarbeit mit Kommunen aus, um Versorgungsunterbrechungen zu reduzieren und nachhaltigere Heizlösungen bereitzustellen.
  • Winter-Bargeldhilfen wurden mehr als 183.000 Menschen, darunter 86.000 Kinder, in Frontregionen zur Verfügung gestellt, damit Eltern die dringendsten Bedürfnisse ihrer Kinder priorisieren können.
  • Und über das Bildungssystem werden Winterzuschüsse an 1.500 Bildungseinrichtungen vergeben, um dringend notwendige Verbesserungen vorzunehmen, den Betrieb aufrechtzuerhalten und für rund 445.000 Schülerinnen und Schüler ein kinderfreundlicheres Umfeld zu schaffen.

Fast vier Jahre nach Beginn dieses unerbittlichen Krieges werden die Leben der Kinder weiterhin von Gedanken an das Überleben bestimmt – nicht von Kindheit.

Die Bedrohung durch den Winter folgt auf einen tragischen Anstieg der bestätigten Opferzahlen unter Kindern um 11 Prozent im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr: Mindestens 92 Kinder wurden getötet und 652 verletzt. Insgesamt wurden seit Beginn des großflächigen Krieges mehr als 3.200 Kinder getötet oder verletzt.

UNICEF fordert erneut ein Ende der Angriffe auf zivile Gebiete und auf die Infrastruktur, auf die Kinder angewiesen sind.“

UNICEF bittet weiterhin um Unterstützung der Nothilfe Ukraine.

Für Redaktionen

Foto- und Videomaterial aus der Ukraine.

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