Ein Mädchen aus Burkina Faso.

Ouagadougou/N’Djamena/Wien – Gewalt, Vertreibung und Klimakrise treffen Millionen Kinder in der Sahelregion und im Tschad besonders hart. Bei ihren Reisen in Burkina Faso und den Tschad sprach UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell mit betroffenen Familien und forderte dringende internationale Unterstützung, um Kinderleben zu schützen.

Inmitten zunehmender Gewalt, Massenvertreibungen und der fortschreitenden Klimakrise hat UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell kürzlich zwei besonders betroffene Regionen besucht: die Zentral-Sahelzone und den Osten des Tschad. Ihre zentrale Botschaft: Die Weltgemeinschaft darf nicht länger wegsehen – Millionen Kinder brauchen jetzt Schutz, Bildung, Gesundheit und Perspektiven.

Die Sahelzone: „Ein perfekter Sturm aus Krisen“

In Burkina Faso, einem der am stärksten betroffenen Länder der Zentral-Sahelzone, betonte Russell die Dringlichkeit internationaler Solidarität. „Die Sahelregion ist ein Paradebeispiel für einen perfekten Sturm – mit Konflikten, Klimakatastrophen und chronischer Unterfinanzierung, die sich gegenseitig verstärken. Das sollte ein Weckruf für alle sein: Wenn Krisen ignoriert werden, verschärfen sie sich. Und wie immer haben Kinder am meisten zu verlieren.

In der Region Burkina Faso, Mali und Niger wurden über 2,9 Millionen Menschen vertrieben, etwa die Hälfte davon Kinder. Über 8.000 Schulen wurden geschlossen – Millionen Kinder sind vom Bildungszugang abgeschnitten. Klimabedingte Dürren und Überschwemmungen verschärfen die Ernährungskrise zusätzlich: Die Zahl der akut mangelernährten Kinder unter fünf Jahren ist auf sechs Millionen gestiegen, über 2,5 Millionen sind von lebensbedrohlicher Auszehrung betroffen.

In der ländlichen Gemeinde Kokologho besuchte Russell ein UNICEF-Programm, das mit integrierten Maßnahmen in Ernährung, Wasser, Hygiene und Gesundheit Kinderleben schützt. In Fada traf sie auf Binnenvertriebene, die vor der Gewalt in ihren Heimatorten fliehen mussten – darunter eine Frau, Mariam, deren Mann vor den Augen ihrer Familie ermordet wurde.

Tschad: Hunderttausende Kinder fliehen vor dem Krieg im Sudan

Im Tschad traf Russell auf Kinder, die aus dem benachbarten Sudan geflohen sind. Seit Ausbruch der Gewalt dort im April 2023 sind über zwei Millionen Kinder vertrieben worden – mehr als 700.000 davon in den Osten des Tschad. Dort ist die Not groß: „Im Osten des Tschad traf ich Frauen und Kinder, die kaum mehr mitgebracht haben als die schrecklichen Erinnerungen, die sie mit sich tragen“, sagte Russell. In Adré, einer überfüllten Grenzstadt, traf sie auf neu angekommene Familien, unbegleitete Kinder und Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt.

Die Herausforderungen sind gewaltig: Auf einen Einheimischen in Adré kommen inzwischen sechs Geflüchtete. 61 Prozent der Geflüchteten sind Kinder. Die Gesundheitsversorgung ist überlastet, Krankheiten wie Masern und Mangelernährung breiten sich aus. Zwei von drei geflüchteten Kindern gehen nicht zur Schule.

Trotzdem zeigen Aufnahmegemeinschaften eine bemerkenswerte Solidarität – sie teilen das Wenige, das sie haben. Doch auch der Tschad selbst gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Jeder zehnte Säugling stirbt vor seinem fünften Geburtstag, über drei Millionen Kinder gehen nicht zur Schule.

UNICEF hilft trotz dramatischer Finanzierungslücken

UNICEF und seine Partner leisten in beiden Regionen lebenswichtige Nothilfe: Impfungen, Zugang zu sauberem Wasser, psychosoziale Unterstützung, Bildung und Schutzmaßnahmen gegen Gewalt. Doch die Mittel reichen nicht aus. Der Bedarf in der Zentral-Sahelzone beläuft sich auf fast 490 Millionen US-Dollar – bislang sind nur 7 Prozent finanziert. Für den Tschad fehlen zwei Drittel der benötigten Mittel für 2025 – benötigt werden 114 Millionen US-Dollar.

Die Menschen in der Sahelzone und im Tschad zeigen außergewöhnliche Stärke und Hilfsbereitschaft“, sagte Russell. „Aber sie können das nicht allein bewältigen. Wir müssen an ihrer Seite stehen – und an der Seite der Kinder – indem wir nationale Systeme und Gemeinden an vorderster Front umfassend unterstützen.

In Gesprächen mit hochrangigen Regierungsvertretern bekräftigte Russell UNICEFs langfristiges Engagement – darunter die Unterstützung nationaler Entwicklungspläne, Investitionen in Bildung, Gesundheit und sozialen Schutz.

Wenn wir heute in Kinder investieren, legen wir das Fundament für eine stabilere, friedlichere Zukunft. Es ist Zeit zu handeln – bevor noch mehr Kinder ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Zukunft verlieren“, erklärt Russell.

Für Redaktionen

Foto- und Videomaterial aus dem Tschad.

Foto- und Videomaterial aus Burkina Faso.

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