Genf/Port Sudan/Wien – Dies ist eine Zusammenfassung der Aussagen von Eva Hinds, UNICEF-Kommunikationschefin für den Sudan, auf der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf.
„In Darfur kann es heute Tage dauern, ein einziges Kind zu erreichen, mit Verhandlungen, Sicherheitsfreigaben und Reisen über sandige Straßen entlang sich ständig verschiebender Frontlinien. Doch diese Arbeit ist entscheidend, insbesondere an Orten wie Tawila, von wo ich gerade zurückgekehrt bin, wo Hunderttausende Kinder vor unsäglicher Gewalt geflohen sind. Es ist auch der Ort, an dem ihre Familien aus Stöcken, Heu und Plastikplanen eine ganze Stadt errichtet haben. Nichts an dieser Krise ist einfach: Jede Bewegung ist hart erkämpft, jede Lieferung fragil.
Und dennoch erreicht unter diesen Bedingungen Hilfe die Menschen. In nur zwei Wochen haben UNICEF und Partner über 140.000 Kinder geimpft, Tausende wegen Krankheiten und Mangelernährung behandelt, Zehntausenden den Zugang zu sauberem Wasser wiederhergestellt, provisorische Klassenzimmer eröffnet und Nahrung, Schutz sowie psychosoziale Betreuung bereitgestellt. Es ist mühsame, prekäre Arbeit – Konvoi für Konvoi, Klinik für Klinik, Klassenzimmer für Klassenzimmer geliefert –, aber für die Kinder in Darfur ist sie die schmale Linie zwischen dem Vergessenwerden und dem Erreichtwerden.
Ich bin gerade von einer zehntägigen Mission in Darfur zurückgekehrt. Selbst mit jahrelanger Erfahrung in der Arbeit in humanitären Notlagen war das, was ich gesehen habe, anders als alles zuvor. Das Ausmaß der Vertreibung, die Zersplitterung des Konflikts und der Zusammenbruch grundlegender Dienste haben eine Situation geschaffen, in der jedes Kind am Abgrund lebt.
Das Reisen durch Darfur ist extrem schwierig. Die Straßen bestehen größtenteils aus Sand und Steinen, und jede Bewegung erfordert zahlreiche Genehmigungen sowie sorgfältige Planung, um die Sicherheit unserer Teams zu gewährleisten. Nichts daran ist unkompliziert. Doch es ist der einzige Weg, um Kinder zu erreichen, die seit Monaten nur sehr eingeschränkten Zugang zu Unterstützung hatten.
Nichts hat mich auf das vorbereitet, was ich in Tawila gesehen habe. Ich war informiert worden: Dort suchen zwischen 500.000 und 600.000 Menschen Schutz. Doch inmitten dieser riesigen Fläche aus provisorischen Unterkünften – Heu, Stöcke, Plastikplanen – zu stehen, war überwältigend. Es fühlte sich an, als sei eine ganze Stadt entwurzelt und aus Not und Angst neu errichtet worden. Es ist eine Stadt aus Verzweiflung, größer als meine Heimatstadt Helsinki, und jede einzelne Familie ist dort, weil sie keine andere Wahl hatte, als zu fliehen.
Innerhalb dieses gewaltigen Raums gab es Momente, die mir in Erinnerung bleiben werden.
Meine Kolleginnen und Kollegen und ich trafen Doha, ein Teenagermädchen, das gerade mit ihrer Tante und ihren Geschwistern aus Al Fasher angekommen war. Vor dem Krieg hatte sie Englisch gelernt. Ihr Name bezieht sich auf das sanfte Licht kurz nach Sonnenaufgang, und sie verkörpert dieses Bild, hoffnungsvoll und entschlossen. Sie erzählte uns, dass sie davon träumt, wieder zur Schule zu gehen und später Englisch für andere Kinder zu unterrichten.
An einer Ernährungsstation trafen wir die Tante eines kleinen Mädchens namens Fatima, das wegen Mangelernährung zur Behandlung gebracht worden war. Fatimas Mutter, ihre Schwester, war im Konflikt ums Leben gekommen. Die Tante hielt das Kind fest bei sich und tat alles, was sie konnte, um es zu schützen.
Und in einem Zentrum für Frauen und Mädchen traf ich Mütter, die nichts mehr hatten. Sie erzählten mir, dass sie weder Essen noch Decken noch warme Kleidung für ihre Kinder hätten. „Die Kinder frieren“, sagte eine Mutter. „Wir haben nichts, womit wir sie zudecken können.“
Diese persönlichen Geschichten spiegeln nur einen kleinen Teil einer weitaus größeren Situation in Nord-Darfur wider.
Der Sudan ist die größte humanitäre Notlage der Welt – und zugleich eine der am wenigsten sichtbaren. Eingeschränkter Zugang, ein komplexer Konflikt und konkurrierende globale Krisen führen dazu, dass das Leid von Millionen Kindern ungesehen bleibt.
Was ich erlebt habe, ist eine humanitäre Katastrophe von gewaltigem Ausmaß.
Die Kinder des Sudan benötigen dringend internationale Aufmerksamkeit und entschlossenes Handeln. Ohne diese werden sich die Schrecken, denen die jüngsten und verletzlichsten Menschen des Landes ausgesetzt sind, nur weiter verschärfen.“
Für Redaktionen
Foto- und Videomaterial aus dem Sudan.
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