Logo mit "Phil Geld. Phil Gutes".

Die neue Initiative startet unter dem Motto „PHIL GELD. PHIL GUTES“, um philanthropisches Geben in den Fokus zu rücken und der Überzeugung, dass sich die wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen nur gemeinsam mit einer starken Zivilgesellschaft und sektorenübergreifender Zusammenarbeit nachhaltig bewältigen lassen.

Wien – Heimische Philanthrop:innen bündeln im Zusammenschluss mit rund 20 gemeinnützigen Organisationen und Verbänden ihre Kräfte für mehr Wirkung im Gemeinwohl und starten heute die „Initiative Philanthropie“, bei der UNICEF Österreich Teil ist.

Gemeinsam machen wir das Geben sichtbar: In der Initiative ‚PHIL GELD. PHIL GUTES.‘ zeigen wir, dass Kooperation der Schlüssel für nachhaltige Veränderung ist. Wir wollen Engagement sichtbar machen und über unsere Erfolge sprechen, um Philanthropie den Stellenwert zu geben, den sie verdient,“ sagt Anna Wilhelm-Strenn, Leitung Philanthropie & Partnerschaften bei UNICEF Österreich.

Ob Armutsbekämpfung, Klima- und Umweltschutz oder die Förderung von Bildung und Forschung: Neben den unverzichtbaren kleinen und mittleren Spenden aus der Bevölkerung gewinnen größere philanthropische Beiträge zunehmend an Bedeutung im österreichischen Spendengefüge. Dabei geht es verstärkt um langfristig angelegte Verantwortung und nachhaltige Wirkung über Generationen hinweg. Unter anderem über gemeinnützige Stiftungen schafft philanthropisches Engagement verlässliche Strukturen, die gesellschaftliche Innovation und Gemeinwohl dauerhaft fördern können. Die „Initiative Philanthropie“ will diesen wachsenden Beitrag für das Gemeinwohl sichtbarer machen und mehr Menschen zu wirkungsvollem Engagement motivieren.

Breite Spendenbasis in Österreich – mit wachsender Bedeutung großer Beiträge

In puncto Beteiligung der breiten Bevölkerung am Spenden, zählt Österreich zu den führenden Spendennationen der Welt: 79% der Menschen im Land haben im Vorjahr für gemeinnützige Zwecke gegeben. Damit haben sie wesentlichen Anteil am Spendenaufkommen von insgesamt 1,07 Mrd. Euro. Der Großteil stammt aus vielen kleinen und mittleren Beiträgen: Fast 81% der steuerlich abgesetzten Spenden liegen unter 200 Euro. Parallel dazu gewinnt philanthropisches Engagement vermögender Menschen zunehmend an Relevanz. „Laut aktuellen Analysen stammen rund 5% der privaten Mittel für das Gemeinwohl aus Zuwendungen über 50.000 Euro. Dieser Anteil verdeutlicht: Neben der breiten und unverzichtbaren Spendenbasis der Bevölkerung entsteht eine zusätzliche, wachsende Säule der Gemeinwohlfinanzierung durch philanthropische Beiträge“, so Ruth Williams, Geschäftsführerin Fundraising Verband Austria, die darauf hinweist, dass sich seit 2023 ist eine deutliche Zunahme von Großspenden im Millionenbereich beobachten lässt. „Auch der gemeinnützige Stiftungssektor verzeichnet eine dynamische Entwicklung“, betont Günther Lutschinger, Geschäftsführer Verband für gemeinnütziges Stiften: „2025 wurden ein Rekord bei Neugründungen sowie jährlichen Ausschüttungen von rund 150 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke erreicht.

Kultur der Philanthropie noch mit Entwicklungspotential

Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt philanthropisches Geben in Österreich im internationalen Vergleich noch unter seinen Möglichkeiten. Gründe dafür sind historisch gewachsene strukturelle Hürden ebenso wie eine zurückhaltende Kultur des großen Gebens. Vor diesem Hintergrund wurde die „Initiative Philanthropie“ ins Leben gerufen. Sie versteht sich als Plattform für Dialog, Vernetzung und Inspiration rund um philanthropisches Geben. Ziel ist es, die gesellschaftliche Wahrnehmung philanthropischen Engagements zu stärken, neue Formen der Zusammenarbeit zu fördern und zusätzliche private Mittel für gemeinnützige Anliegen zu mobilisieren.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Austausch zwischen Philanthrop:innen selbst: Niederschwellige Begegnungsräume, Peer-Learning und gegenseitige Unterstützung wurden bereits in einer grundlegenden Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) als zentrale Hebel für eine stärkere philanthropische Kultur identifiziert.

Über philanthropisches Geben in Österreich

Historisch tief verankert, reicht die Tradition des gemeinwohlorientierten Gebens bis in frühe Hochkulturen zurück und ist eng mit gesellschaftlicher Verantwortung und kultureller Entwicklung verbunden. In Österreich erreichte das gemeinnützige Stiftungswesen im 19. Jahrhundert seine Blütezeit – geprägt durch Unternehmerpersönlichkeiten wie Karl Wittgenstein. Im 20. Jahrhundert wurde der philanthropische Sektor durch die Weltwirtschaftskrise und das NS-Regime weitgehend zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschwerte das Notverstaatlichungsgesetz von 1946 den Aufbau eines lebendigen philanthropischen Marktes über Jahrzehnte. Erst ab den 1980er Jahren kam es zu einer schrittweisen Wiederbelebung.

„Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich am besten im Zusammenspiel aller Kräfte bewältigen: Privatpersonen, NPOs, Stiftungen, Unternehmen, Wissenschaft und öffentliche Hand. Philanthropie kann dabei eine wichtige Brückenfunktion einnehmen – als Impulsgeberin, als Ermöglicherin von Innovation und als Partnerin im gemeinsamen Ziel, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und langfristig abzusichern. Die Initiative Philanthropie setzt genau hier an. Unter dem Leitmotiv PHIL GELD. PHIL GUTES soll Philanthropie in Österreich nicht nur als finanzielle Ressource verstanden werden, sondern als gestaltende, kooperative Kraft für eine zukunftsfähige Gesellschaft“, betont Ruth Williams abschließend.

Weitere Informationen unter philgutes.at

Alle Meldungen lesen