Social Media, Apps, Chatbots, Gaming: Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer zunehmend digitalisierten Welt auf.
Sowohl im Bildungsbereich als auch in der Freizeit gehören digitale Medien für Kinder längst zum Alltag. Dies bietet viele Chancen. Die neuen Technologien bringen allerdings auch Risiken wie Cybermobbing oder ungeeignete und gewaltsame Inhalte mit sich. Digitaler Kinderschutz bezieht sich daher auf Maßnahmen und Technologien, die Kinder vor den Gefahren des Internets schützen sollen.
Für mehr Sicherheit im Internet braucht es sowohl digitalen Kinderschutz als auch eine digitale Bildung!
Kinderrechte in der digitalen Welt
Bei unserer Petition „Online sicher – für jedes Kind“ fordern wir konkrete Schritte von der österreichischen Bundesregierung für mehr digitalen Kinderschutz:
- Ausbau der Medienbildung, um das Erlernen des sicheren Umgangs mit digitalen Medien für Kinder zu ermöglichen
- Schutzmaßnahmen für Kinder online durch besseren technischen Kinderschutz
- Mehr Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche bei der Erarbeitung von Maßnahmen
Digitale Welt als Chance für die Verwirklichung von Kinderrechten
Digitale Medien und Tools für Kinder können zur Verwirklichung verschiedener Kinderrechte beitragen. Sie bieten Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten: spielerisch lernen, sich informieren, sich mit Gleichaltrigen vernetzen oder austauschen, (mit)gestalten und spielen.
Digitale Technologien sind die Skills der Zukunft!
Erlernen junge Menschen Medienkompetenz, stehen ihnen viele Möglichkeiten offen. So haben sie beispielsweise später in der Berufswelt bessere Chancen.
Digitale Skills sind jedoch ungleich verteilt und viele Kinder weltweit haben keinen Zugang zur digitalen Welt und entsprechender digitaler Bildung.
Wichtige Kinderrechte in der digitalen Welt
Der UN Kinderrechtsausschuss betont im General Comment 25 die Wichtigkeit und Geltung von Kinderrechten auf Schutz, Förderung und Partizipation auch im digitalen Raum.
Digitale Welt als Kinderschutz-Risiko
Neben den Chancen bestehen auch zahlreiche Internetgefahren für Kinder: Sie können online gewalttätigen oder verstörenden Inhalten ausgesetzt sein.
Noch schlimmer ist es, wenn Kinder im Internet selbst Gewalt erleben. Das kann zum Beispiel in Form von sexueller Belästigung oder Cybermobbing passieren.
Weitere Risiken können den Schutz der Privatsphäre (Stichwort Sharenting), Datenschutz oder Fake News betreffen. Außerdem kann die digitale Welt auch negative Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und das Suchtverhalten von Kindern haben.
Medienkompetenz, technischer Schutz und die Begleitung durch erwachsene Bezugspersonen sind für digitalen Kinderschutz daher essenziell!
Es ist wichtig, Kinder beim Entdecken der Online-Welt zu begleiten und ihre digitalen Fähigkeiten zu fördern. Dabei müssen Kinder auch für die Risiken sensibilisiert und vor Gefahren geschützt werden.
Digitale Skills sind ungleich verteilt
Weltweit haben etwa zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen Zuhause kein Internet. Das sind rund 1,3 Milliarden Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren, die meisten in Afrika und Asien.
Besonders schlimm ist die Lage für Mädchen und Frauen in Ländern, die stark von Armut betroffen sind. 9 von 10 Mädchen und Frauen zwischen 15 und 24 Jahren sind komplett offline. Selbst in wohlhabenden Ländern haben Kinder aus armen Familien oft keinen Internetzugang zu Hause.
Diese Kinder erlernen keinen sicheren Umgang mit sozialen Medien und erhalten keine digitale Erziehung. Das kann ihre Zukunftschancen und die Sicherheit im Internet beeinträchtigen!
Reports zum Thema digitaler Kinderschutz
5 Tipps für den digitalen Alltag mit Kindern
1. Ein Vorbild sein
Wie Sie Medien nutzen, ist entscheidend! Leben Sie den Kindern in Ihrem Umfeld vor, was eine verantwortungsvolle Nutzung von Handy, Laptop, Tablet & Co bedeutet. Dazu zählen auch „medienfreie Zonen“. Zum Beispiel können Sie vereinbaren, dass digitale Geräte am Esstisch keinen Platz haben. So kann auch der Medienkonsum von Kindern ein wenig reduziert werden.
2. Ein offenes Ohr haben
Lassen Sie Kinder wissen, dass sie mit allen Fragen rund um den sicheren Umgang mit sozialen Medien zu Ihnen kommen können. Seien Sie darüber hinaus neugierig. Sprechen Sie mit Kindern darüber, welche Apps sie nutzen und welche Inhalte sie sich gerne im Internet ansehen. Bei schwierigen Fragen verweisen Sie auf anonyme Beratungsstellen wie Rat auf Draht.
3. Über Risiken aufklären
Wir wissen: Gefahren wie Cybermobbing, Grooming oder Datenklau sind unheimlich! Aber verschließen Sie nicht die Augen vor diesen möglichen Bedrohungen für Kinder. Informieren Sie sich stattdessen proaktiv und sprechen Sie in altersgerechter Sprache mit Kindern über ihre Mediennutzung.
Tolle kostenlose Informationen finden Sie auf der Website: www.saferinternet.at
4. Geräte kindersicher machen
Es gibt viele tolle Möglichkeiten, die Risiken für Kinder bei der Nutzung digitaler Geräte zu reduzieren und digitalen Kinderschutz umzusetzen. Zum Beispiel können Sie Apps zum Blockieren von Werbung installieren, Anti-Virensysteme nutzen, Kindersicherungen und -sperren, Zeitlimits aktivieren oder Ihre privaten Inhalte durch Passwörter schützen.
Am einfachsten geht das, wenn auf gemeinsam genutzten Geräten ein eigenes Konto für das Kind eingerichtet wird.
5. Sorgfältige Auswahl von Apps & Spielen
Seien Sie aktiv dabei, wenn ein Kind neue Apps oder Spiele nutzen möchte. Informieren Sie sich vorab über die Inhalte und beachten Sie unbedingt die jeweilige Altersgrenze. Es gibt viele tolle und sichere Apps für Kinder. So können Sie nicht nur verhindern, dass ein Kind ungeeignete Inhalte sieht, sondern zeigen noch dazu Interesse am digitalen Leben des Kindes.
Ziel ist es, kindgerechte, inklusive und sichere digitale Räume zu fördern, die gemeinsam partizipativ mit und für Kinder und Jugendliche gestaltet sind.
Wohin kann ich mich für weitere Infos und Hilfe wenden?
- Die Initiative Saferinternet.at bietet Informationen, Workshops, Beratung und vieles mehr für verschiedene Zielgruppen (Pädagogen, Eltern, Jugendarbeiter, Jugendliche). UNICEF Österreich ist Beiratsmitglied.
- Rat auf Draht bietet einen kostenlosen und anonymen 24h-Notruf für Kinder und Jugendliche per Telefon (147 ohne Vorwahl). Viele Inhalte stehen auch online zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Elternseite im Internet und kostenlose Beratung für Bezugspersonen.
- Stopline ist eine Meldestelle gegen sexuelle Missbrauchsdarstellungen von Minderjährigen sowie Inhalte nationalsozialistischer Wiederbetätigung.
- Die Beratungsstelle ZARA unterstützt unter dem Hashtag #GegenHassimNetz Betroffene von Rassismus. Sie bietet juristische und psychosoziale Beratung und einen Rechtshilfefond.
- Die Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs bieten nützliche Kontaktadressen, Angebote und Themen rund um die Rechte von Kindern und Jugendlichen (in allen Bundesländern).
- Die Internet Ombudsstelle leistet Hilfe bei der Entfernung unerwünschter Onlineinhalte.