Mehr als 4 Millionen Kinder in Afghanistan werden voraussichtlich dringend gegen Mangelernährung behandelt werden müssen. Davon werden voraussichtlich mehr als 1 Million Kinder in Afghanistan an der schwersten Form der Mangelernährung leiden.
Wichtige Fakten
- Mehr als 4 Millionen Kinder in Afghanistan werden 2027 voraussichtlich wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen. Das ist der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre.
- Über 1 Million Kinder werden nach Prognosen an schwerer akuter Mangelernährung leiden, der gefährlichsten Form der Mangelernährung.
- Die Zahl der Provinzen mit kritischen Hunger- und Mangelernährungswerten könnte bis 2027 auf 14 von 34 Provinzen steigen.
- Fast 1,3 Millionen schwangere und stillende Frauen werden voraussichtlich von Mangelernährung betroffen sein.
- Nur jedes dritte Kind zwischen sechs und 24 Monaten erhält derzeit eine ausreichend vielfältige und nährstoffreiche Ernährung.
- Wiederkehrende Krankheitsausbrüche, fehlender Zugang zu sauberem Wasser, Armut und Finanzierungslücken verschärfen die Krise.
- Fast die Hälfte aller Haushalte in Afghanistan hat keinen ausreichenden Zugang zu sicherem Wasser.
- UNICEF und Action Against Hunger warnen, dass ohne zusätzliche Finanzierung lebensrettende Ernährungs-, Gesundheits- und WASH-Programme gefährdet sind.
- Frühzeitige Investitionen in Ernährung, Gesundheit, Wasser und Sanitärversorgung können Leben retten und eine weitere Verschärfung der Krise verhindern.
Kabul/Wien – UNICEF und Action Against Hunger, Vorsitz und stellvertretender Vorsitz des Afghanistan Nutrition Cluster, warnten heute davor, dass sich die akute Mangelernährung in ganz Afghanistan verschärft. Für das Jahr 2027 wird erwartet, dass mehr als 4 Millionen Kinder eine Behandlung benötigen werden – die höchste Zahl der vergangenen fünf Jahre.
Die heute veröffentlichte aktuelle Integrated Phase Classification (IPC) für akute Mangelernährung zeigt, dass sich die Lage im kommenden Jahr voraussichtlich weiter verschlechtern wird. Die Zahl der Provinzen mit kritischem Ausmaß an Mangelernährung ist von 7 im Jahr 2025 auf 10 im Jahr 2026 gestiegen und wird Prognosen zufolge 2027 auf 14 ansteigen. Das entspricht mehr als einem Drittel der Provinzen Afghanistans. Die Prognose für 2027 spiegelt sowohl den saisonalen Anstieg der Mangelernährung als auch eine erwartete drastische Finanzierungslücke wider, die den Zugang zu präventiven Ernährungsdiensten einschränken und lebensrettende Behandlungen für die am stärksten gefährdeten Kinder unterbrechen könnte.
Die IPC-Analyse zeigt zudem, dass die schwerste Form akuter Mangelernährung am schnellsten zunimmt. Schätzungsweise 1,09 Millionen Kinder werden 2027 von schwerer akuter Mangelernährung betroffen sein – ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber 2026. Gleichzeitig werden nahezu 3 Millionen Kinder voraussichtlich an mittelschwerer akuter Mangelernährung leiden. Hinter diesen Zahlen stehen Kinder mit einem erhöhten Risiko für Krankheiten, Entwicklungsverzögerungen und, in besonders schweren Fällen, den Tod, wenn keine Behandlung verfügbar ist. Im selben Zeitraum werden zudem voraussichtlich fast 1,3 Millionen schwangere oder stillende Frauen von Mangelernährung betroffen sein.
Mehrere Faktoren treiben diese sich verschärfende Krise an. Für zu viele Familien wird es immer schwieriger, nahrhafte Lebensmittel auf den Tisch zu bringen und Zugang zu sicherem Trinkwasser zu erhalten. Derzeit erhält nur eines von drei Kindern im Alter von sechs bis 24 Monaten die richtige Kombination nährstoffreicher Lebensmittel, die für gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung erforderlich ist.
Gleichzeitig erhöhen wiederkehrende Ausbrüche von akuten wässrigen Durchfallerkrankungen, Masern und anderen vermeidbaren Krankheiten die Risiken. Zudem hat fast die Hälfte der Haushalte in Afghanistan Schwierigkeiten, ausreichend und sicheres Wasser zu erhalten.
Grenzüberschreitende Störungen haben außerdem die Verfügbarkeit wichtiger Ernährungsgüter beeinträchtigt. Dadurch gerät eine bereits überlastete Hilfsreaktion zusätzlich unter Druck und der Zugang von Kindern zu lebensrettenden Ernährungsprodukten verzögert sich.
„Wir wissen, was wirkt, und wir wissen, dass frühzeitiges Handeln Leben rettet. Was jetzt benötigt wird, sind nachhaltige und verlässliche Investitionen, um sicherzustellen, dass Ernährungs-, Gesundheits- sowie Wasser-, Sanitär- und Hygienedienste (WASH) für die Kinder und Familien erreichbar bleiben, die sie am dringendsten benötigen. Ich habe die Widerstandskraft der Familien selbst gesehen. Dem müssen wir mit Früherkennung, der Verfügbarkeit von Ernährungsprodukten und wirksamer Behandlung begegnen“, sagt der UNICEF-Repräsentant in Afghanistan, Dr. Tajudeen Oyewale.
Einige der höchsten Raten akuter Mangelernährung werden weiterhin im Süden des Landes verzeichnet. Dort wachsen die Bedürfnisse schneller als die verfügbaren Unterstützungsangebote für Familien, wodurch Kinder sowie schwangere und stillende Frauen zunehmend gefährdet sind.
„Ich habe kürzlich Helmand im Süden Afghanistans besucht, wo die Ernährungsdienste unter enormem Druck stehen. Die Behandlung schwerer Mangelernährung rettet das Leben von Kindern und bleibt unverzichtbar. Doch wir sollten nicht warten, bis ein Kind um sein Leben kämpft, bevor wir handeln. Echter Erfolg misst sich daran, wie viele Kinder wir davor bewahren können, überhaupt schwer mangelernährt zu werden. Das ist der Weg zu einer gesünderen Zukunft für die Kinder Afghanistans“, sagt Cobi Rietveld, Landesdirektorin von Action Against Hunger in Afghanistan.
Der Nutrition Cluster warnt, dass sich die akute Mangelernährung ohne dringende und nachhaltige Finanzierung voraussichtlich weiter verschärfen wird. Unmittelbare Investitionen sind erforderlich, um lebensrettende Ernährungs-, Lebensmittel- und Gesundheitsdienste aufrechtzuerhalten sowie den Zugang zu sicherem Wasser, Sanitärversorgung und Maßnahmen zur Existenzsicherung zu gewährleisten. Dies ist notwendig, um akute Bedürfnisse zu decken und gleichzeitig die strukturellen Ursachen von Mangelernährung anzugehen.
Rechtzeitig bereitgestellte Finanzmittel können eine weitere Verschlechterung verhindern, essenzielle Dienste schützen und sowohl die humanitären als auch die finanziellen Kosten späterer Hilfsmaßnahmen deutlich reduzieren.
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