Der Ausbruch von Ebola in der DR Kongo führt zu Unterbrechungen von Gesundheitsdiensten. Die Angst vor einer Ansteckung führt im Epizentrum des Ausbruchs zu einem Rückgang von mehr als 40 Prozent bei Kinderimpfungen, sicheren Geburten und der grundlegenden Gesundheitsversorgung.
Bunia/Wien – Neue Gesundheitsdaten aus der Provinz Ituri in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) zeigen einen drastischen Rückgang bei der Inanspruchnahme lebenswichtiger Gesundheitsdienste durch Kinder und Frauen. Dazu gehören Kinderimpfungen sowie Geburten in Gesundheitseinrichtungen. Angst vor einer Infektion und Störungen im Gesundheitssystem halten Familien zunehmend davon ab, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen.
Zwischen April und Juni 2026 ging die Nutzung grundlegender Gesundheitsdienste in den Haupt-Hotspots des Ausbruchs in Bunia, Mongbwalu, Nizi und Rwampara um 42 Prozent zurück. In der gesamten Provinz Ituri sank die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen schätzungsweise um 13 Prozent.
„Die Daten deuten darauf hin, dass die Angst vor einer Ansteckung in Verbindung mit Unterbrechungen bei den Gesundheitsdiensten viele Kinder und ihre Familien davon abhält, medizinische Hilfe zu suchen“, sagte John Agbor, UNICEF-Repräsentant in der DR Kongo. „Ein Arzt berichtete unserem Team, dass seine Einrichtung vor dem aktuellen Ausbruch durchschnittlich 500 Patientinnen und Patienten pro Monat behandelte. Inzwischen ist diese Zahl nahezu auf null gesunken.“
Ebola in der DR Kongo: Weitere zentrale Auswirkungen auf Kinder und Frauen (Vergleich April bis Juni)
- Die routinemäßigen Kinderimpfungen gingen in den Hotspot-Gebieten um mehr als die Hälfte zurück. Dazu gehört ein Rückgang der Erstimpfung gegen Masern um 69 Prozent in Mongbwalu, dem Epizentrum des Ausbruchs.
- Provinzweit ging auch die Verabreichung von Folgeimpfungen zurück: Die dritte Dosis des Pentavalent-Impfstoffs sank um 22 Prozent, die zweite Masernimpfung um 18 Prozent. Gesundheitseinrichtungen verabreichten im Mai und Juni zusammen mehr als 23.000 Impfstoffdosen für Kinder weniger als im April.
- Auch die Gesundheitsversorgung von Müttern wurde beeinträchtigt. Die Zahl der in Gesundheitseinrichtungen begleiteten Geburten sank in der gesamten Provinz um 13 Prozent. In Bunia, Rwampara und Nizi betrug der Rückgang 38 Prozent, 30 Prozent beziehungsweise 70 Prozent. Die Zahl der ersten Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft ging in allen drei Hotspots um rund 28 Prozent zurück.
Im gleichen Zeitraum des Jahres 2025 wurde kein vergleichbarer saisonaler Rückgang beobachtet.
Die Unterbrechung der Gesundheitsversorgung verschärft die Gefahr, der Kinder bereits direkt durch Ebola ausgesetzt sind. Bis zum 2. August 2026 wurden 743 bestätigte Ebola-Fälle bei Kindern sowie 330 Todesfälle unter Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren registriert. Obwohl Kinder nahezu jeden vierten bestätigten Fall ausmachen, entfällt fast jeder dritte Todesfall auf sie. Besonders betroffen sind Kinder unter fünf Jahren: Die Fallsterblichkeitsrate in dieser Altersgruppe ist mehr als doppelt so hoch wie bei Erwachsenen. Mehr als 60 Prozent der bestätigten Fälle bei Kindern unter fünf Jahren enden tödlich, verglichen mit weniger als 30 Prozent bei Erwachsenen ab 18 Jahren.
Dies ist inzwischen der schwerste Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes und der am schnellsten wachsende Ebola-Ausbruch, der jemals registriert wurde.
Um der steigenden Übertragung des Virus entgegenzuwirken und das Vertrauen der Bevölkerung in die grundlegenden Gesundheitsdienste wiederherzustellen, haben UNICEF und seine Partner in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) rund 13.000 Mitarbeitende an der Gemeinschaftsbasis sowie wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren geschult und eingesetzt. Dadurch wurden mehr als 2,4 Millionen Menschen mit Informationen zur Ebola-Prävention und Früherkennung erreicht. Darüber hinaus führten Teams mehr als 505.000 Hausbesuche durch, um Vertrauen aufzubauen, Fehlinformationen entgegenzuwirken und Verdachtsfälle zur medizinischen Versorgung zu überweisen.
UNICEF hat außerdem Materialien zur Infektionsprävention und -kontrolle für acht Ebola-Behandlungszentren bereitgestellt und 45 Gesundheitseinrichtungen in Ituri mit entsprechenden Ausrüstungspaketen, Wasser-, Sanitär- und Hygieneartikeln sowie Materialien für Eingangskontrollen ausgestattet. Die Lieferketten für lebenswichtige Medikamente, Malaria-Test- und Behandlungskits sowie geburtshilfliche Materialien konnten in den priorisierten Einrichtungen aufrechterhalten werden. Gemeindebasierte Angebote für psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung erreichten mehr als 21.000 vom Ausbruch betroffene Menschen, darunter 5.100 Kinder.
„Der Ebola-Ausbruch beeinträchtigt das gesamte Gesundheitssystem massiv, mit unvermeidlichen Folgen für Malaria, Durchfallerkrankungen und andere behandelbare Krankheiten, die die häufigsten Todesursachen bei Kindern sind“, ergänzte Agbor. „Es ist entscheidend, dass Gesundheitsstationen geöffnet, sicher und vertrauenswürdig bleiben. Nur so können wir heute Leben retten, künftige Ausbrüche verhindern und gleichzeitig in ein widerstandsfähigeres Gesundheitssystem investieren.“
Um die lebensrettenden Maßnahmen von UNICEF von derzeit 21 auf 51 betroffene und gefährdete Gesundheitszonen auszuweiten und aufrechtzuerhalten, hat UNICEF seinen Sechsmonatsaufruf auf 113,45 Millionen US-Dollar erhöht. Da bislang 23,5 Millionen US-Dollar mobilisiert wurden, besteht weiterhin eine Finanzierungslücke von 89,9 Millionen US-Dollar. Zur Vermeidung weiterer Unterbrechungen lebenswichtiger Dienste wird daher dringend flexible Unterstützung durch Geber benötigt.
Hinweise
Multimedia-Materialien zur Gesundheitsversorgung sowie allgemeines Foto- und Videomaterial der Ebola-Reaktion von UNICEF zur redaktionellen Nutzung.
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Die Analyse basiert auf den routinemäßig erhobenen Daten des District Health Information Software (DHIS2)-Systems aus allen 36 Gesundheitszonen der Provinz Ituri für den Zeitraum von April bis Juni 2026 sowie auf dem täglichen Lagebericht des Gesundheitsministeriums mit Stand vom 2. August 2026.
Wichtige Daten und Erkenntnisse (April bis Juni 2026)
- Leistungsvolumen von Dienstleistungen in der gesamten Provinz: Rückgang um 12,6 Prozent insgesamt (von 140.921 auf 123.142 Patientenkontakte).
- Über alle sieben erfassten Indikatoren der primären Gesundheitsversorgung in den vier Hotspot-Gesundheitszonen (Mongbwalu, Bunia, Rwampara und Nizi): Rückgang um 42 Prozent insgesamt (von 24.856 auf 14.321 Patientenkontakte).
- Erste Dosis eines Masern-Impfstoffes in denselben vier Hotspots: Rückgang um 42,2 Prozent (von 3.666 auf 2.119 Dosen).
- Von Gesundheitseinrichtungen begleitete Geburten in der gesamten Provinz: Rückgang um 12,6 Prozent (von 20.188 auf 17.652 Geburten).
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