Ebola in DR Kongo: Während der Ausbruch in Ituri und Nord-Kivu anhält, fordert UNICEF dringend finanzielle Mittel, um Kinder zu schützen, die ohne Betreuung zurückbleiben.
Das Wichtigste in Kürze
- Mehr als 1.900 Kinder im Osten der DR Kongo haben durch Ebola einen oder beide Elternteile bzw. Betreuungspersonen verloren oder wurden von ihnen getrennt.
- Mindestens 2.076 Kinder sind an Ebola erkrankt, mindestens 1.162 Kinder sind gestorben.
- Besonders gefährdet sind Kleinkinder: Sieben von zehn erkrankten Kindern unter fünf Jahren sind gestorben.
- Insgesamt wurden in sieben Provinzen der DR Kongo mehr als 8.224 Ebola-Fälle und 3.982 Todesfälle bestätigt. Ituri verzeichnet die meisten Fälle.
- UNICEF unterstützt zwölf Kinderbetreuungseinrichtungen bei Ebola-Behandlungszentren und hilft unter anderem bei Familienzusammenführungen, alternativer Betreuung und psychosozialer Unterstützung.
- UNICEF benötigt 150,8 Millionen US-Dollar für die Ebola-Nothilfe. Für die DR Kongo werden 113,4 Millionen US-Dollar benötigt, bislang wurden erst 40,1 Millionen US-Dollar mobilisiert.
New York/Dakar/Kinshasa/Wien – Mehr als 1.900 Kinder haben seit der Ausrufung des Ebola-Ausbruchs im Mai im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) einen oder beide Elternteile bzw. Betreuungspersonen durch Ebola verloren oder wurden von ihnen getrennt, teilte UNICEF heute mit.
Von diesen Kindern wurden mit Stand 28. September 1.581 in Ituri und weitere 322 in Nord-Kivu identifiziert. Die tatsächlichen Zahlen dürften höher liegen, da sie nur jene Gebiete abbilden, in denen UNICEF mit der Provinzabteilung für Soziales (DIVAS) zusammenarbeitet.
„Für Kinder kann Ebola eine rasche Kette von Leid auslösen“, sagte UNICEF-Direktorin für Nothilfeeinsätze Lucia Elmi nach einem Besuch im Epizentrum des Ausbruchs in Bunia. „Ein Elternteil erkrankt und das Kind ist möglicherweise dem Virus ausgesetzt. Der Elternteil wird daraufhin ins Krankenhaus eingeliefert oder stirbt, und das Kind bleibt ohne die Person zurück, auf die es angewiesen ist. Gleichzeitig führen die Angst vor einer Ansteckung und Stigmatisierung dazu, dass Verwandte und Nachbarn davor zurückschrecken, zu helfen.“
Weitere 214 Kinder, die auf den Straßen von Bunia leben und arbeiten, wurden als schutzbedürftig identifiziert. Ohne Betreuungsperson besteht für diese Kinder ein erhöhtes Infektionsrisiko. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie durch die Kontaktnachverfolgung erreicht oder im Krankheitsfall medizinisch versorgt werden. Gleichzeitig sind sie einem erhöhten Risiko von Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt.
Auch Kinder sind überproportional stark von dem Ausbruch betroffen. Mit Stand 29. September waren laut einer UNICEF-Analyse von Daten des Gesundheitsministeriums für jene Fälle, bei denen das Alter erfasst wurde, mindestens 2.076 Kinder nachweislich an Ebola erkrankt und mindestens 1.162 gestorben. Kinder machen mehr als jeden vierten bestätigten Fall aus, aber etwa jeden dritten Todesfall. Für die Jüngsten ist die Gefahr am größten: Sieben von zehn Kindern unter fünf Jahren mit bestätigter Ebola-Infektion sind gestorben. Noch vor wenigen Wochen waren es sechs von zehn. Viele dieser Kinder sterben, bevor sie eine Behandlung erreichen können.
„In Bunia habe ich Lina* getroffen, ein sieben Monate altes Baby, das Ebola überlebt hat, nachdem es seine Mutter durch die Krankheit verloren hatte“, sagte Elmi. „Ihre Geschichte führt uns eindringlich vor Augen, dass es nicht ausreicht, ein Kind wegen Ebola zu behandeln. Kinderbetreuungseinrichtungen müssen zum Standard jedes Ebola-Behandlungszentrums gehören. Sie schützen Kinder und geben Eltern die Sicherheit, sich behandeln zu lassen, weil sie wissen, dass ihre kleinen Kinder sicher und in ihrer Nähe sind.“
Auf nationaler Ebene wurden mit Stand 29. September in insgesamt sieben Provinzen mehr als 8.224 Fälle und 3.982 Todesfälle bestätigt. Ituri ist weiterhin die Provinz mit der höchsten Zahl an Fällen, während auch in Nord-Kivu weiterhin Fälle auftreten.
Bereits vor diesem Ausbruch erlebten Kinder im Osten der DR Kongo eine der langwierigsten humanitären Krisen der Welt. Das Virus breitet sich in Provinzen aus, in denen rund 4,4 Millionen Binnenvertriebene leben und in denen Konflikte, Vertreibung und Misstrauen die frühzeitige Erkennung erschweren.
UNICEF unterstützt zwölf Kinderbetreuungseinrichtungen in der Nähe von Ebola-Behandlungszentren in Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Diese Einrichtungen bieten kleinen Kindern, die Ebola ausgesetzt waren, unbegleitet sind oder deren Betreuungspersonen behandelt werden, eine sichere und kindgerechte Betreuung. Sie ermöglichen zudem eine engmaschige Beobachtung auf Symptome und bei Bedarf eine rasche Überweisung zur pädiatrischen Versorgung innerhalb eines Behandlungszentrums.
Bis heute hat UNICEF in Zusammenarbeit mit DIVAS ein Fallmanagement für vom Ausbruch betroffene Kinder bereitgestellt, darunter die Suche nach Familienangehörigen, Familienzusammenführungen und alternative Betreuungsmöglichkeiten. Von UNICEF unterstützte Angebote haben 90.600 Menschen mit psychoedukativen Angeboten erreicht, während mehr als 15.900 Familienangehörige psychosoziale Unterstützung zu Hause erhalten haben.
UNICEF ruft die Regierung, Spender:innen und Partner:innen dazu auf:
- dringend sicherzustellen, dass jedes Ebola-Behandlungszentrum über eine Kinderbetreuungseinrichtung verfügt;
- eine qualitativ hochwertige pädiatrische klinische Versorgung innerhalb der Ebola-Behandlungszentren bereitzustellen;
- mehr Sozialarbeiter:innen und psychosoziales Fachpersonal in die besonders betroffenen Gesundheitszonen zu entsenden;
- Mittel für Kinderbetreuungseinrichtungen, Fallmanagement, Familienzusammenführungen, die Unterstützung von Pflege- und erweiterten Familien sowie für die Rückkehr der Kinder in die Schule zu mobilisieren.
UNICEF benötigt 150,8 Millionen US-Dollar für seine Ebola-Nothilfe. Allein für die Maßnahmen in der DR Kongo werden 113,4 Millionen US-Dollar benötigt, von denen bislang lediglich 40,1 Millionen US-Dollar mobilisiert wurden. Diese Finanzierungslücke zu schließen, ist entscheidend, um die Maßnahmen in der DR Kongo zu verstärken und das Risiko einer weiteren grenzüberschreitenden Ausbreitung zu reduzieren. Gleichzeitig müssen Vorsorge und Einsatzbereitschaft in elf Nachbarländern sichergestellt werden.
Hinweise für Redaktionen
Foto- und Videomaterial zur redaktionellen Nutzung.
*Der Name wurde geändert, um die Privatsphäre und Identität des Kindes zu schützen.
Waise: Ein Kind, dessen ein Elternteil oder beide Elternteile verstorben sind.
Von der Familie getrenntes Kind: Ein Kind, das von beiden Elternteilen oder von seiner bisherigen, nach Gesetz oder Gewohnheitsrecht primär verantwortlichen Betreuungsperson getrennt wurde, aber möglicherweise noch von anderen Verwandten begleitet wird.
Unbegleitetes Kind: Ein Kind, das von beiden Elternteilen und anderen Verwandten getrennt wurde und nicht von einer erwachsenen Person betreut wird, die nach Gesetz oder Gewohnheitsrecht dafür verantwortlich ist.
Die Daten zu bestätigten Ebola-Fällen und Todesfällen in der DR Kongo stammen aus Aktualisierungen des DHIS2. Die Schätzungen zu Kindern basieren auf bestätigten Fällen, für die Altersangaben verfügbar waren.
Die Daten zu verwaisten und von ihren Familien getrennten Kindern wurden von der Abteilung für Soziales im Rahmen des Unterbereichs für psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung zusammengestellt.
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