New York/Wien – El Niño 2026–2027 – ein wiederkehrendes Klimaphänomen, das Teile des Pazifischen Ozeans erwärmt und Wettersysteme weltweit beeinflusst – wird Prognosen zufolge zu einem der stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Ungewöhnlich feuchte und trockene Bedingungen dürften die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse erhöhen, darunter schwere Überschwemmungen und extreme Dürren. Dadurch sind das Leben, die Gesundheit und die Bildung von Kindern in fast 100 Ländern und Gebieten bedroht.
„Für Kinder ist El Niño weit mehr als ein Wetterphänomen. Es kann zu mehr Vertreibungen, Mangelernährung, Wasserknappheit und Krankheitsausbrüchen führen. Kinder laufen außerdem Gefahr, dass ihre Schulen geschlossen werden, während Familien mit zusätzlichen finanziellen Belastungen konfrontiert sein könnten“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Mehr als 347 Millionen Kinder leben in Gebieten, in denen aufgrund von El Niño trockenere oder feuchtere Bedingungen erwartet werden. Wir müssen jetzt handeln, um Gemeinschaften und Kinder zu schützen.“
Wichtige Fakten zu Klima und El Niño:
- Mehr als 347 Millionen Kinder in fast 100 Ländern und Gebieten werden laut den neuesten UNICEF-Daten voraussichtlich zwischen Oktober und Dezember 2026 aufgrund von El Niño ungewöhnlich feuchte oder trockene Bedingungen erleben. Dadurch steigt das Risiko extremer Überschwemmungen und Dürren mit potenziell verheerenden Folgen.
- Die meisten Kinder, die voraussichtlich von diesen Bedingungen betroffen sein werden, leben in Asien und im Pazifikraum (190 Millionen), gefolgt vom östlichen und südlichen Afrika (41 Millionen), Lateinamerika und der Karibik (41 Millionen), Europa und Zentralasien (22 Millionen), dem Nahen Osten und Nordafrika (20 Millionen) sowie West- und Zentralafrika (20 Millionen).
- Kinder etwa in Kolumbien, Fidschi, Papua-Neuguinea und auf den Philippinen gehören zu jenen, für die im Zusammenhang mit El Niño trockenere Bedingungen erwartet werden. Diese dürften zu landwirtschaftlichen Dürren und Wasserknappheit führen, was Vertreibungen verstärken und akute Mangelernährung verschärfen könnte.
- Kinder am Großen Horn von Afrika, insbesondere in Somalia, werden hingegen mit feuchteren Bedingungen als üblich konfrontiert sein. Diese könnten Flussüberschwemmungen und Sturzfluten auslösen, die Ausbreitung wasserbedingter Krankheiten begünstigen und den Schulunterricht beeinträchtigen.
- Für Kinder, die in von Krisen und Konflikten betroffenen Ländern wie Afghanistan oder Tschad leben, kann El Niño eine unmittelbare Bedrohung für ihr Überleben darstellen. Hunger und Mangelernährung können sich dort weiter verschärfen, wo Konflikte, Vertreibung und ein eingeschränkter Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen Kinder bereits besonders gefährdet haben.
- Mit der zunehmenden Verbreitung extremer Wetterereignisse könnten Kinder einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein, von ihren Familien getrennt zu werden oder Gewalt, Ausbeutung und Kinderheirat zu erfahren. Während einer Dürre am Horn von Afrika im Jahr 2022 beispielsweise nahm die Zahl der Kinderheiraten in den von der Dürre betroffenen Gebieten Äthiopiens um durchschnittlich 119 Prozent zu.
- Weltweit sind bereits 1,1 Milliarden Kinder, nahezu die Hälfte aller Kinder weltweit, mindestens drei sich überschneidenden klimabedingten Gefahren wie Dürren, extremer Hitze oder Überschwemmungen ausgesetzt. Es wird erwartet, dass El Niño diese Belastungen noch weiter verschärft.
- Wetterbedingte Katastrophen haben zwischen 2016 und 2023 bereits dazu geführt, dass jeden Tag mehr als 20.000 Kinder vertrieben wurden. El Niño 2026–2027 könnte plötzliche Vertreibungen weiter verstärken, wenn extreme Wetterereignisse Familien dazu zwingen, ihre Häuser zu verlassen.
- Im Jahr 2025 haben klimabedingte Ereignisse den Unterricht für schätzungsweise 171 Millionen Schüler*innen weltweit unterbrochen. Diese Zahl könnte steigen, wenn El Niño schwerere Dürren und Überschwemmungen verursacht, die zu Schulschließungen, Unterbrechungen des Schulbesuchs und einem erhöhten Risiko von Schulabbrüchen führen.
- Jeder US-Dollar, der in Katastrophenvorsorge und Prävention investiert wird, kann bis zu 15 US-Dollar an Wiederaufbaukosten einsparen. Dennoch fließt derzeit weniger als ein Prozent der humanitären Finanzierung in vorausschauende Maßnahmen.
Da Prognosen bereits Monate im Voraus Warnungen ermöglichen, ruft UNICEF Regierungen, Spender:innen und Partner:innen dazu auf, zu handeln, bevor der Bedarf weiter steigt: frühzeitig und noch vor dem Höhepunkt der Auswirkungen zu investieren, klimaresiliente Systeme zu stärken, grundlegende Dienstleistungen für Kinder zu schützen und den humanitären Zugang zu betroffenen Gemeinschaften sicherzustellen.
Hinweise für Redaktionen
Die Zahlen dieser Analyse schätzen die Anzahl der Kinder, die in Gebieten leben, in denen die Niederschlagsmengen zwischen Oktober und Dezember 2026 aufgrund von El Niño voraussichtlich ungewöhnlich niedrig oder ungewöhnlich hoch ausfallen werden. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten dieser ungewöhnlichen Bedingungen liegt bei 70 Prozent.
Für die Schätzungen wurden die im September 2026 veröffentlichte saisonale Prognose des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) und Bevölkerungsdaten zu Kindern von WorldPop miteinander kombiniert. Anhand eines auf historischen Ereignissen basierenden El-Niño-Musters des International Research Institute for Climate and Society (IRI) der Columbia University wurden jene Gebiete identifiziert, die voraussichtlich vom aktuellen El Niño betroffen sein werden.
Kinder wurden nur an jenen Orten berücksichtigt, an denen sowohl die saisonale Prognose als auch die historischen Niederschlagsmuster von El Niño auf über- oder unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen hindeuten. Gebiete, in denen Niederschlagsabweichungen aus anderen Gründen erwartet werden, wurden ausgeschlossen. Das Prognosesystem wurde außerdem anhand von 24 Jahren satellitengestützter Niederschlagsbeobachtungen ausgewertet, um jene Gebiete zu identifizieren, in denen es sich bei der Vorhersage saisonaler Niederschlagsmuster als zuverlässig erwiesen hat.
Bei diesen Zahlen handelt es sich nicht um Schätzungen der tatsächlichen Auswirkungen. Vielmehr zeigen sie auf, wo ungewöhnliche Niederschlagsbedingungen wahrscheinlich sind und wo das Risiko von Dürren, Überschwemmungen oder anderen wetterbedingten Beeinträchtigungen erhöht sein könnte, insbesondere in Gebieten, in denen besonders starke Abweichungen bei den Niederschlagsmengen erwartet werden.
Die Prognose wird mit einer räumlichen Auflösung von etwa 110 Kilometern erstellt und liefert daher allgemeine Bevölkerungsschätzungen und keine präzisen lokalen Zahlen. Die Unsicherheit der Prognosen variiert je nach Region, und die saisonalen Vorhersagen werden aktualisiert, sobald neue Informationen verfügbar sind. Diese Schätzungen spiegeln die Bedingungen und Prognosen wider, die mit Stand September 2026 verfügbar waren.
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