Seitenstetten/ Wien – Der Journalist Heinz Wagner von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… (KiJuKU) besuchte die UNICEF Kinderfreundliche Gemeinde Seitenstetten in Niederösterreich. Dabei machte er sich ein Bild von den Herzenswünschen der Jugendlichen und den vielfältigen kinderfreundlichen Maßnahmen der Gemeinde – von der Pumptrackstrecke, über selbstgebaute Chill-Zonen bis hin zur gemeindeübergreifenden Jugendkonferenz.
Die niederösterreichische Gemeinde Seitenstetten (Bezirk Amstetten) zählt zu jenen 400 Gemeinden, die von der Österreich-Abteilung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) in den vergangenen 10 Jahren als kinderfreundlich zertifiziert wurden.
Pumptrack-Strecke
Der kurvenreiche Auf- und Ab-Parcours für BMX-Radler:innen war ein großes Anliegen Jugendlicher des rund 3500 Einwohner:innen-Ortes. Leisten konnte sich die Marktgemeinde die Pumptrackstrecke, weil sie mit ihrem Plan einen Wettbewerb gewonnen hatte. Das Trio fetzt heran, saust auf und ab, warnt hin und wieder den Journalisten sowie den für Kinder und Jugend zuständigen Gemeinderat und eine Lehrerin, auch am Rand der Strecke aus dem Weg zu gehen, denn jetzt… – kommt der eine oder andere Sprung – auch auf die daneben angrenzende Wiese.
Das ist noch nicht alles. Vor dem Parcours reißen manchmal der eine, dann der andere und irgendwann auch all drei ihre Vorderräder hoch und balancieren nur auf den Hinterrädern. Dann wiederum legen sich zwei zwischen zwei der Ramps vor der hügeligen Strecke und der dritte springt mit dem Rad über sie.
„Wir fahren alle schon viele Jahre, sogar Motocross seit fünf, sechs Jahren“, verraten die drei Biker dem über die Kunststücke staunenden Beobachter.
Jugendliche bauten Chill-Zonen
Von der rasanten Rad-Strecke führt der für die Kinder- und Jugend-Agenden (und damit auch die Zertifizierung zuständige Gemeinderat Hubert Henickl KiJuKU zunächst zu zwei nahegelegenen Chill-Zonen mit zum einen gewellten hölzernen Sitz- bzw. Liegebänken und zum anderen herkömmlichen Holz-Tischen und -bänken.
„Das haben Jugendliche von der Landjugend jeweils in ihren 42-Stunden-Marathons gebaut. Wir als Gemeinde haben die Flächen zur Verfügung gestellt. Außerdem haben wir dafür auch ihre Räume, die sie von uns haben, so umgestaltet, wie sie das wollten.“
Herzen, Birnen und Jugendkonferenz
Zwischen Pumptrackstrecke und den von der Landjugend gebauten Chill-Zonen liegt ein Spielplatz, das Haus in dem die Landjugend ihren Treffpunkt hat und eine Art Garage für Arbeitsfahrzeuge, Material und Werkzeug der Gemeinde. Hier zeigt der gewählte Mandatar (von der Minderheitsfraktion SPÖ) dem neugierigen Journalisten große hölzerne Herzen – von Schüler:innen aller sieben Gemeinden (Aschbach-Markt, Biberbach, Ertl, Seitenstetten, St. Peter in der Au, Weistrach und Wolfsbach mit knapp mehr als 20.000 Einwohner:innen) gestaltet. Diese Region nennt sich „Herz des Mostviertels“, weshalb es die Idee zu den bemalten großen hölzernen Herzen gab, die nach und nach gut sichtbar aufgestellt werden sollen.
Herzens-Zukunftsprojekt
Die schon genannte (Klein-)Region möchte als gesamtes kindefreundlich(er) werden. Und dazu fand gegen Ende des Vorjahres eine eigene Jugendkonferenz mit jungen Teilnehmer:innen (3. und 4. Klassen der weiterführenden Schulen, also 7. und 8. Schulstufe) aus allen sieben oben genannten Gemeinden statt. Die zusammengekommen knapp mehr als vier Dutzend Jugendlichen teilten sich in Arbeitsgruppen auf, die den Ausschüssen in den gewählten Gemeindevertretungen entsprachen. So brachten die Jugendlichen Ideen zu Sport, Gesundheit, Mobilität, Zukunft, Umwelt und Klimaschutz usw. ein. Unter anderem gab es Vorschläge für bessere Busfahrpläne, versperrbare Rad-Boxen an Bahnhöfen und mehr digitale Grundbildungs-Schulstunden.
Ärztliches Haus für alle Generationen
Stolz ist der besagte Gemeinderat, dass es auch – trotz mancher Skepsis – gelungen ist, ein leerstehendes Eckhaus gegenüber dem Stift Seitenstetten, das das Gymnasium beherbergt, von der Marktgemeinde anzukaufen und zu einem „Arzthaus“ herzurichten. Wobei es mehr als ärztliche Versorgung – mittlerweile drei praktische Kassen-Ärzt:innen (zwei pro Tag) für die Region – für alle Generationen bietet. Untergebracht ist hier auch eine Tagesbetreuung für Senior:innen sowie „Erdenlicht“, eine Einrichtung, die sich um Hebammen gruppiert, aber für alle Altersstufen auch Physio- und Ergotherapie, Diätologie, Yoga und noch etliches mehr als Gemeinschaftspraxis anbietet. Und vor allem jede Menge unterschiedlicher Geburtsvor- und -nachbereitungen, von individuellen Einzelstunden über Akupunktur bis hin zur Babymassage. Fehlen darf natürlich nicht die Beratung in Sache idealer Ernährung sowie Gesundheitspsychologie und Mentaltraining.
Stöpserltreffen
Speziell als wichtiger Beitrag zur kinderfreundlichen Gemeinde zu sehen ist das „Stöpserl-Treffen“ – das schon seit April 2007 im Bildungszentrum St. Benedikt – angeboten wird. Eltern mit ihren Kindern können sich in niederschwelligem Rahmen austauschen und bekommen vielfältigste nötige Informationen. Sie können eben ihre Kinder dabeihaben, müssen sich nicht Babysitter organisieren. „Und das zu sehr familienfreundlichen Preisen“, so Bettina Schatzeder, eine der Gründerinnen und Leiterinnen sowohl des „Stöpserltreffens“ als auch der oben beschriebenen Einrichtung „Erdenlicht“ zu Heinz Wagner.„Das Stöpserltreffen fördert nicht nur den Wissensaustausch, sondern auch die Vernetzung von Familien und stärkt damit das soziale Miteinander in der Region.“
Junge Stimmen gestalten Schule und Zukunft
Die schon genannte (Klein-)Region möchte als gesamtes kindefreundlich(er) werden. Und dazu fand gegen Ende des Vorjahres eine eigene Jugendkonferenz mit jungen Teilnehmer:innen (3. und 4. Klassen der weiterführenden Schulen, also 7. und 8. Schulstufe) aus allen sieben oben genannten Gemeinden statt. Die zusammengekommen knapp mehr als vier Dutzend Jugendlichen teilten sich in Arbeitsgruppen auf, die den Ausschüssen in den gewählten Gemeindevertretungen entsprachen. So brachten die Jugendlichen Ideen zu Sport, Gesundheit, Mobilität, Zukunft, Umwelt und Klimaschutz usw. ein. Unter anderem gab es Vorschläge für bessere Busfahrpläne, versperrbare Rad-Boxen an Bahnhöfen und mehr digitale Grundbildungs-Schulstunden. KiJuKU traf zwei Teilnehmer:innen aus dem Gymnasium im Stift Seitenstetten – einen eigenen Beitrag dazu finden Sie hier.
Bei der Vollversammlung der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach, die KiJuKU im Mai 2026 besuchen durfte, spielten neben Berichten über den Friedenslauf und das Friedensgebet sowie den Frühjahrsputz in der und rund um die Schule, wichtige Neuerungen im Straßenverkehr (Helmpflicht für e-Scooter) und den damals bevorstehenden Eurovision Song Contest mit „Tanzschein“-Performance auch die Präsentation des Projekts „Soziale Verantwortung“ eine große Rolle. Jedes Jahr engagieren sich die Schülerinnen und Schüler 18 Stunden lang bei einer oder mehreren sozialen Einrichtungen, um tatkräftig mitzuhelfen. In diesem Schuljahr war es vor allem die „Tafel“ des lokalen Roten Kreuzes- einen Bericht über die Schulvollversammlung mit weiterführenden Interviews finden Sie hier
Die ungekürzte Originalversion des Artikels finden Sie auf der Website von Heinz Wagner Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… (KiJuKU).