Genf/Wien – Dies ist eine Zusammenfassung der Aussagen des UNICEF-Sprechers James Elder, dem zitierte Passagen zugeschrieben werden können – bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf.
„Heute weitet UNICEF das Bildungsangebot in Gaza im Rahmen einer der größten Bildungsnotfallmaßnahmen weltweit erheblich aus. Unser Programm Back to Learning wird auf 336.000 Kinder ausgeweitet.
Dies ist kein ‚Nice-to-have‘. Es ist ein Notfall.
Fast zweieinhalb Jahre von Angriffen auf das Bildungssystem Gazas haben eine gesamte Generation in Gefahr gebracht. 60 % der schulpflichtigen Kinder in Gaza haben derzeit keinen Zugang zu Präsenzunterricht. Mehr als 90 % der Schulen wurden beschädigt oder zerstört. Und über 335.000 Kinder unter fünf Jahren sind inzwischen von schweren Entwicklungsverzögerungen bedroht, weil die frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangebote zusammengebrochen sind.
Vor diesem Krieg gehörten die Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza zu den Bevölkerungen mit den höchsten Alphabetisierungsraten weltweit. Bildung war über Generationen hinweg eine Quelle von Stolz, Resilienz und Fortschritt. Heute steht dieses Erbe unter Beschuss: Schulen, Universitäten und Bibliotheken wurden zerstört, jahrelange Fortschritte ausgelöscht.
Dies ist nicht nur physische Zerstörung, es ist ein Angriff auf die Zukunft selbst. Denn jedes Kind, dem Bildung verwehrt wird, ist eine künftige Ingenieurin, ein Arzt, eine Lehrerin oder ein Denker, der uns genommen wird, noch bevor er oder sie die Chance hatte, die eigene Welt mitzugestalten. Nach diesem brutalen Krieg muss der Wiederaufbau von Schulen, Bildungseinrichtungen und Universitäten ganz oben auf der Agenda für den Wiederaufbau Gazas stehen. Bildung wiederherzustellen heißt, Möglichkeiten wiederherzustellen.
Heute startet UNICEF gemeinsam mit Bildungspartnern in Gaza und dem palästinensischen Bildungsministerium Back to Learning, um Hunderttausenden Kindern den Zugang zu Bildung zurückzugeben. Unser Ansatz ist einfach:
Wir erweitern ein Netzwerk nicht-formaler Lernzentren, die auch für andere Dienstleistungen verwendet werden können.
Wir verbinden Bildungsangebote mit psychosozialer und psychischer Unterstützung.
Und wir verankern starke Governance-Strukturen und sorgfältige Prüfmechanismen in einem der komplexesten Einsatzumfelder der Welt.
Wir arbeiten mit dem Bildungsministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde, UNRWA und allen Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass alle Kinder so schnell wie möglich in eine sichere Lernumgebung zurückkehren können. UNICEF unterstützt derzeit mehr als 100 Lernorte in ganz Gaza. Sie geben Kindern einen Ort zum Lesen, Schreiben und zum Aufbau grundlegender mathematischer Fähigkeiten – aber ebenso wichtig: einen Ort zum Spielen, Durchatmen und um sich wieder als Mensch zu fühlen, eingebettet in Aktivitäten und Angebote zur psychischen Gesundheit.
Manche fragen: Warum konzentriert man sich auf Bildung, wenn Familien noch immer um Nahrung, Wasser und Unterkunft kämpfen? Erstens: Das ist kein Entweder-oder. UNICEF hat beispielsweise eine Million Thermodecken verteilt, Hunderttausende Winterkleidungspakete geliefert, mehr als 70 Ernährungszentren in ganz Gaza eröffnet, während unsere Arbeit zur Wiederinbetriebnahme von Wasser- und Abwasseranlagen weiterhin eine zentrale Intervention bleibt.
Und zweitens: Weil Lernen in Gaza lebensrettend ist. Diese Zentren bieten sichere Räume in einem Gebiet, das oft unzugänglich und gefährlich ist. Sie vermitteln lebenswichtige Informationen. Sie stellen Routinen wieder her. Sie verbinden Kinder mit Gesundheits-, Ernährungs- und Schutzdiensten. Diese UNICEF-Lernräume verfügen außerdem über funktionierende Toiletten und Möglichkeiten zum Händewaschen – etwas, das viel zu vielen Kindern in Notunterkünften schlicht fehlt.
Und machen wir uns nichts vor: Die Nachfrage ist überwältigend. Jedes bestehende Lernzentrum hat lange Wartelisten. Gemeinschaften richten eigene improvisierte Klassenzimmer in Zelten und beschädigten Gebäuden ein. Eltern flehen um Plätze. Kinder kommen trotzdem.
Während die Welt darüber spricht, wie Gaza sich erholen und wiederaufbauen kann, ist UNICEF klar: Kinder müssen im Zentrum jedes Plans stehen. Fast die Hälfte der Bevölkerung Gazas ist unter 18 Jahre alt. Ein Kind ein Jahr lang in einem UNICEF-Lernzentrum zu unterstützen kostet etwa 280 US-Dollar, inklusive psychosozialer Betreuung. Um 336.000 schulpflichtige Kinder für den Rest dieses Jahres zu erreichen, benötigt UNICEF dringend 86 Millionen US-Dollar. (86 Millionen US-Dollar entsprechen in etwa dem Betrag, den die Welt in ein oder zwei Stunden für Kaffee ausgibt.)
Gaza verfügt über eine der stärksten Alphabetisierungstraditionen der Welt. Die Ingenieurinnen, die Wassersysteme wiederaufbauen werden, die Ärzte, die Leben retten, die Lehrkräfte, die die nächste Generation stabilisieren – sie alle stammen aus einer stolzen Lernkultur. Back to Learning geht daher nicht nur ums Überleben. Es geht darum, den Motor der Zukunft Gazas zu schützen. Und es ist eine Brücke – kein Ersatz – zur vollständigen Wiederherstellung der Schulen in Gaza, damit jedes Kind in eine formale Bildung und in eine echte Klassenzimmer-Zukunft zurückkehren kann. Im Moment geht es bei Back to Learning darum, diese Flamme am Leben zu halten – Kindern wieder Routine, Würde und Orientierung zu geben. So wird Hoffnung praktisch. So wird eine Zukunft wieder aufgebaut.“
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