Zahl der „Null-Dosis-Kinder“ sank im vergangenen Jahr um fast 750.000, doch die Zahl der Impfabbrüche bleibt hoch und stagniert, wodurch das Risiko von Krankheitsausbrüchen steigt. In Österreich zeigt sich eine stabile bzw. leicht verbesserte Impfquote.
Genf/New York/Wien – Im Jahr 2025 erhielten weltweit 90 Prozent der Säuglinge – das sind nahezu 116 Millionen Kinder – mindestens eine Dosis eines Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis (Keuchhusten, DTP). 85 Prozent bzw. 110 Millionen Kinder schlossen die vollständige Impfserie mit drei Dosen ab. Dies geht aus den heute veröffentlichten jährlichen WHO-UNICEF-Schätzungen zur nationalen Durchimpfungsrate (WUENIC) hervor.
Obwohl beide Kennzahlen gegenüber dem Vorjahr um einen Prozentpunkt gestiegen sind, liegt die weltweite Impfquote weiterhin einen Prozentpunkt unter dem Niveau von 2019 und bewegt sich seit 2009 innerhalb derselben engen Schwankungsbreite.
Den Daten zufolge erhielten im Jahr 2025 schätzungsweise 13,5 Millionen sogenannte „Null-Dosis-Kinder“ in ihrem ersten Lebensjahr keine einzige Impfung. Das entspricht zwar einem Rückgang um nahezu 750.000 Kinder gegenüber dem Vorjahr, doch dieser Fortschritt wird durch die steigende Zahl von Kindern abgeschwächt, die zwar mit dem Impfplan beginnen, ihn jedoch nicht abschließen. Die meisten dieser Kinder leben in Ländern, deren nationale Impfprogramme von Gavi, der Impfallianz, unterstützt werden.
Weltweit wird geschätzt, dass 7,3 Millionen Säuglinge ihre erste DTP-Impfung erhalten haben, jedoch vor der ersten Masernimpfung aus dem Impfprogramm ausschieden. Diese hohe Abbruchquote trug dazu bei, dass die Masernimpfraten stagnierten: 84 Prozent der Kinder erhielten die erste Masernimpfung (MCV1), und 77 Prozent die zweite Dosis (MCV2). Beide Werte liegen deutlich unter der 95-Prozent-Schwelle, die erforderlich ist, um Ausbrüche dieses hoch ansteckenden Virus zu verhindern. In der Folge meldeten 57 Länder im Jahr 2025 größere oder besonders störende Masernausbrüche.
„Regierungen und Gesundheitsfachkräfte haben dazu beigetragen, dass sich die weltweiten Impfquoten nach ihrem drastischen Rückgang während der COVID-19-Pandemie wieder erholen konnten“, sagte Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Doch Millionen gefährdeter Kinder bleiben aufgrund von Konflikten, Vertreibung und Armut weiterhin ungeschützt. Wir müssen jedes Kind erreichen, und wir müssen dort Vertrauen wiederaufbauen, wo es verloren geht. Kein Kind sollte an einer Krankheit leiden, die durch eine einfache Impfung verhindert werden kann.“
Daten aus 195 Ländern zeigen, dass 100 Länder seit 2019 eine Impfquote von mindestens 90 Prozent bei den drei DTP-Dosen aufrechterhalten haben. Gleichzeitig wurden jedoch nur geringe Fortschritte bei der Ausweitung dieser Ländergruppe erzielt. Von den Ländern, die 2019 noch unter einer Impfquote von 90 Prozent lagen, konnten 30 Länder ihre Werte in den vergangenen sechs Jahren verbessern. 65 Länder hingegen stagnieren oder fallen zurück, darunter 13 fragile, konfliktbetroffene oder besonders verwundbare Staaten (FCV).
Im Vergleich zu ihren Ausgangswerten von 2019 haben die Regionen Amerika und Südostasien nicht nur das Vorkrisenniveau wieder erreicht, sondern ihre Leistungen sogar verbessert. Südostasien weist inzwischen die höchsten Impfquoten aller WHO-Regionen auf. Während die Regionen Afrika, Östlicher Mittelmeerraum und Europa im vergangenen Jahr Fortschritte verzeichneten, liegen ihre Impfquoten weiterhin unter dem Niveau vor der COVID-19-Pandemie. Im Gegensatz dazu verzeichnete die Region Westlicher Pazifik einen Rückgang und liegt damit am weitesten unter ihrem Ausgangsniveau von 2019.
Hinter diesen globalen und regionalen Durchschnittswerten stehen anhaltende Risiken, die auf Länderebene zu erheblichen Unterschieden und Schwankungen bei den Impfquoten führen.
Die Impfquote leidet in fragilen und konfliktbetroffenen Regionen
Mehr als die Hälfte aller Null-Dosis-Kinder lebt in fragilen und konfliktbetroffenen Umgebungen, obwohl dort nur etwa ein Drittel der weltweiten Kinderbevölkerung lebt. In diesen Ländern werden Impfprogramme häufig durch politische Instabilität, Unsicherheit oder chronische Unterfinanzierung belastet. So verlor beispielsweise Syrien innerhalb eines Jahres 6 Prozentpunkte bei der DTP1-Impfquote und 12 Prozentpunkte bei der MCV1-Impfquote. Sudan hingegen erzielte im vergangenen Jahr den weltweit größten Zuwachs in einem einzelnen Land: Die DTP1-Impfquote stieg um 35 Prozentpunkte, die MCV1-Quote um 22 Prozentpunkte. Dies verdeutlicht, was möglich ist, wenn sich der Zugang zu Gesundheitsdiensten verbessert – selbst inmitten anhaltender Konflikte.
In Ländern mit mittlerem und hohem Einkommen sinken die Impfquoten hingegen auch dort, wo Impfstoffe vollständig verfügbar sind. Gründe hierfür sind unter anderem ein nachlassendes politisches Engagement, strukturelle Herausforderungen oder eine zunehmende Impfskepsis. So ist die DTP1-Impfquote in Südafrika seit 2019 um 20 Prozentpunkte gesunken und ging auch 2025 weiter zurück. Nachdem Bosnien und Herzegowina 2024 den größten Anstieg der MCV1-Impfquote in seiner Region verzeichnet hatte, fiel diese im vergangenen Jahr wieder um 23 Prozentpunkte.
„Jedes Kind – unabhängig davon, ob es in Wohlstand oder Armut, in Frieden oder Konflikt geboren wird – verdient den lebensrettenden Schutz, den Impfungen bieten. Immunisierung ist eine der kosteneffektivsten, gerechtesten und verlässlichsten Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und des Wohlergehens von Kindern“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. „Unsere größte Sicherheit beginnt damit, sicherzustellen, dass alle Menschen – unabhängig davon, wo sie leben – vor tödlichen Krankheiten geschützt sind, die durch Impfstoffe verhindert werden können.“
In den vergangenen 25 Jahren haben kontinuierliche Investitionen von Regierungen und Partnern, das Engagement von Gemeinschaften, gestärkte Programme sowie ein breites öffentliches Vertrauen dazu beigetragen, die jährliche Zahl der Null-Dosis-Kinder um 40 Prozent zu senken. In den von Gavi unterstützten Ländern sind Kinder heute beispielsweise gegen mehr Krankheiten geschützt als je zuvor. Die durchschnittliche Abdeckung aller von der WHO empfohlenen Impfungen liegt dort inzwischen bei 74 Prozent.
„Die historischen Fortschritte bei der Immunisierung in Ländern mit niedrigem Einkommen zeigen, was erreicht werden kann, wenn alle Beteiligten gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten“, sagte Dr. Sania Nishtar, CEO von Gavi, der Impfallianz. „Da Gavi nun in eine neue Fünfjahresperiode eintritt, besteht unsere große Herausforderung darin, diesen Schwung trotz finanzieller Einschränkungen, geopolitischer Unsicherheiten und zunehmender Ausbrüche aufrechtzuerhalten – und gleichzeitig noch stärker daran zu arbeiten, jene Kinder zu erreichen, die bislang keinen Zugang zu Impfungen haben.“
Die Grundlagen, die diese Fortschritte ermöglicht haben, stehen jedoch inzwischen unter erheblichem Druck. Die vollständigen Auswirkungen der in den vergangenen zwei Jahren angekündigten Kürzungen der internationalen Gesundheitsfinanzierung spiegeln sich zwar noch nicht in diesen Schätzungen wider, doch bereits die Datensysteme, die nötig sind, um diese Auswirkungen zu überwachen und Rückschritte zu verhindern, zeigen deutliche Belastungserscheinungen.
Den Daten zufolge wurden in dieser Berichtsrunde lediglich 18 nationale Immunisierungserhebungen durchgeführt und eingereicht – gegenüber 50 Erhebungen im Jahr 2024 und einem Durchschnitt von 33 Erhebungen pro Jahr zwischen 2015 und 2019. Nach Auffassung der Organisationen werden sinkende Investitionen in die Datensysteme, die erforderlich sind, um ungeimpfte Kinder zu identifizieren und zu erreichen, zu Krankheitsausbrüchen und vermeidbaren Todesfällen führen.
WHO und UNICEF arbeiten gemeinsam mit Gavi, der Impfallianz, und weiteren Partnern daran, die Ziele der Immunisierungsagenda 2030 (IA2030) zu erreichen, damit Impfstoffe jeden Menschen überall und in jedem Lebensalter erreichen. Dennoch entfernt sich die Welt derzeit weiter vom globalen Ziel, die Zahl der Null-Dosis-Kinder deutlich zu senken.
Um diesen Kurs dringend zu korrigieren und die bestehende Lücke zu schließen, rufen WHO und UNICEF Regierungen sowie relevante Partner dazu auf:
- Die Immunisierung in konfliktbetroffenen und fragilen Kontexten zu stärken, um Kinder zu erreichen und dauerhaft im Impfprogramm zu halten.
- Falschen und irreführenden Gesundheitsinformationen entgegenzutreten und Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft umfassend zu unterstützen.
- Die nationale und internationale Finanzierung von Impfprogrammen und Impfpartnerschaften – einschließlich Gavi – zu erhöhen und langfristig zu sichern.
- In leistungsfähigere Daten- und Krankheitsüberwachungssysteme zu investieren, um wirkungsvolle Maßnahmen zur Stärkung von Impfprogrammen gezielt zu steuern und zu unterstützen.
Die Impfquote in Österreich
Die WHO-UNICEF-Schätzungen für Österreich zeigen im Jahr 2025 insgesamt eine stabile bis leicht verbesserte Impfquote bei den meisten Standardimpfungen im Kindesalter. Besonders positiv ist, dass die erste Masernimpfung (MCV1) mit 95 Prozent wieder die von der WHO angestrebte Durchimpfungsrate erreicht. Auch die erste DTP-Impfung und die erste Polioimpfung liegen jeweils bei 95 Prozent.
Deutlich kritischer ist jedoch die Situation bei den vollständigen Impfserien. Die Durchimpfungsrate für die dritte DTP-Dosis, die dritte Hepatitis-B-Dosis, die dritte Hib-Dosis sowie den Abschluss der Polio-Grundimmunisierung liegt jeweils nur bei 88 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass viele Kinder zwar mit der Impfserie beginnen, diese aber nicht vollständig abschließen.
Besonders problematisch bleibt die zweite Masernimpfung. Mit einer Quote von 84 Prozent liegt Österreich weiterhin deutlich unter den 95 Prozent, die für einen nachhaltigen Schutz vor Masernausbrüchen und die Elimination der Krankheit notwendig wären. Die Rotavirus-Impfung weist mit lediglich 61 Prozent die niedrigste Abdeckung aller erfassten Kinderimpfungen auf und stagniert seit Jahren.
Insgesamt zeigt sich damit ein gemischtes Bild: Österreich erreicht bei den Erstimpfungen überwiegend hohe Werte, hat aber weiterhin Herausforderungen bei der vollständigen Durchführung von Impfserien und insbesondere bei der zweiten Masernimpfung.
Hinweise für Redaktionen
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WHO-Daten:
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UNICEF-Daten:
Übersichtsseite, komplette Datensets, Datenvisualisierungen, visualisierte Regionaldaten, Länderpriofile.
Die WUENIC-Schätzungen einschließlich der historischen Daten werden jährlich aktualisiert, sobald neue nationale Daten verfügbar werden. Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Zahlen sollten daher nicht mit den in Berichten früherer Jahre veröffentlichten Werten verglichen werden.
Die auf von den Ländern gemeldeten Daten basierenden WHO- und UNICEF-Schätzungen zur nationalen Durchimpfungsrate (WUENIC) bilden den weltweit größten und umfassendsten Datensatz zu Impftrends. Er umfasst Impfungen gegen 13 Krankheiten, die im Rahmen der regulären Gesundheitsversorgung verabreicht werden – üblicherweise in Gesundheitszentren, Gemeindezentren, durch mobile Impfangebote oder bei Hausbesuchen von Gesundheitsfachkräften.
Für das Berichtsjahr 2025 wurden Daten aus 185 Ländern bereitgestellt.
WHO und UNICEF arbeiten gemeinsam mit Gavi, der Impfallianz, sowie weiteren Partnern an der Umsetzung der globalen Immunisierungsagenda 2030 (IA2030). Dabei handelt es sich um eine Strategie, die alle Länder und relevanten internationalen Partner dabei unterstützen soll, festgelegte Ziele zur Prävention von Krankheiten durch Impfungen zu erreichen und sicherzustellen, dass Impfstoffe jeden Menschen, überall und in jedem Lebensalter erreichen.