Jugendliche am Wort – Round Table zu Social Media Verbot mit UNICEF Österreich Jugendbeirat und Vizekanzler und Bundesminister, Andreas Babler.
Heute fand im Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport ein Roundtable mit Jugendlichen und dem Vizekanzler Andreas Babler statt, um über das geplante Vorhaben Social Media für unter 14-jährige zu beschränken zu sprechen.
Das Ziel der Veranstaltung war es, die Perspektiven und Meinungen junger Menschen zum Social Media-Verbot einzuholen und zu erfragen, welche weiteren Rahmenbedingungen notwendig sind, damit eine sichere und kindgerechte Teilhabe im digitalen Raum ermöglicht werden kann.
Simon und Sarah, UNICEF Österreich Jugendbeiratsmitglieder, stellten in ihren Statements klar, dass der digitale Raum viele Chancen für Kinder und Jugendliche ermöglicht, er aber auch einige Risiken birgt. Dabei erwähnen sie die Gefahren, wie Gewalt im Netz, süchtig machende Funktionen und Algorithmen sowie Fake News, die zur Desinformation beitragen: „Beispielsweise werden immer wieder mit KI Videos erstellt, in denen angesehene Personen, wie Wissenschaftler:innen oder Politiker:innen Dinge sagen, die sie so nie gesagt haben. Diese Videos werden zigmal geteilt, bevor sie als ‚fake‘ identifiziert werden und so können Falschinformation und radikale Ansichten leicht verbreitet werden.“
Sie stellen klar, dass es mehr als ein Social Media-Verbot braucht, um Kinder und Jugendliche vor Gefahren zu schützen, und fordern von der Politik und Plattformbetreibern Verantwortung zu übernehmen und in Datenschutz, zum Beispiel bei der Altersverifikation, in die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, bei der Erarbeitung von sicheren und kindgerechten Maßnahmen sowie in mehr Bildungsangebote für Kinder, Pädagog:innen und Eltern zu investieren.
„Von der Schule erwarten Jugendliche, was eigentlich längst überfällig ist – echte Medienkompetenz. Nicht ein Vortrag pro Jahr. Nicht eine Unterrichtseinheit mit veralteten Folien. Sondern Medienkompetenz klar definiert im Lehrplan – beginnend in der Volksschule, praxisnah vermittelt, laufend aktualisiert. Lehrkräfte brauchen dafür Fortbildungen und aktuelle Materialien. Und Eltern dürfen in dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden – auch sie brauchen Unterstützungsangebote, um ihre Kinder begleiten zu können.“, so Simon, UNICEF Österreich Jugendbeiratsmitglied.
Neben dem digitalen Raum, der sicherer und kindgerechter gestaltet werden soll, fordern die Jugendlichen auch Investitionen in jene „analogen Räume“, in denen sich Kinder und Jugendliche täglich bewegen. Wie wichtig insbesondere sichere digitale Umgebungen sind, bringen Sarah und Simon aus dem Jugendbeirat abschließend eindrucksvoll auf den Punkt:
Simon: „Digitale Teilhabe ist kein Luxus. Sie entscheidet über Bildungschancen, Informationszugang und gesellschaftliche Mitsprache. Ein pauschales Verbot bekämpft nicht die Ursachen digitaler Gefahren – es schiebt sie nur auf. Wer mit 13 keinen Zugang hat und mit 14 plötzlich schon, steht denselben Risiken gegenüber, nur später und ohne Vorbereitung“. Sarah: „Mein Wunsch ist, dass digitale Räume in Zukunft Orte sind, an denen Kinder und Jugendliche sicher aufwachsen, lernen und sich entfalten können. Sie sollen sich dort frei bewegen können, geschützt vor Gefahren und unterstützt in ihrer Entwicklung zu kritisch-denkenden, verantwortungsvollen Menschen.“
Vizekanzler, Andreas Babler antwortete auf die dringenden Anliegen der Jugendlichen: „Das Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige kommt. Die Plattformen werden es umsetzen müssen. Aber damit allein ist es nicht getan. Viele Jugendliche erleben heute einen enormen sozialen und psychischen Druck durch Plattformmechanismen, ständige Erreichbarkeit und digitale Dauerpräsenz. Deshalb ist es wichtig, den Jugendlichen selbst zuzuhören. Sie sind die Expertinnen und Experten der digitalen Lebenswelt. Die Erfahrungen und Perspektiven, die heute eingebracht wurden, werden in die weiteren politischen Diskussionen einfließen.”
UNICEF Österreich fordert Kinder und Jugendliche strukturell einzubeziehen
„Round Tables wie dieser sind ein wichtiger erster Schritt für mehr Kinder- und Jugendpartizipation bei der Erarbeitung von kindgerechten Maßnahmen im digitalen Raum – Kinder haben das Recht gehört und einbezogen zu werden“, so Christoph Jünger, Geschäftsführer UNICEF Österreich.
„Kinder und Jugendliche sind Expert:innen ihrer eigenen Lebensrealität. Ihre Meinungen und Erfahrungen können durch Studien und Fokusgruppeninterviews erfragt werden. „Für eine gelungene kindgerechte Gestaltung des digitalen Raums müssen Kinder strukturell und regelmäßig in Gremien und Expert:innengruppen eingebunden werden. Neben der Umsetzung des Rechts auf Partizipation werden so Maßnahmen, die gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitet werden, eher von ihnen angenommen“, so Klara Krgović-Baroian, Stv. Leitung Advocacy und Kinderrechte.
UNICEF Österreich setzte sich im Rahmen der Kampagne „Online sicher – für jedes Kind“ für die Einhaltung der Kinderrechte im digitalen Raum ein. Dabei spielt auch die Sichtweise von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle.
Der UNICEF Österreich Jugendbeirat widmet sich im Rahmen der Kampagne ebenfalls dem Thema „digitaler Kinderschutz“ und hat ein Forderungspapier erarbeitet, welches hier nachgelesen werden kann.
Der UNICEF Österreich Jugendbeirat empfiehlt sechs erste Schritte für digitalen Kinderschutz:
- Kindgerechte KI: Verpflichtende Transparenz und rechtliche Haftung der Konzerne für Schäden durch KI-Systeme
- Plattform-Verantwortung: Einstufung von Plattformen als Medienhäuser mit Haftung für Algorithmen und klare Grenzen für manipulative Reichweitenmechanismen
- Durchsetzung von Kinderrechten: Verbindliche ethische Leitlinien und angemessene, gewinnorientierte Strafen bei Verstößen im digitalen Raum
- Angepasster Bildungsauftrag: Realitätsnahe Fortbildungen für Lehrkräfte, gesellschaftliche Aufklärung und ein Unterricht, der dem Bildungsauftrag des § 2 SchOG gerecht wird.
- Echte Jugendbeteiligung: Strukturelle Verankerung und tatsächliche politische Beteiligung von Kindern- und Jugendlichen sowie Jugendvertretungen in Beteiligungsprozessen
- Gegen Ungleichheit: Konkrete Fahrpläne, Zwischenziele und Maßnahmen gegen digitale Ungleichheit und strukturelle Benachteiligung.
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