New York/Wien – „Während Länder zum International Migration Review Forum zusammenkommen, steht die Welt an einem globalen Wendepunkt hinsichtlich der Auswirkungen von Migrationssystemen auf Kinder. Weltweit verändern neue Gesetze, Durchsetzungspraktiken und bilaterale Vereinbarungen die Situation derzeit rasant.

Was auf dem Spiel steht, ist von grundlegender Bedeutung: ob Kinder auf Systeme treffen, die ihre Rechte und ihr Kindeswohl wahren, oder ob sie Gefahr laufen, Schaden zu erleiden, von ihren Familien getrennt zu werden und einen eingeschränkten Zugang zu Schutz zu haben.

Es ist unerlässlich, ein zentrales Prinzip zu bekräftigen: Der Schutz von Kindern und das Management von Migration sind keine konkurrierenden Ziele. Migrationssteuerung, Strafverfolgung und Kinderschutz ergänzen sich gegenseitig und verstärken einander, wenn sie auf internationalen Standards und praktischen Schutzmechanismen beruhen. Wirksames Migrationsmanagement kann und muss mit Maßnahmen einhergehen, die die Sicherheit, Würde und Zukunft von Kindern schützen.

Wir fordern die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, sicherzustellen, dass Migrationspolitiken drei kinderzentrierte Prioritäten wahren:

  1. Beendigung der Inhaftierung von Kindern im Kontext von Migration und Anwendung von Alternativen für Kinder und Familien.
    Inhaftierung liegt niemals im besten Interesse eines Kindes. Die Staaten sind aufgefordert, Alternativen anzuwenden, die es Kindern und Familien ermöglichen, mit fallbezogener Betreuung gemeinsam in der Gemeinschaft zu bleiben, während ihre migrations- oder asylrechtlichen Verfahren bearbeitet werden. Solche Alternativen sind sicherer, humaner und kosteneffizienter und ermöglichen es den Behörden gleichzeitig, Verfahren geordnet zu bearbeiten.
  2. Durchführung von Durchsetzungsmaßnahmen fern von Orten, die sichere und geschützte Räume für Kinder bleiben müssen. Kinder und ihre Familien müssen Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und Schutzdiensten haben, ohne Angst haben zu müssen. Migrationsdurchsetzungsmaßnahmen in oder rund um Schulen, Krankenhäuser und andere Gemeinschaftsräume gefährden Kinder und untergraben den Zugang zu diesen Dienstleistungen. Kinder dürfen niemals gezielt angesprochen, aufgegriffen oder Durchsetzungsmaßnahmen an Orten ausgesetzt werden, die als sicher und schützend gedacht sind.
  3. Priorisierung der Familieneinheit und Sicherstellung rascher, ausreichend ausgestatteter Wege zur Familienzusammenführung. Die Trennung von Familien hat verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit, Stabilität und Entwicklung von Kindern. Proaktive Maßnahmen zur Verhinderung von Familientrennungen sind möglich, wenn Behörden über Ressorts und Zuständigkeitsgrenzen hinweg koordiniert zusammenarbeiten. Kommt es dennoch zu einer Trennung, können eine rasche Identifizierung, Rückverfolgung und Zusammenführung die Risiken von Ausbeutung, Belastung und langanhaltender Unsicherheit verringern und Familien ermöglichen, schnell wiedervereint zu werden, sei es im selben Land oder über Grenzen hinweg. Wenn es dem Kindeswohl entspricht, sollte eine Zusammenführung mit der Familie in einem anderen Land von Fallmanagement und Unterstützung bei der Reintegration begleitet werden.

Kinder überschreiten aus komplexen Gründen Grenzen, aufgrund von Konflikten, Armut, Familienzusammenführung oder anderen Bedürfnissen. Die Wahrung ihrer Rechte ist kein Hindernis für eine wirksame Migrationssteuerung; sie ist vielmehr die Grundlage für Politiken, die menschlich, rechtmäßig und nachhaltig sind. UNICEF ruft alle Mitgliedstaaten dazu auf, konkrete Zusagen zum Schutz von Kindern im Kontext von Migration zu machen und durch die Integration von Kinderrechten in Migrationspolitiken und Grenzmanagement-rahmen aufzuzeigen, dass Migration so gesteuert werden kann, dass Kinder geschützt werden.“

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