Nach drei Jahren Krieg tragen Kinder weiterhin die höchste Last. Drohnenangriffe machen in diesem Jahr fast 80 % aller Tötungen und Verletzungen aus.
New York/Port Sudan/Wien – Während der Konflikt im Sudan in sein drittes Jahr geht, zahlen Kinder weiterhin den höchsten Preis. Zwischen Jänner und März dieses Jahres wurden landesweit mindestens 160 Kinder getötet und 85 verstümmelt, ein Anstieg von 50 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025. Die meisten Opfer wurden in Darfur und den Kordofan-Bundesstaaten verzeichnet, wo die anhaltende Gewalt Gemeinschaften an den Rand des Zusammenbruchs bringt.
Drei Jahre ununterbrochener Konflikt haben mehr als fünf Millionen Kinder vertrieben – oft wiederholt –, da sich Frontlinien verschieben und sich die Gewalt weiter ausbreitet.
„Seit drei Jahren werden Kinder im gesamten Sudan in erschreckendem Ausmaß getötet, verletzt und vertrieben“, sagte Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Ihre Häuser, Schulen und Krankenhäuser werden weiterhin angegriffen. Gewalt gegen Kinder ist durch nichts zu rechtfertigen. Sie stellt ein kollektives Versagen der Konfliktparteien dar, die grundlegendsten Rechte von Kindern zu schützen.“
In den am stärksten betroffenen Gebieten zerstören anhaltende Angriffe weiterhin Häuser, Schulen, Märkte und Krankenhäuser. Neue Formen der Kriegsführung erweisen sich als besonders schädlich: 78 % der gemeldeten Kinderopfer gehen auf Drohnenangriffe zurück.
Seit Beginn des Krieges haben die Vereinten Nationen im gesamten Sudan mehr als 5.700 schwere Verletzungen der Kinderrechte* verifiziert, die mindestens 5.100 Kinder betreffen, über 4.300 von ihnen wurden getötet oder verstümmelt. Auch hier verzeichnen Darfur und Kordofan die höchsten Zahlen an Kinderopfern. Das tatsächliche Ausmaß ist weitaus größer, doch Unsicherheit und eingeschränkter Zugang zu betroffenen Gebieten behindern eine kontinuierliche Überwachung und Verifizierung.
Familien leben unter überfüllten und fragilen Bedingungen, während grundlegende Dienstleistungen bis an ihre Belastungsgrenze strapaziert sind. Große Teile des Sudans sind aufgrund von Unsicherheit, zerstörter Infrastruktur und administrativen Einschränkungen weiterhin von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Besonders gravierend sind die Zugangsprobleme in Darfur, Kordofan und Teilen des Blauen Nils, wodurch viele der am stärksten gefährdeten Kinder unerreichbar bleiben.
Erhöhtes Risiko für Hungersnot in Teilen des Sudans
Hunger, Krankheiten und das Risiko einer Hungersnot breiten sich aus – verursacht durch Gewalt, wiederholte Vertreibung und massive Einschränkungen des humanitären Zugangs. Während Familien fliehen, brechen Lebensgrundlagen weg, Märkte kollabieren und grundlegende Dienstleistungen versagen zunehmend. Eine Hungersnot wurde bereits in Al Fasher und Kadugli bestätigt, mit steigender Ausbreitungsgefahr in Um Baru und Kernoi.
Die alarmierenden Auswirkungen zeigen sich auch in der Zahl mangelernährter Kinder. Landesweit wird erwartet, dass im Jahr 2026 rund 4,2 Millionen Kinder im Sudan an akuter Mangelernährung leiden werden, darunter mehr als 825.000 Fälle schwerer akuter Mangelernährung – die ohne dringend notwendige Behandlung tödlich verlaufen kann.
Die Folgen des Krieges für das Recht der Kinder auf Bildung sind äußerst besorgniserregend. Mehr als ein Drittel der Schulen im Sudan ist geschlossen, weitere 11 % werden als Notunterkünfte genutzt oder Berichten zufolge von Konfliktparteien besetzt. Damit wird fast die Hälfte aller Schulgebäude nicht mehr als Klassenräume verwendet. Aktuell sind mindestens 8 Millionen Kinder im Sudan ohne Schulzugang.
Trotz Unsicherheit und Zugangsbeschränkungen erbringt UNICEF weiterhin lebensrettende Leistungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasser, Kinderschutz und Bildung im ganzen Sudan. Die humanitäre Antwort gerät jedoch zunehmend unter Druck.
Im Jahr 2026 benötigt UNICEF 962,9 Millionen US-Dollar, um 7,9 Millionen Kinder mit lebensrettender Hilfe zu erreichen. Bis März wurden lediglich 16 Prozent des erforderlichen Finanzierungsbedarfs gedeckt.
„Der Schutz von Kindern erfordert, dass alle Konfliktparteien schwere Verletzungen der Kinderrechte unverzüglich beenden und das Völkerrecht einhalten – einschließlich eines sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugangs im gesamten Land“, sagte Russell. „Wir sind den Geberinnen und Gebern dankbar, die unsere lebensrettende Arbeit unterstützen. Doch der humanitäre Bedarf übersteigt die verfügbaren Mittel bei Weitem, und wir appellieren dringend an die internationale Gemeinschaft, ihre Unterstützung zu verstärken. Wir dürfen nicht wegsehen vom Leid der Kinder im Sudan.“
Hinweise für Redaktionen
* Schwere Verletzungen der Kinderrechte umfassen: Tötung und Verstümmelung; Entführung; Rekrutierung und Einsatz; Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt; Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser; sowie die Verweigerung humanitären Zugangs.
Foto- und Videomaterial aus dem Sudan zur redaktionellen Nutzung.
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