Kinder im Niger mit UNICEF Schultaschen.

Erklärung von UNICEF‑Vizedirektor Ted Chaiban nach einem Besuch in Niger, Burkina Faso und Mali.

Dakar/New York/Wien – „Nach einem 14‑tägigen Besuch in der zentralen Sahelzone habe ich aus erster Hand eine Region erlebt, die reich an Möglichkeiten ist, jedoch fortwährend von Unsicherheit, Klimaschocks und sozioökonomischen Krisen betroffen ist.

Die Berichte über Gewalt in Mali in den vergangenen 24 Stunden sind ein weiteres eindringliches Beispiel und eine ernüchternde Erinnerung daran, dass solche Krisen in der Region eine fragile Lage für Kinder schaffen – einschließlich, tragischerweise, des Verlustes ihres Lebens.

In der gesamten zentralen Sahelzone sind nahezu 7,5 Millionen Kinder dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, ein Notstand, der nach wie vor viel zu wenig Aufmerksamkeit in der internationalen Gemeinschaft erhält.

Regierungsvertreter und -vertreterin, Gemeindevorsteherinnen und ‑vorsteher sowie Vertriebene in Niger, Burkina Faso und Mali, wo Gewalt und erzwungene Vertreibung das Leben von mehr als 3,6 Millionen Menschen zerstört haben, zeigen dennoch weiterhin Hoffnung. In vielen ländlichen Gebieten öffnen Märkte wieder, Gemeinschaften unterstützen sich gegenseitig, und Kinder spielen, während Familien und junge Menschen danach streben, ihre Würde und wirtschaftliche Eigenständigkeit zurückzugewinnen.

Ich traf mit entscheidenden Akteuren in allen drei Ländern zusammen, und die Behörden sind sich einig über die Bedeutung, in Humankapital zu investieren und den sozialen Zusammenhalt zu stärken – beides wesentliche Säulen für Stabilität und Entwicklung. Überall wird eine klare Ambition sichtbar: die nächste Generation in den Mittelpunkt der nationalen Politiken zu stellen. Ermutigt hat mich das starke Engagement der drei Regierungen, die Rechte jedes einzelnen Kindes voranzubringen und zu schützen.

So haben beispielsweise in Niger staatlich geführte Reformen die zivile Registrierung in mehr als der Hälfte der Gemeinden des Landes modernisiert. Dadurch stieg die Geburtenregistrierungsrate von 62 Prozent im Jahr 2023 auf 79 Prozent im Jahr 2025, und die digitale Personenstandsregistrierung wurde als zentraler Motor für Dezentralisierung und integrierte lokale Dienstleistungsangebote etabliert.

In Burkina Faso spiegelt sich dieses Engagement in der Zuweisung von rund 25 % des nationalen Haushalts für Bildung und beinahe 12 % für Gesundheit wider – ein bedeutender Einsatz zur Ausweitung grundlegender sozialer Dienstleistungen.

In Mali erreichte die nationale Impfquote im Jahr 2024 82 % und brachte das Land damit näher an das Ziel, jedes Kind mit lebensrettenden Impfstoffen zu schützen.

Diese Politiken und Verpflichtungen sind nicht nur gute Beispiele. Noch wichtiger ist, dass sie ihre volle Bedeutung entfalten, wenn wir die positiven Veränderungen im täglichen Leben der Kinder erleben, die es ihnen ermöglichen, trotz der Härten, denen sie ausgesetzt sind, weiter voranzugehen.

Der Kreislauf der Gewalt ist weiterhin auf gefährliche Weise präsent, und die Situation der Kinder ist besonders alarmierend. Die Vereinten Nationen haben mehr als 1.500 schwere Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, darunter Tötung, Entführung sowie Rekrutierung und Nutzung von Kindern durch bewaffnete Gruppen, während allein im Jahr 2025 mehr als 8.400 Schulen unzugänglich gemacht wurden. Der mangelnde Zugang zu Bildung und grundlegenden Dienstleistungen setzt Kinder Krankheiten und psychosozialem Leid aus und gefährdet ihre Chancen auf eine umfassende und gesunde Entwicklung. Kinder, die in Gewalt aufwachsen, sind keine tragfähige Grundlage für langfristige soziale Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum.

Alle Menschen, denen ich während meines Besuchs begegnet bin, teilten dieselbe Sorge: einen besseren Schutz für Kinder und Familien zu gewährleisten, den Frieden wiederherzustellen, den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung zu ermöglichen und eine sichere Rückkehr nach Hause zu garantieren.

Besonders ermutigt haben mich auch die UNICEF‑Teams vor Ort, die sich Tag für Tag dem Schutz der Rechte jedes Kindes verschreiben, insbesondere der am stärksten gefährdeten, in der gesamten Sahelzone. Selbstlos unterstützen sie Regierungen beim Ausbau von Systemen zur Erbringung sozialer Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Wasser, Bildung und Kinderschutz, stärken lokale Kapazitäten und helfen den Ländern, innovative Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme zu finden. Ich habe gesehen, dass unsere Reaktion dann am wirksamsten ist, wenn sie Widerstandsfähigkeit stärkt, indem sie lokale Systeme festigt, Gemeinschaften befähigt und eine inklusive Regierungsführung fördert – und dabei stets sicherstellt, dass die Stimmen der Kinder gehört und berücksichtigt werden.

Angesichts der Widerstandsfähigkeit der Kinder in der Sahelzone darf die Welt nicht wegsehen; es gibt noch immer Millionen von Kindern mit dringendem humanitärem Bedarf, der sofortiges Handeln erfordert. Ihre Widerstandsfähigkeit bedeutet nicht, dass es ihnen gut geht, noch darf sie als Vorwand für Untätigkeit missbraucht werden.“

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