Mangelernährung in Haiti: Neue nationale Ernährungserhebung zeigt Anstieg der akuten Mangelernährung bei Kindern seit 2023.
Port-au-Prince/New York/Wien – Laut den heute veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen der Nationalen Ernährungs-SMART-Erhebung 2026 leidet in Haiti etwa eines von dreizehn Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren an akuter Mangelernährung.
Die Prävalenz der globalen akuten Mangelernährung bei Kindern im Alter von 6 bis 59 Monaten in Haiti, definiert als mittelschwere oder schwere Auszehrung beziehungsweise ernährungsbedingte Ödeme, ist von 5,1 Prozent im Jahr 2023 auf 7,4 Prozent im Jahr 2026 gestiegen.
„Diese Ergebnisse werden vor dem Hintergrund anhaltender Unsicherheit, wirtschaftlicher Notlagen und humanitärer Bedürfnisse erhoben, die den Zugang von Familien zu ausreichend nahrhaften Lebensmitteln, Gesundheitsversorgung und Ernährungsdiensten weiterhin einschränken“, sagte Yannig Dussart, Stellvertretender UNICEF-Repräsentant in Haiti. „Die Prävention und Behandlung von Mangelernährung in Haiti erfordert dringendes Handeln und erhöhte Aufmerksamkeit aller relevanten Akteure, um sicherzustellen, dass Kinder Zugang zu den lebensrettenden Diensten erhalten, die sie benötigen.“
Akute Mangelernährung tritt auf, wenn Kinder nicht ausreichend nahrhafte Nahrung erhalten oder wiederholt erkranken. Ohne rechtzeitige Behandlung kann sie rasch lebensbedrohlich werden. Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung haben ein hohes Sterberisiko, insbesondere wenn gleichzeitig Krankheiten auftreten und der Zugang zu medizinischer Versorgung eingeschränkt ist.
Zwischen 2023 und 2025 haben sich schwere Verstöße gegen die Rechte von Kindern verdreifacht. Dazu zählen die Verwehrung des Zugangs zu humanitärer Unterstützung sowie Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser, in denen Kinder Ernährungsleistungen erhalten.
Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklungen bei der akuten Mangelernährung zeigt die Erhebung Fortschritte bei anderen Indikatoren. Die Prävalenz chronischer Mangelernährung beziehungsweise Wachstumsverzögerung (Stunting) bei Kindern unter fünf Jahren ging von 22,8 Prozent im Jahr 2023 auf 17,3 Prozent im Jahr 2026 zurück. Der Anteil der Kinder, die innerhalb kurzer Zeit nach der Geburt erstmals gestillt wurden, stieg von 48 Prozent im Jahr 2023 auf 68,0 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig erhöhte sich die Rate des ausschließlichen Stillens von 17,5 Prozent auf 33,0 Prozent.
UNICEF und seine Partner arbeiten gemeinsam mit dem Ministerium für öffentliche Gesundheit und Bevölkerung daran, die Untersuchung und Behandlung mangelernährter Kinder auszuweiten. Dies geschieht unter anderem durch Gemeindegesundheitshelfer*innen sowie mobile Teams, die in schwer zugänglichen und unsicheren Gebieten im Einsatz sind. Eine umfassendere Analyse der Erhebungsergebnisse in Verbindung mit der Integrierten Klassifikation der Ernährungssicherheit für akute Mangelernährung (IPC-AMN) wird im kommenden Monat erwartet und soll die humanitäre Hilfe sowie langfristige Entwicklungsmaßnahmen steuern.
Da sich die humanitäre Lage in Haiti weiter verschlechtert, ruft UNICEF dringend zu verstärkter Unterstützung auf, um die Finanzierungslücke von mehr als 64 Prozent für Ernährungsmaßnahmen im Rahmen seines Humanitarian Action for Children (HAC)-Aufrufs 2026 zu schließen. Nachhaltige Investitionen sind entscheidend, um akute Mangelernährung zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, die Versorgung mit gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung (Ready-to-Use Therapeutic Foods, RUTF) aufrechtzuerhalten und den Zugang gefährdeter Kinder und Frauen zu grundlegenden Ernährungsdiensten auszuweiten. Mit ausreichenden Ressourcen können UNICEF und seine Partner Leben retten, Kinder vor den verheerenden Folgen von Mangelernährung schützen und sicherstellen, dass diejenigen mit dem höchsten Risiko die dringend benötigte Betreuung und Unterstützung erhalten.
Weitere Informationen zur Arbeit von UNICEF in Haiti.
Hinweis für Redaktionen
Foto- und Videomaterial passend zum Thema sowie die SMART-Erhebung.
Die SMART-Erhebung 2026 liefert eine bevölkerungsbasierte Bewertung des Ernährungszustands von Kindern im Alter von 0 bis 59 Monaten sowie von Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren, die im Juli 2026 in den untersuchten Gebieten Haitis lebten. Die Erhebung untersuchte wichtige Faktoren im Zusammenhang mit der Ernährung von Kindern und Müttern, darunter Kinderkrankheiten, Ernährungspraktiken von Säuglingen und Kleinkindern, die Durchimpfungsrate gegen Masern und Röteln, Vitamin-A-Supplementierung, Entwurmungsmaßnahmen sowie das Inanspruchnahmeverhalten von Gesundheitsdiensten.
Die SMART-Erhebung ist eine standardisierte Methodik zur Messung des Ernährungszustands und liefert humanitären Organisationen verlässliche Daten zur Steuerung ihrer Hilfsmaßnahmen. Die Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf den Erhebungszeitraum und liefern keine Informationen über die Ernährungssituation vor oder nach diesem Zeitraum. Ebenso stellen sie keine national repräsentative Statistik für internationale Vergleiche dar.
Diese nationale Erhebung wurde vom Ministerium für öffentliche Gesundheit und Bevölkerung (MSPP) über die Koordinierungseinheit des Nationalen Programms für Ernährung und Nahrungsmittelversorgung (UCPNaNu) durchgeführt. Technische und finanzielle Unterstützung leistete UNICEF. Ermöglicht wurde dies durch die Unterstützung der Regierungen der Vereinigten Staaten, Kanadas sowie des Deutschen Komitees für UNICEF.*
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