Weltstillwoche 2019 – Stillen & familienfreundliche Politik

New York/Wien - Jedes Wunder beginnt klein - Von 1. bis 7. August findet auch heuer wieder die Weltstillwoche statt. Stillen ist ein wesentlicher Bestandteil davon, jedem Kind den gesündesten Start ins Leben zu bieten. Durch Vorteile für Kinder, Mütter und die gesamte Gesellschaft stärkt Stillen außerdem nationale Ökonomien. Aktuell werden weltweit 41% aller Kinder im Alter zw. 0 – 5 Monaten ausschließlich gestillt.

Mutter beim Stillen (Mexiko)

Mutter beim Stillen (Mexiko) ©UNICEF/UNI182998/Quintos

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Säuglinge sechs Monate lang ausschließlich gestillt werden und, dass sie bis zu zwei Jahre oder länger weiterhin Muttermilch bekommen. Doch heute werden nur noch 41% der Kinder weltweit unter sechs Monaten ausschließlich gestillt. Im Alter von zwei Jahren erhalten nur 45% überhaupt noch Muttermilch. Der weltweite Stillverband unter der Leitung von UNICEF und der WHO, eine Partnerschaft von mehr als 20 internationalen Vertretungen, hat das Ziel, durch die Einbindung von EntscheidungsträgerInnen und Zivilgesellschaft die Investitionen ins Stillen weltweit zu erhöhen. Im Rahmen der Weltstillwoche 2019 wird unter anderem auf die Wichtigkeit von bezahltem Mutterschutz, Zugang zu qualitativer Kinderbetreuung und Stillpausen aufmerksam gemacht.

Stillen ist ein wesentlicher Bestandteil davon, jedem Kind den gesündesten Start ins Leben zu bieten. Muttermilch ist der allererste Impfstoff für ein Baby, die beste Nahrungsquelle und kann die Gehirnentwicklung unterstützen. Stillen stärkt außerdem nationale Ökonomien. Eine höhere Stillrate kann den Wohlstand eines Landes vergrößern, indem Kosten für das Gesundheitswesen reduziert werden. Eine weltweit zunehmende Stillzeit würde mehr als 800.000 Kindertodesfälle pro Jahr verhindern, insbesondere solche, die mit Durchfall und Lungenentzündung verbunden sind. Außerdem könnten jährlich fast 100.000 Todesfälle von Müttern durch Krebs und Typ-II-Diabetes verhindert werden.

Einige wichtige Zahlen im Überblick

  • Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) empfiehlt Arbeitgebern, ein Minimum an 18 Wochen Mutterschaftsurlaub.
  • Nur 42 Länder (23 %) erfüllen oder übertreffen die Anforderungen der Empfehlung der ILO von 18 Wochen Urlaub. ILO Schätzungen zufolge arbeiten weltweit 830 Millionen weibliche Arbeitnehmer ohne ausreichenden Mutterschutz. Dies schränkt ihre Möglichkeiten zum Stillen und Pflegen ihrer Säuglinge im Rahmen der ersten Lebensmonate ein.
  • Längerer Mutterschaftsurlaub ist mit einer niedrigeren Säuglingssterblichkeit in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verbunden. Jeder zusätzliche Mutterschutzmonat reduziert die Kindersterblichkeit beinahe um acht von 1.000 Lebendgeburten.
  • Die Kosten des Nicht-Stillens sind beträchtlich, sowohl für die Kinder als auch die Staaten. Global gesehen wird der gesamte jährliche Wirtschaftsverlust durchs Nicht-Stillen auf zwischen 257 Milliarden bis 341 Milliarden US-Dollar geschätzt. Investitionen in die Ausweitung von Stillprogrammen sind daher ein wichtiger Aspekt für die Steigerung des Humankapitals und die Stärkung des Humankapitals von Volkswirtschaften auf der ganzen Welt.

Stillen ist aber nicht rein eine Aufgabe von Frauen alleine. Es bedarf Ermunterung und Unterstützung u.a. von professionellen BeraterInnen, Familienmitgliedern, ArbeitgeberInnen und EntscheidungsträgerInnen. Familienfreundliche Richtlinien gestalten den Arbeitsplatz der Zukunft neu – Strategien wie bezahlter Elternurlaub, Stillpausen, Vorteile für Kinder und leistbare, zugängliche und qualitative Kinderbetreuung sind für die Mehrheit der Eltern weltweit jedoch noch nicht verfügbar.

„Es gibt keine wichtigere Phase im Leben von Kindern als die allerersten Jahre”, sagt die geschäftsführende UNICEF Direktorin Henrietta Fore und betont weiters: „Aus diesem Grund bedarf es einer Umverteilung von Wirtschafts- und Regierungsinvestitionen in Politik, die […] auch die Eltern-Kind-Bindung fördert und somit enorme wirtschaftliche und soziale Vorteile mit sich bringen.“

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