Die humanitäre Krise im Jemen dauert an

Der Konflikt im Jemen bedeutet für die Kinder, die dort leben, die Hölle auf Erden. Über 24 Millionen Menschen – die Hälfte davon Kinder – benötigen dringend humanitäre Hilfe. Die Zerstörung der Infrastruktur hat die Grundversorgung lahm gelegt. Sie sind mit akutem Nahrungsmangel, Krankheiten, Vertreibung und fehlendem Zugang zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen konfrontiert. Es ist eine große Herausforderung, diese Menschen mit Hilfsgütern zu versorgen. Aufgrund von Zugangsbeschränkungen sind viele Straßen gesperrt und seit Sommer 2019 verschlimmert ein neuer Konflikt im Süden des Landes die bereits alarmierende Nahrungsknappheit und schlechten hygienischen Verhältnisse.

Etwa 12,6 Millionen Menschen brauchen dringend Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen. Trotz der Herausforderungen konnten wir mit unseren Partnern in den ersten neun Monaten von 2019 über 5,4 Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen. Wir haben sichergestellt, dass 3.700 medizinische Einrichtungen funktionsfähig bleiben, um die Menschen in den Krisenregionen zu behandeln.


Coronavirus im Jemen

Mit der Verbreitung von COVID-19 im ganzen Land steht der Jemen im Notfall vor einem Notfall. Der humanitäre Bedarf im Jemen war noch nie so hoch und die Finanzierung wird immer knapper. Hygiene und sauberes Wasser sind Mangelware. Nur die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen funktioniert, und vielen, die noch in Betrieb sind, fehlt die Grundausstattung wie Masken und Handschuhe, geschweige denn Sauerstoff und andere wichtige Hilfsmittel zur Behandlung des Coronavirus. Viele Gesundheitspersonal erhalten keine Gehälter.

Die Lage im Jemen


  • 24 Millionen oder etwa 80 % der jemenitischen Bevölkerung benötigen dringend humanitäre Hilfe.
  • Gesamtzahl der Kinder in Not: 12.2 Millionen
  • 2 Millionen Kinder sind Flüchtlinge im eigenen Land.
  • Seit Beginn des Konflikts wurden 4.800 Kinder getötet oder schwer verletzt.


  • Schätzungsweise 2 Millionen Kinder unter 5 Jahren leiden an Mangelernährung.
  • 370.000 Kinder sind so stark mangelernährt, dass sie ums Überleben kämpfen.
  • Nur 15 % der Kinder bekommen genügend Nahrung für ein gesundes Wachstum.


  • Über 2 Millionen Kinder im Jemen gehen nicht in die Schule – das ist etwa die Hälfte aller Kinder im Jemen.
  • Zahlreiche Mädchen müssen den Schulbesuch aufgrund von Sicherheitsproblemen oder mangelnden Sanitäranlagen abbrechen..
  • Die meisten LehrerInnen an öffentlichen Schulen wurden seit mehr als drei Jahren nicht mehr bezahlt.


  • 1 von 37 Neugeborenen stirbt im ersten Lebensmonat.
  • Immer weniger Kinder können geimpft werden – lebensgefährliche Krankheiten wie Masern und Diphterie brechen aus.
  • 37 % aller Kinder bekommen in ihrem ersten Lebensjahr nicht alle notwendigen Impfungen.


  • Schätzungsweise 18 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen oder Hygiene.
  • Durch den Konflikt sind zahlreiche Wasserversorgungs- und Sanitäranlagen zerstört worden.
  • Der Mangel an sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen führt zum Ausbruch der gefährlichen Krankheit Cholera – knapp 690.000 Menschen sind bereits daran erkrankt.


So hilft UNICEF im Jemen – Ergebnisse 2019

  • Ernährung: Über 193.000 akut mangelernährte Kinder im ersten Lebensjahr wurden behandelt und etwa 1 Million Kinder unter 5 Jahren wurden mit lebenswichtigen Mikronährstoffen versorgt.

  • Wasser & Hygiene: Knapp 5,5 Millionen Menschen bekamen Zugang zu sauberem Trinkwasser und für etwa eine halbe Million Menschen konnten Sanitäranlagen gebaut oder saniert werden. 631.000 Menschen erhielten sauberes Wasser dank Lieferungen.

  • Gesundheit: Knapp 1,3 Millionen Kinder unter 5 Jahren erhielten eine medizinische Grundversorgung, 11,8 Millionen Kinder wurden gegen Masern und Röteln geimpft und 730.000 schwangere Frauen und stillende Mütter bekamen Zugang zu medizinischer Grundversorgung.

  • Schule: 253.406 Kindern erhielten Zugang zu Bildung, dank temporärer Lernräume, Wiederaufbau von Schulen, Stipendien und Notschulen.. UNICEF lieferte grundlegendes Ausbildungsmaterial für 676.200 Mädchen und Buben.


Jemen: Ihre Hilfe kommt an

Beispiele aus der Hilfe vor Ort



Hintergrundwissen: Hunger und Mangelernährung

Offiziell wird eine Hungersnot von der jeweiligen Regierung eines Landes nach bestimmten Kriterien erklärt. Sie kann sich dabei auf die Einschätzung einer internationalen Arbeitsgruppe nach den sogenannten „IPC-Phasen“ berufen. IPC steht für „Integrated Food Security Phase Classification“. Auf dieser Skala für Ernährungssicherheit werden fünf Stufen unterschieden, die von Phase eins „Minimal“ über „Strapaziert“ (Englisch: Stressed), „Krise“ (Crisis), „Notsituation“ (Emergency) bis hin zu Phase fünf „Hungersnot“ (Famine) reichen.
Bei einer Hungersnot fehlen mindestens jedem fünften Haushalt nahezu vollständig Lebensmittel und/oder andere lebenswichtige Dinge wie Trinkwasser, wodurch zahlreiche Menschen hungern und sterben. Das ist aktuell in Teilen des Südsudan (Unity State) der Fall. Zu den Kriterien gehört zum Beispiel auch, dass mehr als 15 Prozent der Kinder in einem Gebiet an schwerer akuter Mangelernährung leiden. In einigen Hungergebieten im Südsudan liegt der Anteil dieser Kinder derzeit bei über 30 Prozent.

Als akut mangelernährt gelten Kinder, deren Körpergewicht unter 80 Prozent des für ihr Alter angemessenen Gewichts liegt. Beträgt das Gewicht weniger als 70 Prozent, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung. Ursache von Mangelernährung ist chronischer Mangel an Nahrungsmitteln, aber auch an Vitaminen und lebenswichtigen Spurenelementen. Mangelernährung hat weitreichende Folgen. Da die Verdauung beeinträchtigt wird, können die Kinder nicht mehr normal essen. Die Nahrung wird nicht richtig vom Körper aufgenommen. Dadurch werden die Kinder ab einem gewissen Punkt immer schwächer. Mangelernährte Kinder sind anfälliger für Krankheiten wie Durchfall, Masern und Lungenentzündung. Häufiges Kranksein wiederum zehrt ihren Körper weiter aus – ein Teufelskreis. Das Risiko, dass ein schwer mangelernährtes Kind stirbt, ist neunmal so hoch wie bei einem gesunden Kind.

UNICEF verfügt über eine starke Präsenz in Regionen mit unzureichender Ernährung und kann daher intensiv mit nationalen Behörden, wie auch anderen UN-Organisationen und internationalen Partnern zusammenarbeiten, um nationale Ernährungsprogramme zu erstellen und in die Praxis umzusetzen. Durch Spenden, die vor allem durch die nationalen UNICEF-Komitees und internationalen SpenderInnen zustande kommen, werden vom UNICEF-Logistikzentrum in Kopenhagen aus jährlich Millionen von Produkten wie Proteinriegel, Erdnusspaste, Vitamin-A Tabletten oder orales Rehydrierungssalz an Krisenregionen, vor allem in Afrika und Südasien, verschickt.

Wird die Mangelernährung rechtzeitig erkannt und behandelt, haben die Kinder sehr gute Chancen zu überleben und wieder gesund zu werden. UNICEF sorgt in Krisensituationen weltweit dafür, dass der Ernährungszustand von möglichst vielen Kindern überprüft wird – zum Beispiel, indem man mit einem Maßband den Umfang des Oberarms misst. Zeigt das Maßband rot, muss das Kind sofort behandelt werden.

Für die Behandlung setzt UNICEF therapeutische Zusatznahrung ein, vor allem angereicherte Spezialmilch und Päckchen mit sehr energiehaltiger Erdnusspaste. Schon nach wenigen Tagen geht es den meisten Kindern damit deutlich besser. Die therapeutische Zusatznahrung ist so zusammengesetzt, dass schwer mangelernährte Kinder diese Nahrung auch im extrem ausgezehrten Zustand essen, schlucken und verdauen können. Sie enthält zudem lebenswichtige Vitamine und Mineralien, damit die Kinder wieder zu Kräften kommen.

Sehr junge und sehr geschwächte Kinder erhalten therapeutische Spezialmilch, die über einen Nasenschlauch oder mit einem Löffel in kleinen Portionen verabreicht wird. Manche Kinder müssen gleichzeitig zum Beispiel gegen Durchfall oder Malaria behandelt werden.

Wenn es den Kindern etwas besser geht, bekommen sie eine angereicherte Erdnusspaste. Die Erdnusspaste ist in kleinen Portionen verpackt, lange haltbar und kann direkt aus den Päckchen gefüttert werden. Wenn die Kinder nicht in einem kritischen Zustand sind, können die Eltern die Päckchen vom Ernährungszentrum mit nach Hause nehmen und ihre Kinder zu Hause versorgen.
Die mangelernährten Mädchen und Buben erhalten die therapeutische Nahrung in der Regel einige Wochen lang, bis sich ihr Gewicht stabilisiert hat. Während dieser Zeit werden sie weiterhin regelmäßig medizinisch untersucht. Therapeutische Zusatznahrung sollte nur in Fällen von schwerer Mangelernährung verwendet werden. Sie ist eine Behandlung für stark geschwächte Kinder und kein Ersatz für gesunde Ernährung.



Gemeinsam können wir den Kindern im Jemen helfen!

30 Euro können für 40.000 Liter sauberes Trinkwasser sorgen.

70 Euro versorgen drei Kinder mit Erdnusspaste für 1 Monat.

100 Euro könnten 24 Kinder mit Schulsachen versorgen.

Freier Betrag: Bitte bestätigen Sie mit der Enter-Taste oder klicken Sie neben das Formular.



UNICEF News zu Jemen und weiteren Notfällen

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