FGM/C

Wir kämpfen dafür, weibliche Genitalverstümmelung zu beenden

Eine Frau und ihre Töchter in ihrem Haus in Guinea-Bissau. Ihr Dorf war das Erste des Landes, welches FGM/C verbot.
© UNICEF/UNI137341/LeMoyne
Eine Frau und ihre Töchter in ihrem Haus im Dorf Cambadju in der Region Bafatá, Guinea-Bissau. Ihr Dorf war das erste im Land, in dem die Praxis der Weiblichen Genitalverstümmelung beendet wurde.

Alle 10 Sekunden werden die Genitalien eines Mädchens unter 12 Jahren verstümmelt. Weltweit müssen Millionen Mädchen und Frauen mit den Folgen des Eingriffs leben. Jährlich sind drei Millionen Mädchen der Gefahr Opfer von Genitalverstümmelung zu werden ausgesetzt. 

FGM (Female Genital Mutilation) - Weibliche Genitalverstümmelung - hat lebenslange gesundheitliche und seelische Folgen und bringt die Mädchen in Lebensgefahr. Immer wieder verbluten Mädchen oder sterben an lebensbedrohlichen Infektionen.Mit Informations- und Sensibilisierungskampagnen kämpfen wir gegen diese grausame Tradition.Laut UNICEF sind circa zwei Drittel der Männer, Frauen, Buben und Mädchen in Ländern, in denen weibliche Genitalverstümmelung üblich ist, der Meinung diese Praxis zu beenden.

In den untersuchten Ländern, in denen Daten verfügbar sind, lehnen 67 Prozent der Mädchen und Frauen und 63 Prozent der Buben und Männer weibliche Genitalverstümmelung in ihren Gemeinschaften ab.

„Obwohl weibliche Genitalverstümmelung mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung assoziiert wird, sagen uns die Untersuchungsergebnisse, dass sich die Mehrheit der Buben und Männer gegen diese Praxis ausspricht“, so Francesca Moneti, UNICEF-Expertin für Kinderschutz. „Leider bleiben die Bestrebungen vieler Individuen, weibliche Genitalverstümmelung zu beenden, oft im Verborgenen. Viele Frauen und Männer sind immer noch der Meinung, dass die Praxis notwendig sei, um in ihren Gemeinschafen akzeptiert zu werden.“ 

Wissen: FGM/C (Female Genital Mutilation/ Cutting)

FGM/C (Female Genital Mutilation/ Cutting) bezeichnet das teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Geschlechtsteile oder andere Verletzungen, die den weiblichen Geschlechtsorganen aus kulturellen oder anderen Gründen zugefügt werden und die keine medizinische Notwendigkeit darstellen.

Oft werden Scheren, Rasierklingen oder Glasscherben dafür verwendet, oft wird sie ohne Betäubung durchgeführt Die gesundheitlichen Konsequenzen können von Entzündungen und Komplikationen bei der Geburt bis zum Tod führen. Viele Betroffene haben ihr Leben lang mit psychischen Folgen zu kämpfen. (z.B. Depressionen)

Es gibt für die Praxis keine religiöse Rechtfertigung. Sie wird von der Thora, Koran oder Bibel nicht verlangt.

Unterschiedliche Wahrnehmungen bei Männern und Frauen

Die Daten zeigen auf, dass in einigen Ländern Männer eine stärkere Ablehnung gegenüber FGM zeigen als Frauen. In Guinea, dem Land mit der höchsten Rate an weiblicher Genitalverstümmelung, verlangen 38 Prozent der Buben und Männer eine Beendigung der Praxis, im Gegensatz dazu sind es 21 Prozent der Mädchen und Frauen. Das gleiche Muster ist in Sierra Leone zu finden: 40 Prozent der Buben und Männer sind gegen die Praxis – im Vergleich dazu 23 Prozent der Mädchen und Frauen.

Der größte Unterschied zwischen Männern und Frauen bezüglich der Wahrnehmung von FGM findet ebenfalls in Guinea statt. Während 46 Prozent der Buben und Männer der Meinung sind FGM habe keinen Nutzen, gaben das nur zehn Prozent der Mädchen und Frauen an. In mehr als der Hälfte der 15 Länder mit verfügbaren Daten wird ersichtlich, dass sich mindestens ein Drittel der Mädchen und Frauen gegen FGM aussprechen. 

Meaza aus Äthiopien war mit 10 selbst Opfer von FGM. Jetzt setzt sie sich gegen die Praxis ein.

"Es hat mich um das Vertrauen zu meinen Eltern gebracht."

Meaza Garedu ist 14 Jahre alt und lebt in Äthiopien. Als sie 10 Jahre alt war wurde sie ein Opfer weiblicher Genitalbeschneidung. Heute kämpft sie gegen diese Praktik an.

„In meinem Dorf gibt es ein Mädchen, sie ist jünger als ich und wurde noch nicht beschnitten weil ich mit ihren Eltern über die Problematik dieser Praktik gesprochen habe.“, sagt die 14 jährige Meaza.

„Ich habe ihnen erzählt welche Schmerzen mir diese Operation zugefügt hat und wie sie mich traumatisiert hat. Außerdem hat sie mich um das Vertrauen zu meinen Eltern gebracht. Also haben sie entschieden, dass das ihrer Tochter nicht passieren darf!“

Anlass zur Hoffnung

Laut UNICEF sprach sich demnach eine große Mehrheit der Menschen in den betroffenen Regionen gegen FGM aus. Dies gibt Anlass zur Hoffnung diese Praxis zu beenden.  

Im Jahr 2015 erließen Gambia und Nigeria eine nationale Rechtsvorschrift, wonach alle Formen von FGM unter Strafe zu stellen sind.  Dies hatte zur Folge, dass sich mehr als 1.900 Gemeinschaften in 16 Ländern mit verfügbaren Daten - fünf Millionen Personen - in Form von öffentlichen Erklärungen und Kundgebungen gegen FGM aussprachen. Die bei der UN-Generalversammlung im September 2015 angenommenen Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) beinhalten neben den 17 Hauptzielen eine weitere Zielvorgabe, die mit der Beseitigung aller schädlichen Praktiken - wie weibliche Genitalverstümmelung und Kinderehen – bis 2030 einher geht. 

Die Forschungsergebnisse von UNICEF lassen auch darauf schließen, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad der Mutter und der Wahrscheinlichkeit einer Genitalverstümmelung ihrer Tochter gibt. In 28 Ländern mit verfügbaren Daten ist eine von fünf Töchtern von Müttern ohne Bildungszugang ein Opfer von FGM geworden. Bei den Müttern mit höherer Schulbildung ist es eine von neun Töchtern. 

Aktuell leben in 30 Ländern mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen, an denen eine Genitalverstümmelung durchgeführt wurde. Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Verfahren, die oft extreme körperliche und geistige Schäden, anhaltendes Bluten, HIV-Übertragungen, Unfruchtbarkeit und Tod verursachen. 

Mehr Mobilisierung wird benötigt

„Die Datensammlung spielt eine wichtige Rolle, um die wahren Meinungen und Anschauungen von Gemeinschaften zu FGM aufzudecken“, sagt Moneti. „Wenn einzelne Personen erkennen, dass andere die Praxis nicht unterstützen, wird es einfacher FGM zu beenden. Jedoch muss mehr Arbeit mit jungen Menschen, Männern und Frauen, Gemeinschaften, wie auch religiösen und politischen Leitfiguren stattfinden, um diese Erkenntnisse hervorzuheben und auf die schädlichen Folgen von FGM aufmerksam zu machen. Man muss nun diese Bewegung beschleunigen, um FGM zu beenden.“

UNICEF und der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) arbeiten momentan in 17 Ländern auf allen Ebenen zur Beendigung von Weiblicher Genitalverstümmelung. 

Bitte unterstützen Sie uns bei der weltweiten Arbeit für Kinder in Not.

UNICEF hilft

Gesetze allein reichen zum Schutz der Mädchen also nicht aus - die Tradition muss hinterfragt und offen diskutieren werden. Denn oft lassen Eltern ihre Töchter beschneiden, weil sie annehmen, dass das erwartet wird. Die Angst vor Ausgrenzung ist dabei sogar stärker als die vor Strafverfolgung: In den meisten Ländern ist die Praktik mittlerweile gesetzlich verboten.

Durch Informations- und Sensibilisierungskampagnen werden Gemeinschaften davon überzeugt, gemeinsam die Verstümmelung ihrer Mädchen zu beenden. UNICEF arbeitet dabei eng mit Entscheidungsträgern wie Regierungsverantwortlichen, religiösen Führern und lokalen Netzwerken zusammen.

Mädchen werden heute deutlich seltener Opfer von Genitalverstümmelung als noch ihre Mütter. Inzwischen spricht sich die Mehrheit der Menschen in den meisten betroffenen Ländern dafür aus, die Tradition der Mädchenbeschneidung abzuschaffen.


Mit einer Patenschaft unterstützen Sie Kinder in Not langfristig und nachhaltig.

Bitte spenden Sie noch heute!

Südafrika: Schuhe sind am Schulweg wichtig, vor dem Klassenzimmer zieht sie Songuie aber aus.

12 Euro: Schuhe für ein Kind in Südafrika, damit es nicht barfuß in die Schule gehen muss.

Liberia: Ein Mädchen bekommt ihre Polio-Schluckimpfung

15 Euro: kompletter Impfschutz gegen Kinderkrankheiten für zwei Babys im Südsudan

Tansania: Layla (Name geändert, 14) musste lange als Sexarbeiterin arbeiten.

25 Euro: Eine Schultasche mit Lernmaterial für ein aus der Prostitution befreites Mädchen auf den Philippinen

Kongo: Marie wurde aus ihrem Dorf vertrieben, ein Teddybär bereitet ihr wieder Freude.

Ihr freier Betrag schützt Kinder nachhaltig vor Krankheiten, Gewalt, Hunger und Durst und gibt ihnen ihre Freude wieder.