Syrien: Ahmed freut sich riesig über seine neue, passende Winterkleidung.

Kinder auf der Flucht


UNICEF Child Alert: Ausgestoßen und verzweifelt – Rohingya-Kinder in Gefahr

Der UNICEF Child Alert – "Outcast and Desparate. Rohingya refugee children face a perilous future" richtet die Aufmerksamkeit auf die Situation der Rohingya Kinder, die vor der Gewalt in ihrer Heimat Myanmar nach Bangladesch geflohen sind. Ihre Lage wird immer schlimmer. Die Gefahr von Seuchen und akuter lebensgefährlicher Mangelernährung bei Kindern wächst täglich. Viele Kinder brauchen psychologische Hilfe. Vor der am 23. Oktober 2017 in Genf stattfindenden Geberkonferenz ruft UNICEF Regierungen und private Spender dazu auf, die humanitäre Hilfe für die Rohingya zu unterstützen.

DOWNLOAD: UNICEF Child Alert „Outcast and Desparate. Rohingya refugee children face a perilous future” (PDF, englisch, ca. 10 MB) 


Education Uprooted
Cover-Bild UNICEF Report "Education Uprooted"

Der Bericht „Education Uprooted“ zeigt, dass – obwohl jedes Kind das Recht auf Bildung hat – 27 Millionen Kinder im Alter von 6-14 Jahren in 24 von Konflikt betroffenen Ländern nicht in die Schule gehen. Fehlende Bildungsmöglichkeiten sind häufig ein entscheidender Grund zur Migration. Beispiele aus Deutschland, Syrien, Tschad und Griechenland zeigen Herausforderungen und Lösungsansätze auf.

DOWNLOAD: UNICEF-Bericht „Education Uprooted” (PDF, englisch, ca. 4 MB) 


Harrowing Journeys

Der Report „Harrowing Journeys“ („Qualvolle Wege“) dokumentiert, dass die sogenannte Zentrale Mittelmeer-Route über Libyen gefährlicher ist als die Östliche Mittelmeer-Route über die Türkei. 77 Prozent der unter 25-Jährigen berichten, dass sie auf der Zentralen Flucht- und Migrationsroute über das Mittelmeer misshandelt, ausgebeutet oder sogar Opfer von Menschenhandel wurden. Besonders gefährdet, Opfer von Ausbeutung oder Menschenhandel zu werden, sind junge Menschen aus Subsahara-Afrika. Für den Report wurden rund 22.000 Geflüchtete und Migranten befragt, darunter rund 11.000 Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 24 Jahren.

DOWNLOAD: UNICEF-Bericht „HARROWING JOURNEYS” (PDF, englisch, ca. 6 MB)

DOWNLOAD: Deutsche Zusammenfassung des Reports „Harrowing Journeys“ (PDF, deutsch, 642 KB)

Zur Pressemitteilung vom 12. September 2017


Entwurzelt: Die wachsende Krise von Flüchtlings- und Migrantenkindern (Uprooted: The Growing Crisis of Refugee and Migrant Children)

Fast 50 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind in Folge von Flucht und Migration entwurzelt – mehr als die Hälfte von ihnen (28 Millionen) wurden durch Konflikte aus ihrem Zuhause vertrieben.

Millionen weitere Mädchen und Buben haben ihre Heimat auf der Suche nach einem besseren und sichereren Leben verlassen. Diese Zahlen hat UNICEF heute im Report „Uprooted“ veröffentlicht, der erstmals alle verfügbaren Informationen über die globale Situation in Hinblick auf Kinder zusammenträgt. Vor den beiden Weltgipfeln zu Flucht und Migration am 19. und 20. September bei den Vereinten Nationen in New York fordert UNICEF die Regierungen auf, die elementaren Rechte der betroffenen Mädchen und Buben stärker zu beachten.

Eine Krise der Kinder

Die Kinder und Jugendlichen, die oft traumatischen Situationen von Konflikt und Gewalt entkommen sind, sind auf der Flucht großen Risiken ausgesetzt: der Gefahr, bei der Bootsüberfahrt zu ertrinken, an Hunger und Durst zu sterben und Opfer von Menschenhandel, Kidnapping, Vergewaltigung oder Mord zu werden. In den Transit- und Zielländern begegnet ihnen oft Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Trotzdem ist die Not der Familien in ihren Herkunftsländern häufig so groß, dass ihnen keine andere Wahl bleibt, als diese Gefahren in Kauf zu nehmen. 

Die wichtigsten Fakten zu Flucht und Migration von Kindern

  • Kinder sind von Flucht besonders betroffen: Die unter 18-Jährigen stellen nur rund ein Drittel der Weltbevölkerung, aber die Hälfte der Flüchtlinge dar. Rund 45 Prozent aller Flüchtlingskinder unter dem Mandat des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) kamen 2015 aus Syrien und Afghanistan. 
  • 28 Millionen Kinder sind vor Gewalt und Konflikt auf der Flucht. Dazu gehören zehn Millionen geflüchtete Kinder, eine Million Mädchen und Buben in Asylverfahren und schätzungsweise 17 Millionen Kinder und Jugendliche, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind (Binnenvertriebene). 
  • Immer mehr Kinder und Jugendliche verlassen ihre Heimat allein, ohne den Schutz der Eltern. 2015 haben über 100.000 sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in 78 Ländern Asyl beantragt – das sind dreimal so viele wie 2014. Unbegleitete Flüchtlingskinder sind besonders von Ausbeutung und Missbrauch bedroht. 
  • Rund 20 Millionen Kinder haben aus unterschiedlichen Gründen ihr Heimatland als Migranten und Migrantinnen verlassen, beispielsweise um extremer Armut oder gewalttätigen Gangs zu entkommen. Viele von ihnen können leicht Opfer von Missbrauch oder eingesperrt werden, weil ihnen Papiere fehlen, sie einen unsicheren Rechtsstatus haben und ihr Wohlergehen nicht systematisch beachtet und erfasst wird. Kinder fallen häufig durch alle Raster. 

Globale Trends – Kinder auf der Flucht

  • 31 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben außerhalb ihres Geburtslandes, einschließlich elf Millionen Flüchtlingskinder und Kinder, die um Asyl suchen. Weitere 17 Millionen Mädchen und Buben sind vor Krieg und Gewalt innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht (Binnenvertriebene).
  • Die Zahl der Flüchtlingskinder unter dem Mandat des Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Eins von 200 Kindern weltweit ist heute ein Flüchtlingskind. Fast die Hälfte aller Flüchtlingskinder (45 Prozent) kam 2015 aus nur zwei Ländern: Syrien und Afghanistan.
  • Jeder zweite Flüchtling oder Vertriebene auf der Welt ist ein Kind oder Jugendlicher – das ist mehr, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht und deutlich mehr als in der Gruppe der Migranten.
  • Die mit Abstand meisten geflüchteten Kinder und ihre Familien suchen in ihrer jeweiligen Heimatregion Schutz. Die zehn Länder, die die meisten Flüchtlinge aufgenommen haben, liegen alle in Asien und Afrika. Obwohl die verfügbaren Statistiken nicht vollständig nach Alter differenziert sind, ist die Türkei wahrscheinlich das Land mit der weltweit größten Population von Flüchtlingskindern.
  • Mädchen und Buben sind von Flucht gleichermaßen betroffen, obwohl die Gefahren zum Beispiel durch Rekrutierung oder sexuelle Gewalt für sie unterschiedlich sein können.

Chancen durch Migration – für beide Seiten

Während die Türkei weltweit die größte Zahl an Flüchtlingen aufgenommen hat, beherbergt der Libanon die meisten Flüchtlinge pro Einwohner. Gemessen an ihrer Wirtschaftskraft haben hingegen die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien und Pakistan die meisten Flüchtlinge zu versorgen. 

In dem Bericht „Uprooted“ setzt sich UNICEF für sichere und legale Zuzugsmöglichkeiten ein. Migration kann sowohl für die Kinder als auch für die Gesellschaften, in die sie zuwandern, große Chancen bieten. Einer Analyse zufolge zahlen Migranten und Migrantinnen in Ländern mit hohen Einkommen mehr Steuern und Sozialleistungen, als sie erhalten, füllen Lücken im Arbeitsmarkt und tragen zu Wirtschaftswachstum und Innovationen bei. 

Bildung als Fluchtgrund – Flucht als Bildungshindernis

Fehlende Bildungschancen sind für viele Kinder und ihre Familien einer der Hauptgründe, ihre Heimat zu verlassen. Jedoch ist für Flüchtlingskinder die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht in die Schule gehen, fünfmal so groß wie bei anderen Kindern. Wenn sie überhaupt zur Schule gehen können, leiden sie häufig unter Diskriminierung, unfairer Behandlung und Mobbing. 

Sechs Forderungen von UNICEF an die Regierungen

  • Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Kinder, müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.
  • Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss aufhören.
  • Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu schützen und ihnen einen sicheren rechtlichen Status zu geben.
  • Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.
  • Fluchtursachen müssen bekämpft werden.
  • In den Transit- und Zielländern müssen Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung gefördert werden.



Gefahr auf jedem Schritt des Weges (Danger Every Step of the Way)
Link zum Bericht "Danger every step of the way"  (PDF, engl., ca. 2,6 MB)
© UNICEF
"Danger every step of the way"
(PDF, engl., ca. 2,6 MB)

Der Report dokumentiert die erschreckenden Risiken, die sie auf ihrer Flucht vor Krieg, Verzweiflung und Armut eingehen.

Zwischen 1. Jänner und 5. Juni 2016 wurden 2.809 Todesopfer im Mittelmeer protokolliert, im Vergleich dazu waren es im ganzen letzten Jahr 3.770. Die überwiegende Mehrheit davon starb auf der zentralen Mittelmeerroute und viele waren Kinder.

In der Regel sind unbegleitete Minderjährige von Schleppern abhängig, die sie etappenweise bezahlen müssen, weshalb sie leicht zu Opfern von Ausbeutung werden.

Manche werden sexuell missbraucht und ausgebeutet. Italienische Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen erzählten UNICEF, dass sowohl Mädchen als auch Burschen in Libyen sexuell angegriffen und zur Prostitution gezwungen wurden und dass manche der Mädchen bei der Ankunft in Italien schwanger sind, weil sie vergewaltigt wurden.

Da Schlepperei illegal ist, gibt es aber keine verlässlichen Statistiken darüber, wie viele Flüchtlinge und andere Migranten und Migrantinnen sterben, in die Zwangsarbeit verschwinden, zur Prostitution gezwungen werden oder in Haft gelangen

Download

"Danger every step of the way" (PDF, engl., ca. 2,6 MB)




Stilles Leid
Das Titelbild der UNICEF Studie "Stilles Leid".

Ein 13-Jähriger Junge geht jede Nacht mit der Angst zu Bett, „wann sie kommen werden“. Wann immer er an seine Rückkehr erinnert wird, „fange ich an zu zittern und zu schwitzen“ und „fange an, einfach zu schreien. Ich gehe raus, um nur nicht zu Hause zu bleiben, und um mich irgendwo abzuregen. … Ich laufe in die Stadt, weil ich zu viel Angst habe, um zu Hause zu bleiben….“


Vor dem Trauma der Abschiebung waren viele dieser Heranwachsenden und ihre Eltern bereits anderen schweren Belastungen ausgesetzt – während des Krieges auf dem Balkan, durch ihr zeitweises Leben in der Illegalität und langjährige Diskriminierung. Nach ihrer Rückkehr ins Kosovo fehlt es dort an sozialer Unterstützung. Die Kinder und Jugendlichen sind fremd und isoliert. Insbesondere die zwangsweise rückgeführten Kinder und Jugendlichen leiden unter posttraumatischen Beschwerden und Angstzuständen und benötigen psychiatrische und kinderpsychologische Hilfe. Diese ist im Kosovo jedoch nicht für sie erreichbar. 

Download

"Stilles Leid - Zur psychosozialen Gesundheit abgeschobener und rückgeführter Kinder" (PDF, Engl., 503 KB) 




Safe & Sound: Strategien für Schutz und Unterstützung von unbegleiteten Flüchtlingskindern in Europa
"Safe&Sound" als Download  (PDF, Deutsch, ca. 2MB)

Strategien für Schutz und Unterstützung von unbegleiteten Flüchtlingskindern in Europa

Die Rechte von unbegleiteten Kindern sind sowohl auf internationaler Ebene, vorrangig durch die Kinderrechtskonvention, als auch auf nationaler Ebene in den jeweiligen einzelstaatlichen Rechtsnormen verankert. Zusätzlich enthält das europäische Rechtssystem, insbesondere das EU-Recht zahlreichte Bestimmungen im Rahmen des gemeinsamen europäischen Asylsystems, in denen Standards zum Umgang mit diesen besonders verletzbaren Kindern festgelegt sind. Das Kindeswohl hat bei allen Regelungen Vorrang – im Zentrum steht immer das "übergeordnete Interesses des Kindes".
 
Doch Flüchtlingskindern in der Praxis angemessen Schutz zu bieten und ihre Rechte zu wahren stellt die europäischen Staaten vor eine große Herausforderung. Dies haben UNICEF und UNHCR zum Anlass genommen, um einen Leitfaden zu entwickeln, in dem Maßnahmen und Prozessabläufe vorgestellt werden, die sicherstellen sollen, dass staatliche Behörden und öffentliche sowie private Einrichtungen im Umgang mit unbegleiteten Kindern in allen Stadien von der Ankunft bis hin zur Feststellung einer dauerhaften Lösung für das Kind im Einklang mit dem Kindeswohl handeln. Die notwendigen Maßnahmen sind in Schritte untergliedert, von der Ankunft über die Registrierung, die Weiterleitung an die Jugendbehörden, das Asylverfahren bis zur endgültigen Entscheidung über den weiteren Aufenthalt.
 
Bei jedem dieser Schritte ist es wichtig, zu erkennen was im besten Interesse des einzelnen Kindes ist. Je weitreichender die Entscheidungen sind, die für das Kind getroffen werden, desto formalisierter sollte das Verfahren zur Bestimmung des Kindeswohls sein. Alle relevanten Informationen über das Kind sollten einbezogen und entsprechend gewichtet werden. Wichtig ist dabei die Unterstützung durch einen unabhängigen Vertreter, aber auch die Möglichkeit des Kindes, seine Interessen und Ansichten zu äußern. Entscheidend ist auch, dass die getroffene Entscheidung nachvollziehbar ist. Insbesondere im Asylverfahren mit seiner weitreichenden Bedeutung ist es wichtig, kinderspezifische Aspekte zu beachten und die Kriterien für die Gewährung internationalen Schutzes kindgemäß zu interpretieren. Gleiches gilt bei aufenthaltsrechtlichen Entscheidungen.
 
UNICEF und UNHCR begrüßen die Bemühungen vieler europäischer Staaten, das Prinzip des Vorrangs des Kindeswohls zu berücksichtigen und Verfahrensstandards einzuführen. In dem Leitfaden werden daher auch schon bestehende Verfahren aus verschiedenen europäischen Staaten vorgestellt, um darzulegen, dass eine Umsetzung praktikabel ist und um Denkanstöße zu geben, wie die Praxis noch weiter positiv gestaltet werden kann, um den Vorrang des Kindeswohls im Verwaltungshandeln dauerhaft zu verankern.

Downloads

"Safe&Sound" (deutsche Version, ca. 2MB)

"Safe&Sound"  (englische Version, ca. 2,3MB)