DR Kongo: 770.000 Kinder akut mangelernährt

Kinshasa/ New York/ Wien, 11.05.2018 - Mindestens die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren in der Kasai-Region der Demokratischen Republik Kongo – rund 770.000 Mädchen und Buben – sind laut UNICEF akut mangelernährt. 400.000 dieser Kinder sind so schwer unterernährt, dass ihr Leben in Gefahr ist. Das UN-Kinderhilfswerk warnt in einem heute veröffentlichten Bericht, dass die Zahl der Todesopfer unter den Kindern drastisch ansteigen könnte, wenn die humanitäre Hilfe nicht dringend verstärkt wird.

Ein Mädchen wird mit einem speziellen Armband auf Mangelernährung untersucht.

© UNICEF/UN0157537/Tremeau - in der Saint Martyr Gesundheitsstation werden Kinder auf Mangelernährung untersucht.

Seit Ausbruch eines gewaltsamen Konflikts in der Kasai-Region 2016 wurden hunderttausende Menschen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben. Obwohl sich die Situation in den vergangenen Monaten etwas beruhigt hat, sind 3,8 Millionen Menschen, darunter 2,3 Millionen Kinder, auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele Familien waren vor der brutalen Gewalt geflohen und hatten sich über Monate im Buschland versteckt gehalten, so dass sie weder anbauen noch ernten konnten.

Gewalt und Vertreibung haben weiterhin gravierende Auswirkungen für die Kinder von Kasai, sagt die stellvertretende UNICEF-Exekutivdirektorin Fatoumata Ndiaye nach einem Besuch in der Kasai-Region. Tausende geflüchtete Kinder hatten monatelang keinen Zugang zu lebenswichtiger Versorgung – wie Gesundheitsversorgung, sauberes Trinkwasser und Bildung – und sie haben unvorstellbares Leid erlebt. Jetzt, da die Sicherheitslage besseren Zugang ermöglicht, müssen die Regierung und Hilfsorganisationen mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft schnell die Hilfe für Kinder aufstocken, bevor es zu spät ist.

Erschütternde Gewalt gegen Kinder

Der UNICEF-Report „Kasai: A Children’s Crisis. Coping with the Impact of Conflict in the Democratic Republic of the Congo“ dokumentiert außerdem ein erschreckend hohes Ausmaß an brutaler Gewalt, dem Kinder in der Kasai-Region ausgesetzt sind. Über 400 Schulen wurden seit 2016 angegriffen oder für militärische Zwecke missbraucht; 100 Schulen sind zerstört worden. 440.000 Mädchen und Buben konnten das vergangene Schuljahr nicht abschließen. Auch über 200 Gesundheitszentren wurden zerstört oder geplündert.

Tausende Kinder wurden von bewaffneten Gruppen rekrutiert – die Milizen in der Region Kasai bestehen zu 60 Prozent aus Kindern und Jugendlichen unter 18. UNICEF und seine Partner haben bisher die Freilassung von 1.700 Kindern bewirken können. Sie erhalten psychosoziale Hilfe und werden bei der Reintegration in die Gesellschaft unterstützt. UNICEF hat 314 Klassenräume installiert oder instand gesetzt. Seit Anfang 2017 wurden 71.500 lebensbedrohlich mangelernährte Kinder mit therapeutischer Nahrung behandelt. Für die humanitäre Hilfe werden dringend weitere Spenden benötigt.

Zum Bericht "Kasai: A Children's Crisis.">> (pdf, ENG, ca. 4,8 MB)

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