Online-Gefahren für Kinder während der Pandemie

New York/Wien - Millionen Kinder sind einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Ihr Leben während der COVID-19-Pandemie findet laut UNICEF und Partnern zunehmend online statt. Ein neu veröffentlichter Fachbericht soll Regierungen, IKT-Unternehmen, PädagogInnen und Eltern dabei helfen, Kinder während der Ausgangsbeschränkungen der Pandemie online zu schützen.

Margot (4) zu Hause bei einem Videoanruf mit FreundInnen aus ihrem Kindergarten und deren Eltern; New York City, USA, 30. März 2020

Margot (4) zu Hause bei einem Videoanruf mit FreundInnen aus ihrem Kindergarten und deren Eltern; New York City, USA, 30. März 2020 © UNICEF

 

„Die Coronavirus-Pandemie hat zu einem beispiellosen Anstieg der Bildschirmzeiten geführt", sagt Dr. Howard Taylor, Exekutivdirektor von Global Partnership to End Violence. „Schulschließungen und strenge Eindämmungsmaßnahmen bedeuten, dass immer mehr Familien auf Technologie und digitale Lösungen angewiesen sind, damit Kinder lernen, sich unterhalten und mit der Außenwelt in Verbindung bleiben können. Nicht alle Kinder verfügen aber über die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Ressourcen, um online sicher unterwegs zu sein."

Mehr als 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche sind weltweit von Schulschließungen betroffen. Viele SchülerInnen besuchen jetzt online Kurse und knüpfen mehr Online-Kontakte. Mehr Zeit auf virtuellen Plattformen bedeutet, dass Kinder anfällig für sexuelle Ausbeutung und Cyber-Grooming werden können, da TäterInnen versuchen, die COVID-19-Pandemie auszunutzen. Ein Mangel an persönlichem Kontakt mit FreundInnen und PartnerInnen kann zu erhöhter Risikobereitschaft, z.B. dem Versenden von erotischen Bildern, führen. Längere und unstrukturierte Online-Zeiten können Kinder gefährlichen und gewalttätigen Inhalten sowie einem größeren Risiko von Cyberbullying aussetzen.

UNICEF veröffentlicht zusammen mit seinen Partnern* einen neuen Fachbericht, der Regierungen, IKT-Untenehmen, PädagogInnen und Eltern auffordert, wachsam zu sein, dringende Maßnahmen zu ergreifen, um potenzielle Risiken zu mindern und sicherzustellen, dass die Online-Erfahrungen der Kinder während der COVID-19 sicher und positiv sind.

„Angesichts von COVID-19 ist das Leben von Millionen Kindern vorübergehend auf ihr Zuhause und ihre Bildschirme beschränkt. Wir müssen ihnen helfen, sich in dieser neuen Realität zurechtzufinden", sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Wir rufen Regierungen und die Wirtschaft dazu auf, ihre Kräfte zu bündeln, um Kindern und Jugendlichen online durch verbesserte Sicherheitsfunktionen und neue Hilfsmittel Sicherheit zu bieten, damit Eltern und PädagogInnen Kindern beibringen können, wie sie das Internet sicher nutzen können."

Zu den vorläufigen Handlungsempfehlungen zur Minderung der Online-Risiken für Kinder während COVID-19 gehören:

  • Eltern: Stellen Sie sicher, dass die Geräte Ihrer Kinder mit den neuesten Software-Updates und Virenschutzprogrammen ausgestattet sind. Sprechen Sie offen mit Ihren Kindern darüber, wie und mit wem sie online kommunizieren. arbeiten Sie mit Ihren Kindern zusammen Regeln aus, wie, wann und wo das Internet genutzt werden darf. Seien Sie wachsam bei Anzeichen von Verzweiflung bei Ihren Kindern, die im Zusammenhang mit ihrer Online-Aktivität auftauchen können, und machen Sie sich mit den lokalen Berichterstattungsmechanismen vertraut. Informieren Sie sich über Hilfe-Hotlines.
  • Schulen: Aktualisierung der derzeitigen Schutzmaßnahmen, um den neuen Realitäten für Kinder, die von zu Hause aus lernen, Rechnung zu tragen; Förderung und Überwachung von beispielhaftem Online-Verhalten und Gewährleistung, dass Kinder weiterhin Zugang zu schulischen Beratungsdiensten haben.
  • Informationstechnologie-Industrie einschließlich sozialer Netzwerke: Stellen Sie sicher, dass Online-Plattformen über verbesserte Sicherheits- und Schutzfunktionen verfügen – insbesondere virtuelle Lerntools und dass diese für PädagogInnen, Eltern und Kinder einfach zugänglich sind. Fördern und erleichtern Sie Vermittlungsdienste und Hilfe-Hotlines für die Sicherheit von Kindern. Entwickeln Sie standardisierte Moderationsrichtlinien, die auf die Rechte der Kinder abgestimmt sind. Setzen Sie integrierte Schutzfunktionen ein und führen Sie dabei gegebenenfalls Innovationen durch. Stellen Sie Internet-Verbindungen zur Verfügung, um den Zugang für benachteiligte Kinder in einkommensschwachen Haushalten zu verbessern.
  • Regierungen: Stärkung der zentralen Kinderschutzdienste, um sicherzustellen, dass diese während der gesamten Pandemie aktiv bleiben; Schulung von MitarbeiterInnen von Gesundheits-, Bildungs- und Sozialdiensten über die Auswirkungen, die COVID-19 auf das Wohlergehen von Kindern haben kann, einschließlich erhöhter Online-Risiken; Intensivierung von Sensibilisierungs- und Aufklärungsinitiativen zur Online-Sicherheit von Kindern; Gewährleistung, dass AnbieterInnen von Sozialdiensten, Schulen, Eltern und Kinder über lokale Meldemechanismen informiert sind; zur Verfügungstellung lokaler Hilfe-Hotlines.

Für Redaktionen

Fachbericht COVID-19 und seine Auswirkungen auf den Schutz von Kindern im Internet (in Englisch)


*Global Partnership to End Violence Against Children, International Telecommunication Union (ITU), United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO), UN Office on Drugs and Crime (UNODC), WePROTECT Global Alliance, World Health Organization (WHO) und World Childhood Foundation USA

Weitere Informationen über die Arbeit von UNICEF im Kampf gegen das Coronavirus.