So geht es den Kindern in Beirut 100 Tage nach der Explosion

Beirut/Zürich/Wien - Kinder und Familien, die von den Explosionen in Beirut vor 100 Tagen heimgesucht wurden, brauchen weiterhin Unterstützung beim Wiederaufbau ihres Lebens. So der heute veröffentlichte UNICEF-Bericht „Aufstieg aus der Zerstörung."

Hussein (12) nimmt regelmäßig an den psychosozialen Sitzungen für Kinder im Stadtpark Karantina teil, so auch hier am 28. Oktober 2020. Hier, fast drei Monate nach den Explosionen in Beirut, zeigt er stolz seine neuesten Zeichnungen.

Hussein (12) nimmt regelmäßig an den psychosozialen Sitzungen für Kinder im Stadtpark Karantina teil, so auch hier am 28. Oktober 2020. Hier, fast drei Monate nach den Explosionen in Beirut, zeigt er stolz seine neuesten Zeichnungen. © UNICEF

 

Der Kern dieser nötigen Unterstützung liegt in der psychosozialen Betreuung der betroffenen Kinder und Familien. Dies soll ihnen helfen, ihre Traumata zu verarbeiten, die sie während und nach den Explosionen erlebt haben. UNICEF hat dabei mehr als 33.000 Menschen erreicht, darunter 7.200 Kinder sowie Eltern und primäre Betreuer.

„Die psychosoziale Unterstützung von Kindern und Eltern ist ein entscheidender Schritt, um den Menschen zu helfen, ihr zerbrochenes Leben wiederaufzubauen", sagt die UNICEF-Libanon-Chefin Yukie Mokuo. „Die unmittelbaren Narben beginnen dank großen Anstrengungen zu heilen. Die tiefen, sichtbaren und unsichtbaren Wunden von Kindern und Familien, die in einem Land leben, das aktuell mehrere Notlagen erfährt, erfordern nachhaltige Solidarität, großes Engagement und weitere Unterstützung."

Der 12-jährige Hussein* ist ein Kind, das diese Art von Unterstützung erhalten hat. „Ich hatte aufgehört, Farbe auf meinen Zeichnungen zu verwenden. Nach der Explosion hatte meine Welt keine Farbe mehr. Die Explosion ließ alle Farben in meinem Leben verschwinden. Alles hat sich verändert", sagt Hussein, der im Bezirk Karantina lebt, einem der am schlimmsten betroffenen Viertel Beiruts. Zehn Wochen später und nach anhaltender Unterstützung kehrt im Leben von Hussein und anderer betroffenen Kinder langsam der Anschein von Normalität wieder ein. „Die Farbe ist in mein Leben zurückgekehrt", sagt er.

In den vergangenen 100 Tagen haben UNICEF und Partner:

  • mehr als 7.200 Kindern, Eltern sowie primären Betreuer*innen psychosoziale Unterstützung durch kindgerechte Räume in den betroffenen Gebieten und durch Peer-to-Peer-Sitzungen geboten;
  • ein Notfall-Geldtransferprogramm eingerichtet, das in den kommenden Monaten bis zu 80.000 gefährdete Kinder und Einzelpersonen unterstützen wird;
  • über 22.000 Kinder unter fünf Jahren mit lebenswichtigen Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin A, energiereichen Biskuits sowie Spezial- und Notfall-Nahrungsrationen versorgt;
  • die Wasserversorgung in 1.060 Gebäuden wiederhergestellt und damit 20.765 Menschen in 4.080 Haushalten erreicht;
  • 4.882 Wassertanks installiert, darunter 111 in drei stark betroffenen Krankenhäusern in Karantina, Wardiya und Geitaoui;
  • wichtige humanitäre Hilfsgüter und COVID-19-Schutz- und Hygieneartikel im Wert von 3,7 Millionen US-Dollar an Partner verteilt. Rund 80 Prozent der Lieferungen wurden lokal beschafft, um die libanesische Wirtschaft zu unterstützen;
  • sich verpflichtet, den Wiederaufbau von sieben Schulen sowie die Bereitstellung von Mobiliar und Material für fast 90 Schulen zu unterstützen;
  • mehr als 1.800 junge Menschen zur Unterstützung mobilisiert. Die Arbeiten konzentrierten sich insbesondere auf die Reinigung, kleinere Instandsetzungen in den Haushalten sowie die Zubereitung und Verteilung von Mahlzeiten für betroffene Familien;
  • 7.500 Mini-Hygienesets bereitgestellt, einschließlich COVID-19-Präventionsartikel. Außerdem wurden Informationen zur Vorgehensweise bei sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt vermittelt;

„Die Reaktion von UNICEF in den letzten 100 Tagen war lebensrettend, schnell und unerlässlich", sagt Youki Mokuo. „Doch unsere Arbeit geht weiter." Der Wiederaufbau Beiruts und die Stärkung des Geistes des libanesischen Volkes sei ein langfristiges Engagement. UNICEF und hätte gemeinsam mit Partnern Tausende von Kindern und Familien unterstützt, die von der Explosion betroffen waren, aber die Not sei nach wie vor groß, so Mokuo. „Wir danken all unseren Spender*innen – Einzelpersonen, Regierungen und Unternehmen – von ganzem Herzen. Ihre Bemühungen und ihr Engagement helfen uns, uns für die Kinder, Jugendlichen und Familien im Libanon einzusetzen."

UNICEF hat bisher 33 Prozent der 50 Millionen US-Dollar erhalten, die für den Bedarf der Kinder und Familien benötigt werden. Um mehr Kinder, Jugendliche und Familien zu erreichen, bedarf es nachhaltiger Unterstützung. Eine Aufstockung der Mittel würde es UNICEF ermöglichen, noch wirksamer auf einige der eskalierenden Herausforderungen im Bereich des Kinderschutzes im ganzen Land zu reagieren. Weiters sollen mehr Familien, die sich die Kosten für grundlegende Dienstleistungen nicht leisten können, unter die Arme gegriffen werden. Es bedarf weiterer Beiträge zum Wiederaufbau von mehr Schulen. Ebenso muss die Wasserversorgung der Haushalte in den betroffenen Gebieten verbessert und die Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für mehr Jugendliche bereitgestellt werden, die am Wiederaufbau ihrer Stadt arbeiten.

Für Redaktionen

Der Bericht sowie *Husseins Geschichte und eine Auswahl an Videos und Fotos steht Redaktionen im Rahmen der Berichterstattung zum kostenfreien Download zur Verfügung.