Über 1,5 Millionen Kinder durch Überschwemmungen in Zentralvietnam gefährdet

Ha Noi/Quang Binh (Vietnam)/Wien - Überschwemmungen und Erdrutsche in fünf Provinzen in Zentralvietnam setzen mehr als 1,5 Millionen Kinder dem Risiko von Krankheiten, schlechter Ernährung und verzögerter Entwicklung aus.

Ein Mann trägt sein Kind unter einem Regenponcho während er eine überflutete Gasse in der zentralvietnamesischen Stadt Hue überquert. 17. Oktober 2020

Ein Mann trägt sein Kind unter einem Regenponcho während er eine überflutete Gasse in der zentralvietnamesischen Stadt Hue überquert. 17. Oktober 2020 © UNICEF

Mindestens 135.000 Familien sind von Überschwemmungswasserständen von bis zu zwei Metern Höhe in bestimmten Gemeinden direkt betroffen und mehr als eine halbe Million Menschen hat keinen Zugang zu sicheren Wasserquellen.

Familienhäuser werden verwüstet, Ernten und Lebensgrundlagen zerstört und die Infrastruktur beschädigt. Bis heute wurden 42 kommunale Krankenstationen beschädigt und viele weitere sind aufgrund des Hochwassers isoliert und unzugänglich. Dadurch sind Mütter und Kinder von der grundlegenden und präventiven Gesundheitsversorgung abgeschnitten, die gerade in Zeiten eines erhöhten Krankheitsrisikos so wichtig ist. An vielen Orten sind Schulen beschädigt worden und bleiben vorübergehend geschlossen. Infolgedessen gehen derzeit fast 1,2 Millionen Schüler*innen nicht in die Schule und ihr Unterricht  ist unterbrochen. Das Zeitfenster, um Hilfe zu leisten, ist eng, da sich ein neuer Zyklon in der Nähe derselben Küstenregion befindet und in den nächsten Tagen Land erreichen könnte.

UNICEF-Expert*innen haben sich einem Team unter der Leitung der vietnamesischen Katastrophenschutzbehörde angeschlossen und sind in die am stärksten betroffenen Provinzen gereist, um die Situation von Kindern und Frauen zu beurteilen und das volle Ausmaß der Bedürfnisse zu erfahren. Auf der Grundlage dieser Informationen wird UNICEF weitere Mittel und Fachkenntnisse zur Unterstützung der Regierung aufbringen, um die Gemeinden bei der Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen zu unterstützen.

„Die Überschwemmungen und Erdrutsche haben in den besuchten Gemeinden schwere Schäden verursacht. Schulen wurden beschädigt und Bücher sowie anderes Lernmaterial wurden durch das Wasser zerstört. Die Bevölkerung hat keinen Zugang zu fließendem Wasser, die Toiletten stehen unter Wasser und der Mangel an persönlicher Hygiene und sanitären Einrichtungen erhöht das Risiko, krank zu werden. Wir sehen bereits Erkrankungen gynäkologischer Art oder Durchfall", sagt Ly Phat Viet Linh, UNICEF-Notfallspezialist, der nach Quang Binh, einer der bisher am stärksten betroffenen Provinzen, reiste.

„UNICEF hat zunächst 100.000 Dollar für Nothilfe in den Bereichen Wasser, sanitäre Einrichtungen, Hygiene, Gesundheit, Ernährung und Bildung sowie psychosoziale Unterstützung und Kinderschutz bereitgestellt", sagt Rana Flowers, UNICEF-Vertreterin in Vietnam. „Während wir uns dringend mit Gesundheitsrisiken befassen, müssen wir auch dafür sorgen, dass Kinder wieder lernen. Angesichts der Umstände, unter denen viele zum Online-Lernen zurückkehren müssen, ist die Bewertung des Zugangs und der Konnektivität eine wichtige Maßnahme für das Bildungsteam. Gleichzeitig müssen wir sorgfältig auf das psychische Wohlbefinden der Kinder achten – wir  müssen uns genau bewusst sein, wie sich solche Katastrophen auf die Kinder auswirken – nicht nur auf ihre körperliche Gesundheit und Ernährung. Frauen und Kinder sind oft erhöhten Schutzrisiken ausgesetzt und sie erleben Stress und Ängste, denen wir so schnell wie möglich begegnen müssen", fügt Flowers hinzu.  

Angesichts der Vorhersage weiterer Regenfälle beobachtet UNICEF sorgfältig die Gesundheitsrisiken und sucht nach Lösungen, um den Herausforderungen – wie die Ausbreitung von Krankheiten, der Mangel an nahrhaften Lebensmitteln für Frauen und Kinder, Gesundheitschecks und die Betreuung von Schwangeren oder die Aufrechterhaltung von Routineimpfungen – zu begegnen.

„Die Berichte von UNICEF-Mitarbeiter*innen in den betroffenen Provinzen zeigen, dass die Schäden erschütternd sind und die Risiken für Kinder steigen. Sie haben bereits unter den Auswirkungen von COVID gelitten. UNICEF spricht den Betroffenen sein aufrichtiges Beileid aus und wir rufen unsere Unterstützerfamilie auf der ganzen Welt auf, die Wiederaufbaubemühungen zu unterstützen", sagt Rana Flowers abschließend.