9 Jahre Syrien – aufgewachsen mit nichts als Krieg

Damaskus/New York/Wien - Es ist unvorstellbar, dass der Krieg in Syrien schon neun Jahre dauert und kein Ende in Sicht ist. Die Auswirkungen auf die Kinder und ihre Kindheit sind unaussprechlich. Vier von fünf Kindern aus Syrien benötigen Hilfe, vor allem brauchen sie Schutz und Sicherheit.

13. Feb. 2020 Syrien: Jana wurde 2019 mit Gelbsucht geboren. Ihre Mutter war mangelernährt.

13. Feb. 2020 Syrien: Jana wurde 2019 mit Gelbsucht geboren. Ihre Mutter war mangelernährt.

Der Konflikt in Syrien hat eine Abwanderung in der mittlerweile größten anhaltenden Vertreibungskrise der jüngeren Geschichte ausgelöst. Die Menschen flohen innerhalb Syriens, über seine Grenzen und darüber hinaus. Seit 2012 hat sich die Zahl der geflohenen Kinder innerhalb Syriens mehr als verdoppelt. In den vergangenen drei Monaten wurden durch die Gewalt im Nordwesten Syriens mehr als 575.000 Kinder vertrieben. Das entspricht der höchsten Zahl in so kurzer Zeit seit Beginn des Krieges im Jahr 2011.

Die Kindheit in Syrien ist von Verlust, Angst und Entbehrung geprägt.

Fast 6 Millionen Kinder kennen nichts anderes als Krieg. Knapp 4,8 Millionen Kinder in Syrien wurden in den Krieg hineingeboren und mehr als 1 Million kamen schon als Flüchtlinge auf die Welt. Die Auswirkungen des Krieges auf die Nachbarländer Syriens, darunter Jordanien, Libanon, Irak, Ägypten und die Türkei, haben sowohl die Aufnahme, als auch die Flüchtlingsgemeinschaften stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese Länder beherbergen 83 Prozent der Gesamtzahl aller syrischen Flüchtlinge weltweit. Dies belastet die ohnehin bereits wirtschaftlich schwachen Länder, insbesondere Jordanien und Libanon, zuzüglich. Seit 2012 ist die Zahl der geflüchteten Kinder in den Nachbarländern um mehr als das Zehnfache auf 2,5 Millionen gestiegen.

Die Grundversorgung der Kinder hat den schwersten Schaden genommen: Die Hälfte der medizinischen Einrichtungen sind nicht funktionsfähig und zwei von fünf Schulen sind außer Betrieb. Fast 1.000 Bildungs- und medizinische Einrichtungen wurden angegriffen. UNICEF schätzt, dass 2,8 Millionen syrische Kinder keine Schule besuchen, die meisten davon innerhalb Syriens. Einige Kinder waren noch nie in der Schule, während andere neun Jahre ihrer Schulzeit versäumt haben, was es für sie extrem schwierig macht, ihren Rückstand aufzuholen. In Teilen Syriens ist der Schulbesuch aufgrund von Gewalt und Angriffen zeitweise zu einer Frage von Leben und Tod geworden.

In den Nachbarländern sind die Regierungen durch die zusätzlichen Schulkinder überfordert. Es werden weiterhin massive Anstrengungen unternommen, um diese Bildungskrise zu überwinden. Die kontinuierliche Finanzierung durch SpenderInnen, die beispiellose Großzügigkeit der Regierungen und Gemeinden der Gastländer, die unermüdliche Arbeit heldenhafter LehrerInnen und die Entschlossenheit syrischer Kinder und ihrer Familien haben 5 Millionen syrischen Kindern zu einer Ausbildung verholfen.

Die Maßnahmen von UNICEF für syrische Kinder und ihrer Familien sind eine der größten in unserer Geschichte. Dies steht im Einklang mit dem Umfang und der Größe der humanitären Bedürfnisse vor Ort, nicht nur innerhalb Syriens, sondern in der gesamten Subregion. Hilfsprogramme decken sechs Länder ab, in denen UNICEF Teams weiterhin die Bedürfnisse von Millionen von Kindern in Syrien und den Nachbarländern decken. So konnten innerhalb Syriens über 3,3 Millionen Menschen gegen Polio geimpft werden. In Syrien und den Nachbarländern wurden über 1 Million Kinder mit psychologischer Unterstützung erreicht, fast 3 Millionen Kinder hatten Zugang zu formaler und nicht-formaler Bildung und über 5,3 Millionen Menschen erhielten Zugang zu sauberem Wasser.

Auch wenn die humanitäre Hilfe die Krise in Syrien nicht lösen wird, ist es entscheidend, dass UNICEF weiterhin Unterstützung erhält, um den bedürftigen syrischen Kindern und ihren Familien zu helfen, wo immer sie sich befinden. UNICEF wird auch weiterhin Aufnahmegemeinschaften in den Nachbarländern, die in Not geraten sind, Hilfe zukommen lassen. Die einzige Lösung für die Krise in Syrien ist der diplomatische Weg. Bis dahin wird UNICEF syrischen Kindern weiterhin entscheidende Hilfe für ihr Überleben und ihre Zukunft leisten. Derzeit werden 682 Millionen US-Dollar für die Programme innerhalb Syriens und in den Nachbarländern benötigt.

Für Redaktionen

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